Um die Chartanalyse lernen und anhand von Mustern korrekt durchführen zu können, benötigt es einiges an Erfahrung. Erste Schritte kannst Du mit meiner ausführlichen Anleitung machen.

Ich stelle Dir auch die bekanntesten Chartmuster einmal etwas genauer vor. Trading Chart Pattern sind dabei eine der spannendsten Bestandteile der technischen Analyse.

Ob für das kurzfristige Trading oder für die langfristige Anlage – richtig angewandt, stellt die Charttechnik ein äußerst nützliches Hilfsmittel zur Bewertung eines Assets dar.

#1 Chartanalyse lernen: Trends erkennen und folgen mittels der Dow-Theorie

Damit ich Trends und Trendumkehrpunkte besser vorhersagen kann, greife ich gerne auf die Dow-Theorie zurück. Charles Dow, der Begründer dieser Theorie, postulierte, dass sich Trends in 3 Phasen entwickeln: die Akkumulationsphase, Phase der Öffentlichkeit und Distributionsphase.

Trendtypen Technische Analyse
Trendtypen Technische Analyse

Ein Grundpfeiler der Theorie ist, dass Trends so lange intakt bleiben, wie sie nicht gebrochen werden. Für uns als Trader heißt das: Dem Trend zu folgen ist sehr oft eine kluge Entscheidung.

Die Akkumulationsphase, Phase der Öffentlichkeit und Distributionsphase sind wichtig, weil sie helfen, verschiedene Stadien im Lebenszyklus eines Finanzinstruments zu verstehen und können Hinweise auf zukünftige Marktbewegungen liefern.

Akkumulationsphase: Erfahrene Investoren bauen schrittweise Positionen auf, Preise sind stabil oder leicht rückläufig. Das Handelsvolumen steigt allmählich.

Phase der Öffentlichkeit: Breite Öffentlichkeit zeigt großes Interesse, positive Medienberichterstattung. Preise und Handelsvolumen steigen aufgrund privater Anleger.

Distributionsphase: Erfahrene Investoren beginnen, Gewinne zu realisieren, während die Öffentlichkeit weiterhin kauft. Preise bleiben stabil oder steigen leicht, Handelsvolumen nimmt möglicherweise ab. Signal für mögliche Trendumkehr.

Das Erkennen der 3 Phasen ist, wie in der Technischen Analyse üblich, reine Übungssache. Hat man aber einmal den Dreh raus, dann kann das unglaublich sehr dabei helfen, seine Ein- und Ausstiege besser zu timen.

DOW Theorie
3 typische Marktzyklen

Die Phasen der Akkumulation, der Phase der Öffentlichkeit und der Distributionsphase sind nicht explizit Teil der klassischen Dow-Theorie, es ist allerdings wichtig diese für das Marktverständnis zu erkennen.

Charles H. Dow entwickelt und betont die Identifizierung von drei Haupttrendphasen: Primärtrend, Sekundärtrend und Tertiärtrend. Diese Trendphasen spiegeln die allgemeine Richtung des Marktes wider und bilden die Grundlage für die technische Analyse.

Primärtrend: Der Primärtrend ist der übergeordnete, langfristige Trend auf dem Markt. Er erstreckt sich über mehrere Monate bis hin zu Jahren und spiegelt die grundlegende Richtung des Marktes wider. Politik und Wirtschaft haben einen starken Einfluss.

Sekundärtrend: Hierbei handelt es sich um eine Zwischenbewegung, die innerhalb des Primärtrends auftritt. Er dauert normalerweise mehrere Wochen bis einige Monate. Während der Sekundärtrend gegen den Primärtrend gerichtet sein kann, kehrt er oft zum übergeordneten Trend zurück. Du könntest versuchen, von diesen kurzfristigen Schwankungen zu profitieren.

Tertiärtrend: Der Tertiärtrend ist die feinste und kürzeste der drei Phasen. Er umfasst kurzfristige Bewegungen innerhalb des Sekundärtrends. Diese Mikrobewegungen können oft auf tages- oder wochenlanger Basis beobachtet werden und sind in der Regel schwerer vorherzusagen.

Da die Dow-Theorie allerdings schon etwas fortschrittlicher ist, reicht es zunächst auch erstmal nur aus, wenn Du zwischen den oben erwähnten Trendtypen unterscheiden bzw. diese erkennen kannst.

Mit der Dow Theorie traden

Identifiziere den Primärtrend: Verwende passende Zeiteinheiten, um den übergeordneten Primärtrend zu erkennen. Suche nach eindeutigen Hochs und Tiefs.

Bestätige mit Sekundärtrends: Suche nach Rücksetzern oder Gegenbewegungen im Primärtrend, die als Sekundärtrends bezeichnet werden. Diese könnten kurzfristige Korrekturen darstellen. Eine Bestätigung des Primärtrends durch aufeinanderfolgende höhere Tiefs (bei einem Aufwärtstrend) oder tiefere Hochs (bei einem Abwärtstrend) ist ein positives Zeichen.

Beachte das Handelsvolumen: Nach der Dow-Theorie ist das Handelsvolumen besonders wichtig. Während eines Aufwärtstrends sollte das Volumen bei Kursgewinnen steigen und bei Rücksetzern abnehmen. In einem Abwärtstrend sollte das Volumen bei Kursrückgängen steigen und bei Erholungen abnehmen.

Identifiziere kurzfristige Tertiärtrends: Suche kurzfristige Tertiärtrends innerhalb der Sekundärtrends. Nutze Trendlinien, um diese kurzfristigen Bewegungen besser zu visualisieren. Ein Durchbrechen dieser Linien könnte auf eine Änderung des Tertiärtrends hinweisen.

Bestätige Trends mit Indikatoren: Nutze zusätzlich den Gleitdurchschnitt, RSI- oder MACD-Indikator, um die Stärke eines Trends zu bestätigen. Die Indikatoren können auch auf überkaufte oder überverkaufte Märkte hinweisen.

Bereite dich auf Trendumkehr vor: Beobachte den weiteren Kursverlauf genau und suche nach Signalen für eine mögliche Trendumkehr. Hinweise könnten das Durchbrechen wichtiger Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus, signifikante Veränderungen im Handelsvolumen und divergente Bewegungen zwischen Preis und Indikatoren sein.

Die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung ist stets größer, als die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr. Diverse Charttechniken und Theorien wie die Dow Theorie helfen Dir zusätzlich dabei, den zukünftigen Kursverlauf besser einzuschätzen.

#2 Wichtige Kursmarken für das Trading finden

In der technischen Analyse stellen Unterstützungen und Widerstände wichtige horizontale Kursmarken dar. Sie helfen Dir dabei, wichtige Preisniveaus im Chart zu erkennen. Dadurch kannst Du bessere Ein- und Ausstiegspunkte beim Traden finden und kannst Dein Risiko besser managen.

