Wer sich intensiv mit Kapitalanlagen beschäftigt, trifft früher oder später auf den Namen Warren Buffett. Der von ihm entwickelte Buffet Indikator ist ein geeignetes Instrument, um den vollständigen Aktienmarkt eines Landes zu bewerten.

Seine Methode basiert auf der Fundamentalanalyse, bestimmt den realwirtschaftlichen Wert einer Anlage und setzt ihn ins Verhältnis zum tatsächlichen Preis der Aktie.

Grundsätzlich gilt dabei: je höher der innere Wert der Aktie und je niedriger der Preis, desto attraktiver die Anlage. So machte er die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway Inc. zu einem der wertvollsten Unternehmen überhaupt.

Buffet Indikator

Kurzüberblick: Buffet Indikator

Der Buffett Indikator setzt den Börsenwert aller gehandelten Aktien (bzw. Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen) in Relation zum Bruttoinlandsprodukt.

Ursprünglich nutzte Buffett dazu den Wilshire 5000, also den Aktienindex aller börsennotierten US-Unternehmen, und setzte ihn ins Verhältnis zum US-amerikanischen Bruttosozialprodukt (BSP).

Der Indikator benötigt zur genauen Interpretation eine Analyse des Gesamtmarktes und insbesondere des herrschenden Zinsniveaus.

Grundsätzlich gilt ein Markt mit einem Wert unter 70 als unterbewertet, liegt er (weit) über 100 als überbewertet.

Der Indikator zielt auf eine Einschätzung des Gesamtmarktes und ist weniger dazu geeignet, einzelne Unternehmen zu bewerten.

Was ist der Buffett Indikator?

Warren Buffett entwarf den nach ihm benannten Buffet Indikator, um den US-Aktienmarkt insgesamt zu bewerten. Dazu setzte er die Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen ins Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Mittlerweile dient fast ausschließlich das Bruttoinlandsprodukt als Berechnungsgrundlage.

Grundlegend setzt der Indikator damit den Wert aller Aktienunternehmen in Relation zur Wirtschaftskraft eines Landes. Eine genaue Interpretation des Ergebnisses bedarf einer tiefergehenden Analyse des Gesamtmarktes und ist vor allem vom Zinsniveau abhängig.

Buffet Indikator
Buffet Indikator Stand 2024

Pauschal gilt ein Markt als klar unterbewertet, wenn die gesamte Marktkapitalisierung nur 50 % des BIP entspricht.

Ab einem Wert von etwa 80% erfährt der Markt eine korrekte Bewertung. Je weiter der Wert über 100% steigt, desto überbewerteter ist er. „You are playing with fire“, sagte er dagegen zu einem Anstieg auf 200%.

Warren Buffett: Der 1930 geborene Investor Warren Buffett ist Chairman und CEO der 1955 gegründeten US-amerikanischen Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway. Sein enormes Gespür für Geldanlagen und die fundamentalanalytische Methode des Value Investing machten ihn zu einem der erfolgreichsten und vermögendsten Investoren der Welt.

Wie wird der Buffett Indikator berechnet?

Die Berechnung des Buffett Indikators benötigt lediglich zwei Größen: die Gesamtmarktkapitalisierung sowie das Bruttoinlandsprodukt des betrachteten Landes. Die Marktkapitalisierung errechnet sich aus allen Aktien aller börsennotierten Unternehmen mal Kurs der Aktien. Das BIP wird in Deutschland vom Statistischen Bundesamt errechnet, in den USA vom U.S. Bureau of Economic Analysis.

Buffet Indikator

Ist die Marktkapitalisierung höher als das BIP, liegt der Wert über 100. Die grundlegende Idee liegt darin begründet, dass der Aktienmarkt sich der Wirtschaftskraft des Landes anpasst. Die Zahl ist weitaus aufschlussreicher, wenn ihr Verlauf über mehrere Jahre und im Kontext der wirtschaftlichen Umstände betrachtet wird.

Gesamtmarktkapitalisierung: Die Gesamtmarktkapitalisierung berechnet sich aus allen im Umlauf befindlichen Aktien der börsennotierten Unternehmen mal aktuellem Kurswert der jeweiligen Aktie. Sie beschreibt damit den aktuellen Wert aller börsennotierten Unternehmen. In den USA die der Wilshire 5000 als Grundlage. Dabei ist jeder Punkt etwa 1,2 Milliarden US-Dollar wert.

