Eine beliebte Trading Strategie ist das sogenannte „Price Action Trading“. Kein Wunder, zählt es zumindest in der Theorie zu den eher einfacheren Trading-Konzepten.

Ich erkläre Dir in den folgenden Abschnitten die Grundlagen für das Price Action Trading und zeige Dir unterstützende Indikatoren, die Du beim Trading einsetzen kannst.

Außerdem verrate ich Dir, welche Fähigkeiten ein Price Action Trader mitbringen sollte und gebe Dir 10 wichtige Tipps mit auf den Weg.

Price Action Trading Titelbild

Kurzüberblick: Price Action Trading

Unter Price Action Trading wird eine Handelsmethode verstanden, bei der man aus historischen Preisbewegungen zukünftige Kursentwicklungen ableitet.

Dogmatische Price Action Trader verzichten vollständig auf den Einsatz zusätzlicher Indikatoren. Es steht Dir jedoch frei, beliebige Indikatoren als zusätzliche Hilfsmittel einzusetzen.

Beim Price Action Trading sind Candlestick-Muster, Preistrends sowie Unterstützungs- und Widerstandszonen wichtig.

Das Price Action Trading lässt sich auf allen Finanzmärkten anwenden. Je größer die Liquidität eines Marktes ist, desto besser.

Was ist Price Action Trading?

Mit dem englischen Begriff der „Price Action“ ist die Gesamtheit aller Kursbewegungen eines Wertpapiers gemeint. Bei Price Action handelt es sich somit um alle Bewegungen eines Wertpapierkurses, die Du in Form eines Charts sehen kannst.

Sehr häufig wird dieser Begriff im Zusammenhang mit der technischen Analyse verwendet, ist aber nicht deckungsgleich mit ihr.

Das Price Action Trading ist auf Basis dieser Definition eine Handelsform, bei der Trader versuchen, aus den historischen bzw. unmittelbaren Preisbewegungen eines Wertpapiers zukünftige Kursentwicklungen abzuleiten.

Ein Price Action Trader versucht demzufolge, in zufällig erscheinenden Kursbewegungen, Ordnung zu erkennen und daraus die richtigen Handelssignale abzuleiten. Beim Price Action Trading wird in der Regel auf den Einsatz von technischen Indikatoren verzichtet.

Die Grundlagen von Price Action Trading

Fundamentale Grundlage des Price Action Tradings ist die Annahme, dass der Kurs eines Wertpapiers alle Informationen enthält, die Du als Trader benötigst, um fundierte Handelsentscheidungen zu treffen.

In diesem Handelskonzept gehst Du davon aus, dass der Preis alle relevanten Informationen widerspiegelt, einschließlich Angebot und Nachfrage, Marktstimmung und fundamentaler Faktoren.

Ziel des Price Action Tradings ist es, bestimmte Muster in Preisbewegungen zu erkennen, die auf gute Kauf- und Verkaufszeitpunkte hindeuten. Die folgenden sechs Punkte zeigen Dir die Grundaspekte des Price Action Tradings.

Unterstützung und Widerstand: Unterstützung und Widerstand sind eines der zentralen Grundkonzepte des Price Action Tradings. Sie manifestieren im Börsenalltag das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Bei einem Unterstützungsbereich übersteigt die Nachfrage in der Regel das Angebot, was steigende Kurse zur Folge hat. Bei einer Widerstandszone übertrifft hingegen das Angebot die Nachfrage, was meist einen Kursrückgang verursacht.

Die Marktrichtung: Bei der Marktrichtung handelt es sich um das große Bild eines Kursverlaufs. Wertpapierkurse verlaufen in der Praxis sehr häufig über mehrere Wochen oder sogar Monate in einem mehr oder weniger kontinuierlichen Aufwärts- oder Abwärtstrend. Diese klar im Chart erkennbaren Trends stellen eine essenzielle Grundlage des Price Action Tradings dar.