Als wichtige Kursmarken erachte ich markante Verlaufshoch/-tiefs, offene Kurslücken, runde Marken & Fibonacci Retracement Level. An diesen Kursmarken ist oftmals mit einer Kursreaktion zu rechnen, weswegen diese Level als Unterstützung bzw. Widerstand fungieren.

Widerstand
Beispiel für Widerstand
Unterstützung
Beispiel für Unterstützung

Unterstützungen: Sie bilden sich in der Regel, wenn der Preis in der Vergangenheit ein bestimmtes Niveau erreicht hat und sich dort stabilisiert oder umkehrt. Dies geschieht, weil Investoren erwarten, dass der Vermögenswert bei diesem Preisniveau erneut Nachfrage findet. Wenn der Kurs einer Anlage immer wieder auf einem bestimmten Preisniveau abprallt und sich von dort aus wieder nach oben bewegt, spricht man von einer Unterstützung (engl. Support).

Widerstände: Sollte der Preis in der Vergangenheit zwar ein Niveau erreicht haben, aber Schwierigkeiten Probleme damit, dieses zu überschreiten, spricht man vom Widerstand. Ein Grund für solch einen Widerstand könnte beispielsweise sein, dass es Verkäufer gibt, die den Preis auf diesem Niveau als zu hoch betrachten und deshalb verkaufen. Es wird also von einem Widerstand gesprochen, wenn der Kurs regelmäßig an einem bestimmten Preisniveau abgelehnt wird.

Horizontale Preisbereiche (= Unterstützungen & Widerstände) sind die einfachsten technischen Konstrukte und auch sehr effektiv. Eine Analyse dieser Zonen ist daher unausweichlich und kann die Wahrscheinlichkeit für das Eröffnen einer Position zu einem günstigen Zeitpunkt deutlich erhöhen!

In der Praxis der Chartanalyse wirst Du vermutlich schnell dazu neigen, zu viele Zonen und zu große Zonen zu finden. Eine gute Daumenregel für bspw. Aktiencharts auf Tagesbasis ist, dass eine Zone maximal 3-5% groß ist und der Abstand zwischen den Zonen grob 20-30% beträgt (siehe Abbildung unten).

Aktienchart mit Zonen
Aktienchart mit Zonen

Je nach Zeithorizont, Zeiteinheit und Asset musst Du diese Werte natürlich anpassen. Du wirst schnell merken, wenn eine Zone „too much“ ist.

Beachte: Schaue bei Unterstützungen und Widerständen nicht auf einzelne Level, sondern stets auf Zonen, sprich Preisbereiche. Versuche in Aufwärtstrends vor allem Unterstützungen als Kaufchance zu nutzen und nutze in Abwärtstrends vor allem Widerstände als Verkaufschance. So kannst Du dem Trend besser folgen.

#3 Lerne Chartformationen für Trendwechsel zu erkennen

Chartformationen sind technische Objekte, welche meist aus 30+ Kerzen bestehen und einen Hinweis auf den künftigen Preisverlauf geben.

Bekannte und häufig genutzte Chartformationen sind zum Beispiel Schulter-Kopf-Formation, Doppeltop / Doppelbottom, Dreiecke (aufsteigend, absteigend, symmetrisch), Flaggen, sowie die inverse Schulter-Kopf-Formation.

Doppeltop
Beispiel für Doppeltop
Bullenflagge
Beispiel für Bullenflagge

Gerade als Trading-Anfänger hat man meist Probleme solche Formationen zu erkennen. Aber wie bereits geschrieben ist technische Analyse reine Übungssache.

Je mehr Bildschirmzeit Du sammelst, umso besser wirst Du solche Formationen erkennen können. Du wirst im übrigen auch merken, dass es keine Formation mit 100% Trefferquote gibt.

Es kann also auch passieren, dass trotz einer markanten Formation der Kurs anders läuft, als erwartet. Ein sinnvolles Risikomanagement sollte Dich hierbei aber problemlos vor großen Verlusten schützen.

Hinweis: Diese möglichen Fehlsignale bei Formationen sind der Grund, weswegen ich damals auch zunächst erst 1,5 Jahre im Demokonto geübt habe, bevor ich gut genug war, um ins Echtgeld-Depot zu wechseln.

Übrigens habe ich damals ganz zu Beginn immer den MSCI World ETF auf Formationen untersucht mit der Idee, dass Formationen, welche in dem weltweiten ETF super funktionieren, auch bei Einzelaktien & Indizes super funktionieren werden.

Ob das der beste Weg zum üben von Formationen ist sei dahingestellt – geholfen hat es mir aber definitiv, weswegen ich Dir dazu nur raten kann.

Damit Du wirklich nachhaltig Traden kannst, solltest Du nicht nur blind die Chartmuster lernen, sondern auch versuchen zu verstehen, warum eine Formation funktioniert und welche Rückschlüsse sich dadurch auf andere Marktteilnehmer ziehen lassen.

Schulter-Kopf-Formation richtig verstehen

Schulter-Kopf-Formation Struktur
Schulter-Kopf-Formation Grundstruktur
Schulter Kopf Schulter Formation
Beispiel für Schulter-Kopf-Formation

Die Schulter-Kopf-Formation (SKS-Formation) ist die wohl bekannteste Umkehrformation, welche einen Aufwärtstrend in einen Abwärtstrend umleiten kann. Gleichzeitig ist die Formation meiner Auffassung nach eine der stärksten Umkehrformationen, was auf die Entstehung der Formation zurückgeht.

Um die Schulter-Kopf-Formation tiefergehend zu verstehen, benötigt man ein gutes Verständnis über den Aufbau von Trends. Ein Aufwärtstrends (siehe Darstellung oben) wird durch eine Folge an Höheren Hochs (HH) & Höheren Tiefs (HT) definiert. Der Aufwärtstrend ist solange intakt, wie diese Folge intakt ist. Wird diese Folge gebrochen, durch die Realisierung eines ersten Tieferen Tiefs (TT), spricht man von einem sogenannten Trendbruch.

Betrachtet man analog den Aufbau eines Abwärtstrend, dann wird klar, weswegen die Formation so stark ist: Ein Abwärtstrend wird definiert durch eine Folge von Tieferen Tiefs (TT) & Tieferen Hochs (TH) und ist solange intakt wie die Folge besteht.

Zusammenfassung: Die Schulter-Kopf-Formation ist die stärkste Umkehrformation, da sie in ihrem Aussehen die Definition eines Trendwechsels inne hat. Ich rate Dir unbedingt Dich mit dieser Formation genauer zu beschäftigen und alle 3 Variationen der Formation kennenzulernen.