Bruttoinlandsprodukt (BIP): Das BIP gibt den Wert aller Waren und Dienstleistungen an, die während eines Jahres innerhalb eines Landes geschaffen wurden. Dabei wird nur der Wert des Endproduktes eingepreist, die Vorleistungen fallen demnach weg. Das BIP gilt als wichtigste Größe, um die tatsächliche Wirtschaftsleistung eines Landes zu bestimmen. Die prozentuale Veränderung des BIP beschreibt das Wirtschaftswachstum.

Wie wird der Buffett Indikator interpretiert?

Da der Buffet Indikator den gesamten Aktienmarkt betrachtet, ist er für die Analyse eines einzelnen Unternehmens nicht geeignet. Es geht eher darum, sich einen Überblick über die Lage des gesamten Marktes zu verschaffen.

Die Einfachheit des Indikators limitiere laut Buffett die Anwendbarkeit. Der Zusammenhang wird jedoch von einigen Studien bestätigt, auch weil der Indikator verzerrte Bilanzierungen der Unternehmen ignoriert.

Allerdings haben die seit Einführung des Indikators durchschnittlich sinkenden Leitzinsen einen wichtigen Einfluss auf den Indikator, da der Aktienmarkt aufgrund der relativ einfachen Geldbeschaffung stärker wird.

Weitere Faktoren wie die deutlich zugenommene Globalisierung, die die Aussagekraft des BIP durchaus verändert und viele Änderungen weiterer wirtschaftlicher Strukturen üben ebenfalls einen erheblichen Einfluss aus.

Buffet selbst sieht einen Markteinstieg als vorteilhaft, wenn der Indikator 70 % bis 80 % anzeigt. Der Aktienmarkt ist dann eher unterbewertet. Im Bereich der 90-%-Marke kannst Du von einer fairen Bewertung ausgehen. Je weiter der Wert sich von 100 % entfernt, desto überbewerteter ist der Markt. Dann liegen den erhöhten Aktienpreisen keine steigende Wirtschaftskraft zugrunde.

Hinweis: Die Prozentzahlen solltest Du bei deiner Analyse eher als Richtwert verstehen. Sie eignen sich hervorragend, um die Marktlage besser einzuschätzen. Eine tiefgehende Fundamentalanalyse und eine technische Analyse einzelner Unternehmen sind vor einem Einstieg jedoch unerlässlich. Insgesamt stieg die Marktkapitalisierung in den USA in den letzten Jahrzehnten schneller und mit einer höheren Volatilität als das stetig anwachsende BIP.

Der Buffett Indikator in Deutschland

Den Buffet-Indikator auf andere Indikatoren ist auf jeden Fall möglich und auch für Deutschland sinnvoll. Die Interpretation des Indikator-Werts muss jedoch angepasst werden. Das liegt vor allem daran, dass die börsennotierten Unternehmen in Deutschland grundsätzlich einen deutlich kleineren Anteil an der Wirtschaftskraft haben. Das hat vielfältige wirtschaftliche Gründe. Der Buffet-Indikator liegt in Deutschland deshalb in der Regel niedriger als in den USA.

2020 hatte er in Deutschland einen Wert von 120 %, weshalb der deutsche Aktienmarkt als überbewertet anzusehen war. Für eine gute Interpretation solltest Du Dir den Indikator im Verlauf der Zeit anschauen. Nur im Verhältnis zu vergangenen Werten derselben Volkswirtschaft kannst Du eine schlüssige Aussage treffen.

Vorteile des Buffet Indikators

Falls Du Dich bereits mit technischen Analysemethoden auseinandergesetzt hast, ist Dir möglicherweise aufgefallen, dass die Berechnungen etwa des ATR Indikators durchaus komplex ausfallen. Das liegt auch an den zahlreichen Größen, die der ATR Indikator verwendet. Die Berechnung nimmt Dir Deine Trading Plattform zwar ab, doch das Verständnis dafür, was der Indikator tatsächlich macht, bleibt dabei leider oftmals auf der Strecke.