Kursmuster deuten: Die richtige Deutung von Kursmustern ist die unentbehrliche Grundlage des Price Action Tradings. Candlesticks, Kursstäbe und diverse Chartformationen geben Dir als Trader sehr häufig klare Hinweise darauf, wie sich ein Kurs in Zukunft entwickeln wird. Trader, die Kursmuster richtig zu deuten wissen, erhalten darüber Kauf- und Verkaufssignale zum besten Zeitpunkt.

Stop Loss: Ein Stop Loss ist für die meisten Trader die wichtigste Maßnahme im Risikomanagement. In der Praxis ist das Setzen des richtigen Stop Loss allerdings eine große Herausforderung. Price Action Trading kann Dir dabei helfen, den Stop Loss an den richtigen Kursmarken zu setzen.

Take Profit: Das Gleiche gilt auch für den Take Profit. Er stellt gemeinsam mit dem Stop Loss die Basis für ein funktionierendes Risikomanagement dar und sichert Gewinne zum richtigen Zeitpunkt. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, ist in der Praxis ebenfalls nicht einfach zu bestimmen. Price Action Trading gibt Dir dabei wichtige Hilfestellungen. 

Erfahrung und Übung: Wie generell im Trading sind Erfahrung und Übung auch im Price Action Trading die wichtigsten Voraussetzungen für langfristigen Erfolg. Erfolgreiches Price Action Trading entsteht nicht von heute auf morgen, sondern benötigt viel Vorlaufzeit. Diese Vorlaufzeit wird meiner Erfahrung nach am besten in einem Demokonto verbracht, das es ermöglicht, in einer risikolosen Handelsumgebungen wertvolle Erfahrung und die erforderliche Übung zu sammeln.

Die Ursprünge des Price Action Tradings

Die historischen Wurzeln des Price Action Tradings reichen wie bei der technischen Analyse bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals stellte Charles Dow sechs Theoreme zur Charttechnik auf, die seitdem als Dow-Theorie bekannt sind.

Einer von Dows Grundsätzen besagt, dass alle verfügbaren Informationen im Kurs eines Wertpapiers enthalten sind. Dieser Grundsatz ist die wahrscheinlich wichtigste Grundlage für das Price Action Trading. Price Action Trader verlassen sich in ihrer Analyse auf Kurscharts und Chartmuster und lassen technische Indikatoren sowie die fundamentale Analyse von Wertpapieren häufig außer Acht.

Ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts entstand das sogenannte „Tape Reading“. Damit versuchten Händler auf Basis von Zeit- und Volumendaten den Preistrend von Wertpapieren herauszufinden.

Als Urvater des Tape Readings gilt der US-Börseninvestor Richard D. Wyckoff, der mit „Studies in Tape Rading“ das Grundlagenwerk zu dieser Analyseform schrieb.

Neben den USA lassen sich aber auch in Japan Wurzeln des Price Action Tradings finden. Bereits im 18. Jahrhundert entwickelte der Reishändler Munehisa Homma die bis heute so bedeutenden Candlestick Charts. Sie dienten ihm damals zur optischen Aufbereitung der Price Action für Reis und der Ableitung zukünftiger Preisbewegungen.

Märkte für Price Action Trading

Price Action Trading lässt sich im Börsenalltag in nahezu jedem Markt praktizieren. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Asset-Klassen in Bezug auf ihre Eignung für das Price Action Trading. Generell lässt sich sagen, je höher die Liquidität eines Marktes, desto besser eignet er sich für das Price Action Trading.

Eine besonders hohe Liquidität weisen die großen Aktienindizes der Welt auf. Dazu zählen in erster Linie die drei US-amerikanischen Leitindizes Dow Jones Industrial, S&P 500 und Nasdaq 100.

Aber auch die Indizes großer Volkswirtschaften wie der japanische Nikkei 225, der deutsche DAX 40, der britische FTSE 100 und der französische CAC 40 zeichnen sich durch eine sehr hohe Liquidität aus.