Beachte: Wenn Du Trading lernen und langfristig profitabel sein möchtest dann achte darauf, dass Du tiefergehende Kenntnisse bezüglich der Chartmuster erlangst und viel im Demokonto übst. Chartformationen sind für die technische Analyse unerlässlich!

#4 Studiere Kerzenmuster für ein tieferes Marktverständnis

Kerzenmuster sind kleine technische Objekte, welche meist aus 2-5 Kerzen bestehen. Trotz ihres scheinbar kurzfristigen Aufbaus im Vergleich zu großen Formation wie oben besprochen, haben Kerzenmuster große Durchschlagkraft und können wichtige Indizien über den künftigen Kursverlauf liefern!

Es gibt eine große Anzahl an Kerzenmuster, wobei man im Kern rund 10 Stück benennen kann. Alle weiteren Kerzenmuster sind nur Erweiterungen und funktioneiren im Kern genau wie das entsprechende Grundmuster.

Als sich der erste Terminmarkt (ein Reis-Terminmarkt) der Welt entwickelte, versuchten Händler die Preisentwicklung von Reis mittels technischer Analyse von Kerzencharts vorherzusagen. Aus diesem Grund spricht man heutzutage noch von „japanischen Kerzen“.

Durch den Ursprung der Kerzen stammen viele der Formationsnamen von japanischen Begriffen ab. So bedeutet der japanische Begriff „Harami“ beispielsweise schwanger.

Die entsprechende Harami-Kerzenformation macht sinnbildlich den Eindruck eines Körpers mit dickerem Bauch. Das Harami-Muster kann je nach Situation als Trendfolge- oder Umkehrmuster interpretiert werden.

Harami Muster
Beispiel für Harami Muster

Das stärkste Kerzenmuster ist die Harami-Formation bei weitem nicht! Spricht man über Umkehrmuster, dann führt auch kein Weg an Engulfing-Mustern vorbei! Sowohl das „Bullish Engulfing“, als auch das „Bearish Engulfing“ zählen in meinen Augen zu den stärksten Umkehrmustern!

Dieses Kerzenmuster besteht aus 2 Kerzen, wobei der zweite Kerzenkörper den ersten Kerzenkörper „verschlingt“. Engulfing ist ein englischer Begriff und bedeutet soviel wie verschlingen bzw. umschlingen.

Bullish Engulfing
Beispiel für Bullish Engulfing

Zu jedem Muster gibt es stets eine bullische, als auch eine bärische Variante. So gibt es beispielsweise ein Morning-Star Muster, was auf steigende Kurs hindeutet, während der Evening-Star auf fallende Kurse hindeutet. Hier sind einige der bekanntesten Kerzenmuster:

3 bekannte Kerzenmuster technische Analyse
Morning Star & Three White Soldiers & Shooting Star

Neben sogenannten Umkehrmuster (engl. Reversal pattern) gibt es auch Kerzenmuster, welche auf eine Fortsetzung einer Bewegung hindeuten.

Solche Fortsetzungsmuster sind deutlich seltener zu finden, da es nur wenige von ihnen gibt. Das wohl bekannteste Muster ist das „Rising Three Methods“ Muster, was in einer Aufwärtsbewegung auf weitere steigende Kurse hindeutet.

Die bärische Variante heißt im übrigen „Falling Three Methods“ und deutet in einer Abwärtsbewegung auf weiter fallende Kurse hin.

Das Kerzenmuster besteht aus einer starken Körperkerze gefolgt von 3 kleinen Kerzen, welche scheinbar eine Gegenbewegung andeuten sollen.

Zu dieser Gegenbewegung wird es allerdings nie kommen, indem die darauffolgende Kerze erneut eine starke Körperkerze ist. Das Verhalten von Stärke in der ersten Kerze, wenig Gegenwehr in den darauffolgenden Kerzen und dann erneuter Stärke deutet beispielsweise auf mögliche weitere Kursgewinne hin.

Rising Three Methods
Beispiel für „Rising Three Methods“

Beachte: Kerzenmuster können zwar Signale für die künftige Preisbewegung geben, sollten aber niemals alleine betrachtet werden, sondern stets im Gesamtbild des Marktes. So macht es beispielsweise Sinn nur nach bullischen Kerzenformationen in Aufwärtstrends Ausschau zu halten. Würde man hier auf Kerzenmuster handeln, welche auf fallende Kurse deuten, wird man wenig Erfolg haben.

#5 Bessere Einstiege durch Fibonacci Retracements

Die Fibonaccci Serie ist eine der bekanntesten Zahlenfolgen weltweit und ist wie folgt aufgebaut: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, 610, 987, 1597 und so weiter. Die in der Fibonacci Folge enthaltenen Zahlen sind in der Natur allgegenwärtig und häufig zu finden.

Von der Anzahl an Blütenblättern von Blumen, über die Form von Schneckenhäusern durch den Goldenen Schnitt – überall scheint es so als könnte man mit Fibonacci Zahlen etwas darstellen.

Aus diesem Grund versuchte man die Magie der Fibonaccis auch auf die Finanzwelt zu übertragen. Das bekannteste Werkzeug sind die Fibonacci Retracement Level.

Hinweis: Das Tool, welches sich aus der Fibonacci-Sequenz ableitet, besteht aus horizontale Linien, die anzeigen wo Unterstützungen und Widerstande wahrscheinlich auftreten werden. Die Level helfen dabei mögliche Umkehrpunkte einer Gegenbewegung ausfindig zu machen, von wo aus die eigentliche Bewgungsrichtung (=Trend) fortgesetzt werden kann.

Typische Level des Charttools sind 23.6%, 38.2%, 50% und 61.8%, wobei es auch sogenannte „Extensions“ gibt, wie zum Beispiel 161.8% und 423.6%. Diese Level kommen nicht von irgendwo her, sondern sind auf die Brüche zwischen benachbarten Zahlen zurückzuführen. So ist beispielsweise 1.597 geteilt durch 987 genau 1,618.

Fibonacci Level im Trend
Fibonacci Level im Trend

Um die Fibonaccis anzulegen suche ich mir im Chart die letzte markante Bewegung, welche aktuell korrigiert wird. Eine markante Bewegung kann man dabei stets an 2 auffälligen Punkten erkennen, wie zum Beispiel einem Verlaufstief und einem Verlaufshoch.

Deutet sich an, dass diese zwischenzeitliche Hauptbewegung erstmal korrigiert wird, so ziehe ich die Retracement Level von dem Tiefpunkt der Bewegung (engl. Swing-Low) zum Hochpunkt der Bewegung (engl. Swing-High).

Die nun eingezeichneten Level bieten mögliche Kursniveaus von wo aus der nächste Schub in die ursprüngliche Trendrichtung gehen könnte.