Der Buffet Indikator hingegen benötigt nur zwei Größen, und zwar das BIP sowie die Gesamtmarktkapitalisierung. Dadurch fällt die Interpretation leichter. Trotzdem oder gerade deswegen besitzt der Indikator eine hohe Aussagekraft. Das lässt sich auch empirisch belegen. Einige Studien zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen eine hohe Korrelation zwischen diesen Größen besteht. Welche Bedingungen das sind, zeige ich Dir bei den noch folgenden Nachteilen.

Geringe Manipulationsmöglichkeiten: Unternehmen greifen bei den Berechnungen ihrer Bilanzen und Gewinne gerne auf verschiedene Tricks zurück, um beispielsweise Steuerzahlungen zu vermeiden. Möchtest Du Dich damit genauer auseinandersetzen, solltest Du Dich mit Earnings Management beschäftigen. Die Zahlen des BIP und der Gesamtmarktkapitalisierung sind allerdings Größen, an denen Unternehmen nicht so leicht rütteln können. Entsprechend objektiv sind Deine Ergebnisse.

Umfassendes Bild: Während die meisten Indikatoren Analysen über Teilaspekte eines Marktes oder gar nur eines Finanzinstruments zulassen, ermöglicht der Buffet Indikator Aussagen über das große Ganze. Zum BIP tragen nicht nur an der Börse gelistete Unternehmen bei, sondern auch kleine und mittelständische, sodass die gesamte Wirtschaft dank des Indikators auf den Prüfstand steht.

Nachteile des Buffet Indikators

Aus den Vorteilen, die der Buffet Indikator mit sich bringt, lassen sich größtenteils direkt auch dessen Nachteile ableiten. Für Day Trading ist die ganzheitliche Betrachtung, die der Buffet Indikator ermöglicht, zwar nicht völlig irrelevant, aber deutlich weniger aussagekräftig. Marktbetrachtungen dieser Art lohnen sich für Day Trader vor allem, um das Verständnis für den Markt generell zu erweitern.

Außer dieser Begründung liegen allerdings auch Schwächen vor, die inhaltlicher Natur sind. Kritiker bezweifeln etwa die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Märkten oder weisen auf eine unzulässig ungenaue Betrachtung des Marktes hin.

Strukturelle Schwächen: Der Buffet Indikator findet nicht nur auf dem US-Markt Anwendung. Dort liegt allerdings eine hohe Kapitalisierungsrate vor, die auf anderen Märkten nicht gegeben ist. Außerdem tendiert der Buffet Indikator dazu, große Unternehmen überzubetonen, insbesondere in den Märkten, in denen diese einzig aufgrund ihrer schieren Größe eine große Marktmacht ausüben.

Vergleich kaum zielführend: Möchtest Du Märkte verschiedener Länder miteinander vergleichen, führt dies aufgrund der unterschiedlichen Marktstrukturen zu wenig aussagekräftigen Ergebnissen. Während Deutschland insbesondere für seinen starken Mittelstand bekannt, dominieren in den USA Riesenunternehmen, insbesondere in der Tech-Branche, die teilweise zum Monopol tendieren.

Zweifelhafte Eignung: Den Buffet Indikator stellte der US-Investor bereits 2001 vor. Seitdem hat sich die Wirtschaft durchaus verändert. Das Silicon Valley sorgt für hohe Gewinne außerhalb der USA, die Globalisierung schreitet weiter voran. Märkte getrennt voneinander zu betrachten wird immer schwieriger.

Schwieriger Umgang: Die großen Tech-Unternehmen erwirtschaften ihre Gewinne kaum noch dadurch, dass sie materielle Güter produzieren. Dadurch verzerrt der Buffet Indikator noch stärker, da schwierig zu definieren ist, welche Gewinne noch zum BIP zählen in dem Sinne, dass der Buffett Indikator an Aussagekraft nicht verliert.

Niedrige Zinssätze und Wirtschaftswachstum: Inwiefern ein Unternehmen über- oder unterbewertet ist, hängt auch mit der Frage der Finanzierung zusammen. Beispiel: Die Niedrigzinspolitik der EZB steht in der Kritik, weil sie Unternehmen am Markt halten würde, die eigentlich unproduktiv seien. Andersherum investieren Unternehmen dank günstiger Kredite verstärkt in ihr Wachstum.