Fibonacci Level im Tradingview
Fibonacci Level im Tradingview

Berechnungsbeispiel: Angenommen, ein Kurs steigt von 10€ auf 15€ und diese beiden Niveaus sind die markanten Punkte, die zum Zeichnen der Fibonacci-Level verwendet werden. Dann liegt das 23,6%-Niveau bei 13,82€ weil 15€-(5€×0,236%)=13,82€ ist. Das 50%-Niveau liegt bei 12,50€ weil 15€-(5€×0,5)=12,50€ ist.

Während die Anwendung der Fibonacci-Level in intakten Trends die am weitesten verbreitete ist, gibt es noch weitere Gebiete der technischen Analyse, wo die Fibonaccis Anwednung finden.

So spielen die Fibonacci-Verhältnisse beispielsweise bei harmonischen Mustern wie dem Shark-Muster, Gartley-Muster oder Schmetterlings-Muster, sowie bei der Elliott-Wellen-Theorie eine große Rolle! Diese beiden Konzepte sind allerdings sehr fortschrittlich und für Dich als Trading-Anfänger noch nicht geeignet.

Solltest Du allerdings bereits schon 1-2 Jahre an den Märkten aktiv sein und etwas Erfahrung haben, dann kannst Du Dich gerne in diese Themenbereiche einlesen.

Fibonacci-Retracements vs. Fibonacci-Erweiterungen

Während man sich bei Fibonacci-Retracements fragt „Wie weit wird eine Trendbewegung korrigiert bevor die nächste startet?“, fragt man sich bei der Fibonacci-Erweiterung (engl. Fibonacci Extensions) „Wie weit kann die neue Trendbewegung noch gehen?“

Ein Beispiel damit der Unterschied klar wird: Eine Aktie steigt von 5€ auf 10€ und dann wieder auf 7,50€. Die Bewegung von 10€ auf 7,50€ ist ein Retracement. Wenn sich der Kurs wieder erholt und auf neue Hochs bei 12€ steigt, dann handelt es sich um eine Erweiterung.

Fibonacci Level vs. Extensions
Fibonacci Level vs. Extensions

Das Fibonacci-Retracement Tool ist eines meiner liebsten Werkzeuge im Daytrading. Dennoch gibt es Kritik, wie zum Beispiel, dass es nicht sicher ist, ob ein Retracement-Level tatsächlich hält. So einen Kritikpunkt halte ich allerdings für sinnfrei, da dies dem Grundgedanke der technischen Analyse widerspricht.

Die technische Analyse will keine Aussage darüber treffen was 100% passieren wird (=“Sicheres Erignis“), weil das unmöglich ist, sondern nur darüber, welche Richtung zu einem Zeitpunkt wahrscheinlicher ist als eine anderer.

Meist kann man nur Aussagen treffen wie: Mit 70% Wahrscheinlichkeit werden wir zeitnah steigen. Die restlichen 30% müssen von uns als Trader als Risiko einberechnet werden und entsprechende mögliche Verluste mithilfe des Risikomanagements minimiert werden.

Neben den normalen Fibonacci-Leveln gibt es noch weitere Tools, welche an die Fibonacci Reihe angelehnt sind. Der Fibonacci-Kanal oder die Fibonacci-Zeitzonen sind zwei Beispiele dafür.

Diese Tools werden in der Praxis aber sehr selten genutzt. Ich nutze diese beispielsweise auch nicht. Zu Beginn solltest Du Dich lieber auf das Verständnis und die Anwendung der normalen Fibonacci-Level konzentrieren.

Beachte: Fibonacci-Retracements sind nützliche Level, die Tradern helfen, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus zu identifizieren. Nutzt man das Tool für einen Trendfolgeansatz, dann lohnt es sich dieses beispielsweise noch mit Gleitdurchschnitten zu kombinieren, um noch bessere Einstiegs- und Ausstiegslevel zu finden.

#6 Indikatoren als Hilfe für Trading-Anfänger

Trading-Indikatoren stellen einen großen Eckpfeiler in der technischen Analyse dar und können bei der Bewertung verschiedener Assets helfen. Grundsätzlich sind Indikatoren nichts anderes als mathematische Formeln, welche mit den Kursdaten der letzten Kerzen versorgt werden.

In der Praxis wird von den Kerzen vor allem der Schlusskurs genutzt und mit den Schlusskursen anderer Kerzen verrechnet.

Indikatoren selbst haben auf Grund ihres Aufbaus ein entscheidendes Problem, weswegen ich Dir rate so wenig wie möglich Indikatoren zu verwenden: da sie auf den Schlusskursen vergangener Kerzen basieren; sind sie zeitverzögert!

Die Indikatoren können also nur zeitversetzt ein echtes Signal geben. Als technische Analysten ist dieser „Time-Lag“ offensichtlich ein Problem für uns.

Sofern Du Trading-Anfänger bist, rate ich Dir dennoch dazu diese zu nutzen, um erste Erfahrungen zu sammeln und Hilfestellung für mögliche Handelssignale zu erhalten.

Je mehr Erfahrung Du gesammelt hast, desto weniger wirst Du Indikatoren brauchen und am Ende vermutlich sogar ganz ohne sie auskommen. So war es bei meinen Trading-Kollegen und bei mir beispielsweise auch.

Spricht man über Indikatoren, dann kann man verschiedene Typen unterscheiden, wie zum Beispiel Overlays und Oszillatoren. Overlays sind Indikatoren, welche im Chart direkt enthalten sind und entsprechend die selbe Skala wie die Kerzen nutzten, wie zum Beispiel Gleitdurchschnitte oder Bollinger Bänder.

Oszillatoren sind Indikatoren, welche meist unterhalb des Kerzencharts dargestellt werden und zwischen verschiedenen Werten (oftmals 0 bis 100) schwingen. Das bekannteste Beispiel für einen Oszillator ist der Relative Strength Index (RSI).

Overlay und Oszillator
Gleitdurchschnitt als Overlay & RSI als Oszillator

Während Du zu Beginn deiner Trading-Karriere gerne Indikatoren nutzen kannst, können erfahrener Trader auf weitere Techniken wie beispielsweise das ausnutzen von Divergenzen zurückgreifen. Divergenz bedeutet, dass beispielsweise der Kurs neue Höchststände erreicht, während der Indikator kein neues Hoch erreicht.

Eine typische Indikator-Divergenz-Strategie lässt sich mit dem Relative Strength Index (RSI) oder dem Moving Average Convergence Divergence (MACD) umsetzen. Der RSI trifft eine Aussage über die Stärke einer Bewegung, wobei er Werte zwischen 0 bis 100 annehmen kann.