Die Aussagekraft des Buffett Indikators

Wie ich Dir bereits erläutert habe, ist der Indikator nur dazu geeignet, den Gesamtmarkt zu beurteilen. Dafür gilt er unter Experten als eine der wichtigsten und besten Kennzahlen überhaupt. Beachte aber, dass der Indikator für die Bewertung einzelner Unternehmen nicht annähernd ausreicht und zu Fehleinschätzungen führen kann.

Speziell vereinzelte Branchen und Unternehmen können trotz eines hohen Buffet Indikators unterbewertet sein. Andersherum sind einige Unternehmen trotz niedrigen Buffett Indikator stark überbewertet.  Einzelne Unternehmen kannst Du besser mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis bewerten. Es beschreibt die Relation zwischen dem Preis einer Aktie und dem Gewinn des Unternehmens (KGV).

Sinnvoll ist auch das Verhältnis zum Umsatz (KUV). Die Kennzahlen (insbesondere das KUV) ähneln dem Buffett Indikator. Interessierst Du Dich für den Einstieg in ein Unternehmen, solltest Du geeignete Kennzahlen nutzen und gleichzeitig die gesamtwirtschaftliche Situation betrachten.

FAQ – Buffett Indikator

Was ist der Buffett Indikator?
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Der Buffett Indikator setzt die Gesamtmarktkapitalisierung ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Dazu teilst Du den Wert aller börsennotierten Unternehmen eines Landes durch das BIP. Liegt der Wert unter 80 %, gilt ein Markt als unterbewertet. Je weiter der Wert über 100 % liegt, desto überbewerteter ist er.
Wie entstand der Buffett Indikator?
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Gemeinsam mit der Co-Autorin und Journalistin Carol Loomis veröffentlichte der Chairman und CEO von Berkshire Hathaway, Warren Buffett, im Jahr 2001 in dem Wirtschaftsmagazin Fortune ein Essay. Darin beschrieb er den später nach ihm benannten Indikator erstmalig und zeigte, dass sich die Dotcom-Blase hätte vorhersagen lassen können.
Eignet sich der Buffett Indikator zur Beurteilung von Finanzmärkten?
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Der Indikator gilt als einer der besten, um Finanzmärkte als Ganzes zu betrachten. Einige Studien weisen den Zusammenhang, den Buffett herstellt, als plausibel nach. Für den Einstieg in ein Unternehmen ist es jedoch notwendig, dieses einzeln zu betrachten.
Wie hängen das BIP und der Buffett Indikator zusammen?
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Zusammen mit der Gesamtmarktkapitalisierung ist das BIP die Grundlage der Berechnung des Indikators. Aufgrund stark wachsender global-wirtschaftlicher Zusammenhänge kann das BIP jedoch an Aussagekraft verlieren. Möglicherweise ist das Bruttonationaleinkommen (BNE) ebenso gut geeignet.
Wo kann der Buffett Indikator angewendet werden?
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Auch wenn Warren Buffett den Indikator für den US-amerikanischen Markt entwickelt hat, kann er prinzipiell auf jedes Land übertragen werden. Dafür sind jedoch Anpassungen hinsichtlich der Interpretation notwendig. In den USA gilt aufgrund der vorherrschenden Unternehmensstrukturen, dass ein Wert zwischen 70 % und 80 % für Investitionen geeignet ist.
Wie wird der Buffett Indikator dargestellt?
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Oft wird der Buffett Indikator als Liniendiagramm dargestellt – und das ist auch sinnvoll. So erkennst Du Veränderungen des Indikators auf einen Blick. Dabei siehst Du auf der y-Achse den Wert des Indikators und auf der x-Achse die Zeit. Die Werte selbst werden dabei in Prozent angegeben.
Welche Indizes berücksichtigt der Buffett Indikator?
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Buffett nutzte den Wilshire 5000, der alle börsennotierten Unternehmen des Landes beinhaltet. Auch der S&P 500 findet gelegentlich Verwendung, da er den Großteil der Aktienwerte abbildet. In Deutschland entspricht ihm am ehesten der HDAX.
Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

„Egal in welcher Marktphase man sich befindet – mit meinen Strategien kann ich seit über 6 Jahren flexibel im Markt erfolgreich agieren!“

>75% Trefferquote

+6 Jahre Erfahrung

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Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.