Macht ein Kurs ein neues Hoch, der RSI-Indikator hingegen nicht, lässt sich dies als abnehmende Stärke der Bewegung interpretieren. Im Trading-Jargon wird dies auch „Bärische Divergenz“ genannt. Die beschriebene Divergenz könnte auf ein zeitnahes Ende einer Aufwärtsbewegung hindeuten.

Egal ob Du Divergenzen nutzt oder Indikatoren normal verwendest, achte stets darauf, dass Du nie mehr als 2-3 Indikatoren parallel verwendest. Das Problem ist einfach: Jeder Indikator verwendet eine unterschiedliche Periode, sprich Anzahl wie viele Kerzen er per Formel verrechnet.

Beachte: Verwendest Du zu viele Indikatoren in Deiner Analyse, dann bedeutet das auch, dass Du eine Vielzahl an verschiedenen Zeithorizonten mit einmal vermischst – was nicht clever ist!

RSI Divergenz
Beispiel: RSI Divergenz

Hinweis: Als Trading-Anfänger sind Indikatoren eine super Hilfestellung, um Dir bei Trading-Entscheidungen zu helfen. Achte hierbei darauf, dass Du nicht zu viele Indikatoren parallel verwendest! Je erfahrener Du wirst, umso mehr wirst Du auf die Trading-Indikatoren verzichten können.

#7 Erhöhe Deine Trefferquote durch Konfluenzen

Es existiert kein charttechnisches Objekt, was eine Vorhersagegenauigkeit von 100% vorweisen kann! Um seine Analysen dennoch so effizient wie möglich zu machen, kann man auf das Konzept der Konfluenz zurückgreifen.

Konfluenz ist zunächst einmal als Gegenteil von Divergenz zu verstehen. Bei der Divergenz haben wir, wie oben beschrieben, ausgenutzt, dass ein Indikator ein anderes Signal gibt, als es der Kurs selbst macht. Aus der Interpretation daraus lassen sich beispielsweise Trendenden gut vorhersagen.

Als Konfluenz bezeichnen wir hingegen den Fall, dass mehrere Dinge auf die selbe Richtung hindeuten. Bewegt sich beispielsweise ein Kurs in einem Aufwärtstrend und der RSI-Indikator gibt ein Kauf-Signal, dann ist das als erste kleine Konfluenz zu erachten, da nun bereits schon 2 Dinge auf weiter steigende Kurse deuten (Intakter Aufwärtstrend + RSI-Indikator).

Das Konzept von Konfluenz geht allerdings noch viel tiefer, als nur einen Trend mit einem Indikator zu kombinieren. So kann man verschiedene horizontale Preisbereiche (Unterstützung bzw. Widerstand) in unterschiedliche Stärken einteilen, je nachdem wie viel Konfluenz vorhanden ist. In der Praxis spreche ich in der Hinsicht sogar gerne von sogenannten „Konfluenzzonen“.

Stärke von Unterstützungen beurteilen

Stell Dir vor Du bist Daytrader, welcher vor allem nach simplen Unterstützungen und Widerständen tradet. Während Deiner Analyse markierst Du Dir im Chart markante Zonen, wobei du gerne auf steigende Kurse setzen möchtest, sobald der Kurs eine Unterstützung anläuft. Unter dem aktuellen Kurs hast du 2 Zonen gefunden, welche du als markant erachtest. Eine Zone ist auf der Höhe von 2 Verlaufstiefs, welche vor kurzem gehalten haben. Die andere Zone liegt ein Stück tiefer und ist auf der Höhe von 3 Verlaufstiefs, einer offenen Kurslücke und einem 50% Fibonacci Retracement-Level. Was denkst Du welche Zone vermutlich eher nachhaltig als Unterstützung halten wird?

Ganz klar Zone 2! Warum? Weil Zone 2 insgesamt 5 Dinge inne hat, welche auf Unterstützung hindeuten, wohingegen Zone 1 nur 2 Dinge inne hat. Zone 2 ist entsprechend eine deutlich stärkere Konfluenzzone, als Zone 1. Aus Tradersicht macht es Sinn lieber abzuwarten bis Zone 2 erreicht wird, um dort ein Long Engagement zu starten.

Konfluenzzone
Beispiele für Konfluenzzonen

Konfluenzen helfen uns dabei abzuschätzen welche Level stärker sind als andere, wodurch wir mit unseren Analysen den Markt besser vorhersagen können. Allerdings kann man nicht nur Konfluenzen innerhalb eines Charts finden, sondern auch über Branchen und Länder verteilt.

Betrachtet man beispielsweise 4 Aktiencharts der Autoindustrie und man bemerkt dass alle 4 Charts an einem markanten Widerstand hängen. Wenn 3 Charts über die Widerstände brechen, was wird dann wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit der 4. Chart machen?

Dies ist zwar nur ein sehr vereinfachtes Beispiel und man kann eine Menge weiterer Fälle definieren, für das Grundkonzept von Konfluenz im abstarkteren Sinne sollte das Beispiel aber alle mal ausreichen. Übrigens: Große Institutionen greifen gerne auf ein professionelleres Konzept von Konfluenz zurück, was man in der Literatur auch als „Führende Märkte“ bezeichnet.

Beachte: Konfluenzen bzw. Konfluenzzonen helfen uns dabei Analyseergebnisse zu treffen, welche eine deutlich höhere Eintrittwahrscheinlichkeit vorweisen, als Analyseergebnisse, welche charttechnische Objekte nur als Einzelobjekte betrachten. Um das Konzept von Konfluenz richtig anzuwenden, benötigt man wei überall einiges an Übung. Hat man es aber einmal verstanden, macht man einen großen Schritt als Trader voran!

#8 Lerne aus Kurslücken künftige Verläufe zu erkennen

Kurslücken treten auf, wenn sich der Kurs außerhalb der Börsenöffnungszeit verändert und entsprechend am nächsten Handelstag an einer anderen Stelle startet, als er am Vortag aufgehört hat.

Als Trader können wir anhand der Größe und Art der Kurslücke auf zukünftige Preisbewegung Rückschlüsse ziehen, weswegen sie für das Verständnis von Kursbewegungen für die technischen Analyse unerlässlich sind. Im Allgemeinen unterscheidet man 4 Arten von Kurslücken (engl. Gaps).

Kurslückentypen
4 klassische Kurslückentypen

Die Gewöhnliche Kurslücke (engl. Common Gap) ist die am häufigsten auftretende Gap-Art. Diese Kurslücke ist vor allem in Seitwärtsphasen zu finden und wird in der Regel am selben Handelstag sofort wieder geschlossen.

Das „Schließen einer Kurslücke“ (engl. Gap Close) ist ein typisches Phänomen, wo der Kurs den übersprungene Preis intraday zurück durchläuft und auf dem Weg mögliche übersprungene Orders auslöst. Nach einem Gap Close ist oftmals mit einer Unterstützung oder Widerstand zu rechnen.

Die Erschöpfunsglücke (engl. Exhaustion Gap) ist eine seltenere auftretende Gap-Art, welche vor allem auf eine mehrtägige Verlustserie hindeutet. Diese Kurslücken-Art ist entsprechend häufig an markanten Hochpunkten zu finden.

In Kerzenformationen wie dem Bearish Engulfing oder dem Dark Cloud Cover trägt die Erschöpfungslücke hauptsächlich zu den Eigenschaften und Stärke der Kerzenmuster bei.

Die Fortlaufende Kurslücke (engl. Runaway Gap) ist eine in fortgeschrittenen Trends auftretende Kurslücke, welche auf eine anhaltende Bewegung in entsprechende Kursrichtung hindeutet.

Sie lässt sich wie folgt interpretieren: Käufer bzw. Verkäufer eines Assets sind von der zugrundeliegenden Kursrichtung fest überzeugt und treiben den Kurs sogar außerbörslich in entsprechende Richtung voran. Dies ist als klares Zeichen von Stärke zu verstehen!

Die Ausbruchslücke (engl. Breakaway Gap) ist die seltenste Kurslücken-Art, aber liefert wunderbare Signale was die Bewegungsrichtung angeht. Definiert wird eine Ausbruchslücke durch das Vorhanden sein eines beispielsweise markanten Widerstand, welcher mittels der Kurslücke überschritten wird. Meist ist infolgedessen mit weiteren Gewinntagen zu rechnen.

In der Börsenwelt besteht der Mythos, dass Kurslücken immer geschlossen werden. Dies ist aber schlichtweg falsch. Mehrere Studien zeigen, dass rund 83% aller Kurslücken geschlossen werden.

Auf den ersten Blick hört sich 83% sehr viel an, weswegen man möglicherweise auf dei Idee kommen könnte eine Strategie zu entwickeln, welche auf das Schließen von Kurslücken abzielt.

Davon möchte ich Dir gerne abraten, da ich es bereits selber probiert habe und um die Stärken bzw. Schwächen solch einer Strategie bescheid weiß. Eine Gap-Close Strategie zeichnet sich zwar durch eine enorm hohe Trefferquote (83%) aus, hat aber ebenfalls enorm schlechte durchschnittliche Chancen-Risiko-Verhältnisse.

Hast Du einen Treffer, dann machst du nur sehr wenig Gewinn; hast Du einen Verlust machst Du riesige Verluste. Auf lange Sicht geht das nicht gut.

Kurslücke als Widerstand
Beispiel: Kurslücke als Widerstand

Beachte: Als Daytrader kann man anhand von Kurslücken eine Menge von Trade-Ideen ableiten, weswegen Du Dich unbedingt mit diesen Konstrukten beschäftigen solltest. Macht eine Aktie oder Index beispielsweise eine sehr kleine Kurslücke, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Gap Close sehr hoch. Warum sollte man so eine Tendenz also nicht in seine Analyse und möglichen Trade-Plan einbeziehen?

#9 Die komplexeste Analysemethode: Die Elliott-Wellen-Theorie

Die Elliott-Wellen-Theorie ist das beste finanzprognostische Instrument, was wir in der modernen technischen Analyse haben, aber zugleich auch das komplizierteste.

Die Theorie wurde 1938 von Ralph Nelson Eliott entwickelt, welcher insgesamt 13 wiederkehrende Wellenmuster ausfindig machen konnte, mit welchen man alle bisherigen Kursbewegungen in allen Charts auf allen Zeithorizonten perfekt erklären konnte.

Stand heute betrachtet man die Eliott-Wellen-Theorie als komplett an, was bedeutet, dass man davon ausgeht, dass man keine weiteren Wellenmuster mehr finden wird und alle Bewegungen auch in Zukunft bestens nachvollziehen kann.

Fraktalstruktur Elliott-Wellen-Theorie
Fraktalstruktur Elliott-Wellen-Theorie

Elliott erkannte, dass sich Kursbewegungen auf Grund des Wechsels zwischen Gier und Angst bilden, weswegen er nach wiederholenden Mustern und den dazu entsprechenden psychologischen Muster suchte.

Die Eliott-Wellen selbst stellen eine deterministische Abfolge dar, welche zum großen Teil auf der Fibonacci Folge und den damit entwickelten Fibonacci-Levels beruht.

Das Grundkonzept der Theorie basiert auf der Annahme, dass der Markt langfristig in einem dauernden Aufwärtstrend läuft und sich dieser Trend aus zwei abwechselnden Phasen bildet: Impuls und Korrektur.

Während das Grundkonzept der Eliott-Wellen-Theorie sehr leicht zu verstehen ist, wird es beim Studium der Korrekturen sehr schnell sehr komplex.

Für Dich als Trading-Anfänger sind solche weiterführenden komplexen Theorien noch nicht geeignet. Das Grundkonzept über den Aufbau einer Welle kann Dir aber beim Verständnis über beispielsweise Trends und Trendfolge extrem weiterhelfen!

Als Impuls bezeichnet man in der technischen Analyse eine sehr starke Bewegung, welche meist in kurzer Zeit realisiert wird.

Eine Korrektur läuft entgegen dem Impuls und vermindert die Gewinne teilweise. Elliotts Theorie besagt, dass Preise innerhalb eines Trends in fünf und drei Wellen schwanken.

Dabei gibt es 5 Wellen, welche man zu einem größeren Impuls zusammenfassen kann, welche den Trend voranbringen und 3 Wellen, welche man als größere Korrektur zusammenführen kann.

Das Prinzip des Zusammenfassens von Wellen zu einer nächst größeren nennt man „Fraktalstruktur“ und stellt ein Grundkonzept der Theorie dar.

Die Elliott-Wellen-Theorie besitzt 3 Regeln, welche unter keinen Umständen gebrochen werden dürfen. Wird einer dieser Regeln gebrochen, ist die Zählung ungültig und man muss sich auf die Suche nach einem neuen Count (Zählung) machen.

Allerdings gibt es 2 Ausnahmen, wo eine Regel misachtet werden darf: Leading Diagonal Triangle und Ending Diagonal Triangle.

Was das für Konstrukte sind spielt an dieser Stelle erstmal keine Rolle. Viel mehr möchte ich dich mit den 3 Grundregeln vertraut machen.

Regel #1: Welle 2 darf nicht unter den Startpunkt der Welle 1.

Regel #2: Welle 3 darf niemals die kürzeste Welle sein im Vergleich zu Welle 3 und Welle 5.

Regel #3: Welle 4 darf niemals in den Preiskorridor von Welle 1 eintreten.

Regeln Elliott-Wellen-Theorie
Regeln Elliott-Wellen-Theorie

Während die Grundregeln die Zählweise von Wellen definieren, gibt es noch sogenannte Richtlinien in der Elliott-Wellen-Theorie. Richtlinien sind eher als Anhaltspunkte für das Aussehen von Wellen zu verstehen.

So werden in den Richtlinien eine Menge an Fibonacci Verhältnissen genannt, wie sich die Wellen bilden. Eine Richtlinie besagt beispielsweise, dass die Welle 2 die Welle 1 oftmals um 38.2%, 50% oder 61.8% korrigiert. Kommen Dir die Zahlen bekannt vor?

Richtlinien gibt es um die 30 Stück. Die zwei bekanntesten Richtlinien sind die Wellengleichheits-Richtlinie und die Wechsel-Richtlinie.

Während dem Elliott-Wellen-Theorie lernen wirst Du merken, dass es verschiedene Arten von Korrekturen gibt: Flache und Steile. Die Wechsel-Richtlinie besagt, dass sich die Korrekturwelle 2 und 4 in ihrer Art unterscheiden.

Ist die Welle 2 beispielsweise eine steile Korrektur, wie ein ZickZack, dann ist die Welle 4 oftmals eine flache Korrektur, wie ein Flat. Warum das nur eine Richtlinie ist? – weil es genug Zählungen gibt, wo die Welle 2 und 4 beispielsweise beide steil sind. Es kann also unmöglich eine Regel sein.

Wie bereits erwähnt ist die Elliott-Wellen-Theorie das komplexeste Tool, was uns zur Verfügung steht. Wenn Du dich mit der Theorie beschäftigst, wirst Du shcnell feststellen, dass nicht die Impulszählung das komplexe ist, sondern die Art und Weise Korrekturen zu zählen.

Hier kann es zu sogenannten Kombinationen kommen, was nicht anderes bedeutet als, dass an eine Korrektur noch eine weitere Korrektur kommt. Die Verwirrung ist enstprechend sehr schnell sehr groß.

Beachte: Die Elliott-Wellen-Theore ist die komplexeste Analysemethode. Als Trading-Anfänger solltest Du Dich deswegen noch nicht damit beschäftigen. Lerne zunächst die klassiche technsiche Analyse (Formationen, Indikatoren, Kerzenmuster, Fibonacci-Level, ..) und beschäftige dich erst in frühestens 2 Jahren mit der modernen technischen Analyse. Das Grundkonzept über den Aufbau von Bewegungen (Impuls -> Korrektur -> nächster Impuls) kann dir aber enorm bei dem Verständnis über das richtige Traden von Trendfolgeansätzen helfen.

#10 Üben, üben, üben

Technische Analyse ist als Hilfsmittel zur Bewertung verschiedener Assets nicht mehr wegzudenken. Spricht man über technische Analyse, dann spricht man zeitgleich über Massenpsychologie und Wahrscheintlichkeiten. Gerade für kurzfristige Trader ist die technische Analyse das wichtigste Werkzeug , da der Preis uns ausreichend Informationen über möglichen Kauf- bzw. Verkaufsdruck gibt, woraus wir Trading-Chancen identifizieren können.

Aber auch für die Langfristanlage kann ein Verständnis über die technische Analyse von großen Vorteilen sein. So kann beispielsweise eine simple Trendanalyse bei potentiellen Aktieninvestments zwischen langfristigen Zinses-Zinseffekten oder Rohrkrepierer und Opportunitätskosten filtern.

Um die technische Analyse zu beherrschen bedarf es einer Menge an Übung. Das ist auch der Grund weswegen ich zu Beginn meiner Trading-Laufbahn zunächst 1,5 Jahre im Demokonto gehandelt habe. Sämtliche Mechanismen und Charakteristiken lassen sich nur durch harte Arbeit und viel Bildschirmzeit erlernen. Doch hat man einmal den Dreh raus, dann bietet die Charttechnik ein gutes Tool, um seine Ein- und Ausstiege zu optimieren.

Wenn ich Dir etwas von „Bildschirmzeit“ erzähle, dann meine ich die Zeit, welche du aktiv vor den Charts verbringst. In meinen Anfängen damals habe ich täglich 2-3 Stunden vor dem Monitor gesessen und Charts studiert und Notizen gemacht. Die Hürde zur technischen Analyse ist so gering wie noch nie. Bei so gut wie jeder Charting Software kannst du dir ein kostenloses Konto erstellen und starten. Eine Meiner Lieblingssoftwares ist beispielsweise Tradingview.com.

Beachte: Technische Analyse ist reine Übungssache, also: Übe, übe und übe! Vertraue auf den Prozess, sei geduldig und halte durch. Die Technische Analyse ist eine Fähigkeit, die mit Hingabe und Praxis verbessert wird und nicht über Nacht gelernt ist.

Definition: Was ist eine Chartanalyse?

Mit dem englischen Begriff „Chart“ wird in der Finanzwirtschaft die grafische Darstellung des Kursverlaufs eines Wertpapiers gemeint. Demnach handelt es sich bei einer Chartanalyse um die Analyse der historischen Kursentwicklung von Wertpapieren. Neben diesem Begriff haben sich auch die beiden Synonyme „Charttechnik“ und „Technische Analyse“ etabliert.

Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse, schenkt die Chartanalyse den fundamentalen Daten eines Unternehmens bzw. Wertpapiers keine Beachtung. Sie orientiert sich in ihren Analysen ausschließlich an der vergangenen Kursentwicklung. Die Chartanalyse beruht auf der Grundannahme, dass sämtliche Informationen in Bezug auf die Vergangenheit und Zukunft eines Wertpapiers bereits in der sichtbaren Kursentwicklung enthalten sind.

Was bringt die Charttechnik?

Die Charttechnik wird von Millionen von Anlegern eingesetzt, um aus der Beobachtung historischer Kursentwicklungen Rückschlüsse auf den zukünftigen Verlauf eines Wertpapierkurses ziehen zu können.

Die Chartanalyse ist somit neben der Fundamentalanalyse das wichtigste Tool von Anlegern, um den bestmöglichen Zeitpunkt für den Kauf bzw. Verkauf eines Wertpapiers zu bestimmen und so ihre Gewinne zu maximieren. Die Chartanalyse zu lernen ist somit einer der Grundbausteine, um als Anleger an der Börse erfolgreich zu sein.

Wie die Fundamentalanalyse ist aber auch die Charttechnik kein Erfolgsgarant. Die Bandbreite der Chartanalyse Tools ist so groß, dass jeder Anleger für sich selbst entscheiden muss, welche Werkzeuge er in welcher Form einsetzt. Du solltest die Charttechnik folglich immer nur als Mittel zum Zweck ansehen.

Chartanalyse lernen: Welche Software für die Chartanalyse?

In den letzten Jahren haben sich die Handelsplattformen vieler Online Broker zu mächtigen Tools für die Chartanalyse entwickelt. Bei fast allen Trading-Plattformen von Brokern steht Dir eine Vielzahl von Werkzeugen für die technische Chartanalyse zur Verfügung.

Viele Broker bieten neben ihren eigenen Handelsplattformen auch die Plattformen externer Anbieter für das Trading an. In den letzten Jahren hat sich der Metatrader zum Marktführer unter den Handelsplattformen entwickelt. In Sachen Chartanalyse gehört der Metatrader zu den umfassendsten Plattformen auf dem Markt.

Metatrader

Der Metatrader ist seit über 20 Jahren die weltweit am häufigsten eingesetzte Handelsplattform. 90 Prozent aller Online-Broker bieten ihren Kunden den Metatrader als Trading Plattform an.

Der Metatrader ist nicht nur eine sehr mächtige Handelsplattform, über die sich alle Arten von Wertpapieren weltweit handeln lassen. Er unterstützt Trader auch mit einer riesigen Bandbreite an technischen Indikatoren und Chartanalyse Tools bei ihren Investmententscheidungen.

Die Tools der Handelsplattform sind eine hervorragende Grundlage, um die technische Chartanalyse zu lernen. Trader mit Programmierkenntnissen können mit dem Metatrader sogar ihre eigenen Tools entwickeln.

Guidants

Auch Guidants ist eine Online-Trading-Plattform, die mit eingeschränkter Funktionalität kostenfrei genutzt werden kann. Neben klassischen Chartanalyse Tools bietet Guidants auch eine Social-Trading-Funktion, über die sich Trader miteinander vernetzen und austauschen können. Wenn Du bei Guidants einen größeren Funktionsumfang in Anspruch nehmen willst, musst Du eines der kostenpflichtigen Pakete der Plattform buchen.

Tradingview.com

TradingView bietet meiner Erfahrung nach eine erstklassige kostenlose Software zur Analyse von Charts. Wenn Du Interesse an der Analyse bestimmter Charts und Muster hast, steht Dir mit TradingView eine besonders benutzerfreundliche Option zur Verfügung.

Diese Software ermöglicht die Bearbeitung von Charts und bietet eine breite Palette von Indikatoren, die über die gängigen 7 Formationen hinausgehen. Darüber hinaus verschwinden mit TradingView störende Werbeanzeigen und aufdringliche Pop-ups, die oft im Zusammenhang mit zweifelhaften Angeboten auftreten.

FAQ – Chartanalyse lernen

Wie funktioniert die Chartanalyse?
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Bei der Chartanalyse leiten Trader aus der Beobachtung historischer Kursentwicklungen Rückschlüsse auf den zukünftigen Kursverlauf eines Wertpapiers ab. Zum Einsatz kommen dabei zahlreiche Analysewerkzeuge, die idealerweise miteinander kombiniert werden, um die Aussagekraft in Bezug auf den zukünftigen Kurs zu erhöhen. Welche Chartanalyse Tools sich am besten in der Praxis bewähren, muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden. Es gibt keine Statistiken, welche Tools die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit besitzen.
Was versteht man unter Chartanalyse?
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Unter Chartanalyse wird die Analyse des historischen Kursverlaufs eines Wertpapiers verstanden. Wie bei der Fundamentalanalyse versuchen Trader bei der Chartanalyse auf Basis historischer und aktueller Informationen Handelssignale abzuleiten. Im Unterschied zur Fundamentalanalyse spielen bei der Chartanalyse hingegen ausschließlich die Kurscharts eine Rolle. Fundamentaldaten, wie beispielsweise aus der Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechnung, bleiben im Rahmen der Chartanalyse unberücksichtigt.
Welche Chartanalysen gibt es?
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Die Bandbreite an Chartanalysen ist heutzutage sehr groß. Sie reicht von Trendlinien, Unterstützungen und Widerständen über Formationen wie Doppel-Spitzen, Schulter-Kopf-Schulter, Rechtecke, Dreiecke, Flaggen und Wimpeln bis zu Hilfsmitteln wie gleitenden Durchschnitten, Fibonacci Retracements und Bollinger Bändern.
Welche App zur Chartanalyse?
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Im Zeitalter der mobilen Internetnutzung bieten viele Broker und Softwarehäuser auch Apps zur Chartanalyse auf dem Smartphone an. Die Chartanalyse-Apps der einzelnen Anbieter unterscheiden sich in ihrem Umfang und ihren Darstellungsmöglichkeiten. Welche App sich am besten eignet, muss jeder Trader auf Basis seiner Nutzung und seiner Vorlieben selbst entscheiden.
Welches Programm für die Chartanalyse?
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Heutzutage haben Trader die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Programmen zur Chartanalyse. Die meisten Online-Broker bieten eigene Handelsplattformen an, bei denen in der Regel Dutzende Chartanalyse Tools inkludiert sind. Ein weiteres sehr mächtiges Programm zur Chartanalyse ist der Metatrader, die weltweit am weitesten verbreitete Handelsplattform.
Wie lernt man, Aktien zu analysieren?
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Die Analyse von Aktien-Charts lässt sich über verschiedene Wege lernen. Zum einen ist das Angebot an Fachliteratur zum Thema „Chartanalyse lernen“ sehr groß. Zahlreiche Autoren, viele von ihnen selbst Trader, haben Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Zum anderen findest Du im Internet zahllose Websites mit Artikeln und Videos, wie Du am besten die Aktien Chartanalyse lernen kannst.
Wie lese ich einen Chart?
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Es gibt nicht „die“ eine Art, einen Chart zu lesen. Die Möglichkeiten, einen Chart zu lesen, sind heutzutage fast grenzenlos. Vor allem als Anfänger, der die Charttechnik noch lernen muss, solltest Du beim Lesen eines Charts auf die Unterstützung von Analyseprogrammen setzen. Sie zeigen Dir in Sekundenschnelle alle wesentlichen Chartanalyse Tools an. Sobald Du Erfahrungen in der Chartanalyse gesammelt hast, wirst Du Dich beim Lesen eines Charts auf einige bevorzugte Tools fokussieren.
Wie analysiert man Aktien Charts?
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Die Möglichkeiten zur Aktien Chartanalyse sind vielfältig. Auf den Websites oder Handelsplattformen von Online-Brokern stehen Dir zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe Du Aktien im Detail analysieren kannst. Der Umfang der angebotenen Chartanalyse Tools unterscheidet sich von Broker zu Broker.
Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

„Egal in welcher Marktphase man sich befindet – mit meinen Strategien kann ich seit über 6 Jahren flexibel im Markt erfolgreich agieren!“

>75% Trefferquote

+6 Jahre Erfahrung

>100K € Jahresgewinn

Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.