Wie die großen Aktienindizes sind auch sogenannte „Blue Chips“, also die Aktien der weltgrößten Unternehmen, sehr liquide. Apple, Microsoft, Amazon & Co. eignen sich deshalb ebenfalls hervorragend für das Price Action Trading.

Nicht zuletzt gehören auch viele Rohstoffmärkte zu den liquidesten Teilmärkten an den Weltbörsen. Besonders bei Öl, Gold, Stahl, Soja und Mais sind die Handelsvolumina traditionell sehr hoch.

Tipp:  Als liquidester Markt der Welt eignet sich der Forex Handel besonders gut für das Price Action Trading. Das tägliche Handelsvolumen im Forex-Markt übersteigt sieben Billionen US$. Vor allem bei den Hauptwährungspaaren US-Dollar, Euro, japanischer Yen, britisches Pfund und Schweizer Franken werden täglich Milliardenvolumina gehandelt.

Price Action Trading oder Indikatoren?

Wie bereit einleitend erwähnt, verzichten puristische Price Action Trader auf den Einsatz von technischen Indikatoren. Für sie ist die reine Kursbewegung bereits ausreichend, um Rückschlüsse auf die zukünftige Preisentwicklung zu ziehen. Puristische Trader verlassen sich ausschließlich auf das reine Chartbild, das sie meist mit Balken oder Candlesticks darstellen.

Es wäre jedoch ein Fehler, Price Action Trading als dogmatischen Ansatz zu bezeichnen, der die Verwendung von Indikatoren prinzipiell verbietet. Vielmehr ziehen auch viele Price Action Trader in der Praxis weitere Instrumente zu Rate, um Kurse zu analysieren und daraus Handelssignale zu generieren.

Beachte: Selbstverständlich erhöht die Einbeziehung von Indikatoren die Komplexität des Price Action Tradings. Dementsprechend solltest Du dafür mehr Zeit im Trading einplanen.

4 unterstützende Indikatoren für Price Action Trading

Price Action Trading kannst Du in der Praxis durch verschiedene Indikatoren unterstützen, um validere und stärkere Handelssignale zu generieren. Es gibt eine Vielzahl an Indikatoren, die sich zur Unterstützung von Price Action Trading eignen. Sehr häufig setzen Trader in der Praxis die folgenden vier Indikatoren ein:

Fibonacci Retracements

Pivot Points

Elliott Wellen

Awesome Oszillator

#1 Fibonacci Retracements

Fibonacci Retracements spielen in der technischen Analyse vor allem für die Definition von Unterstützungs- und Widerstandslinien eine sehr große Rolle. Sie werden in einem Chart in Form von horizontalen Linien eingezeichnet.

Die Lage dieser Linien leitet sich aus den Retracements Levels ab, die wiederum auf der Zahlenreihe des weltberühmten Mathematikers basieren. Die Retracements liegen bei 23,6%, 38,2%, 50,0%, 61,8% und 100,0%.

Fibonacci Level Technische Analyse Praxisbeispiel
Fibonacci Level

Zur Darstellung in einem Chart wird der vertikale Abstand zwischen zwei Extrempunkten, wie beispielsweise einem Mehrjahreshoch und einem Mehrjahrestief, gemessen. Dieser Abstand wird dann gemäß der oben genannten Retracements Levels unterteilt.

Beachte: In der Praxis prallen Wertpapierkurse nicht selten an diesen Kursniveaus ab, weshalb Fibonacci Retracements so gerne zur Berechnung von Unterstützungen und Widerständen herangezogen werden. Sie eignen sich aber auch für die Definition von Stop Loss-Kursen.

Ein Beispiel

Das Mehrjahreshoch einer Aktie liegt bei 100 €, das Mehrjahrestief bei 50 €. Das erste Retracement Level dieser Aktie befindet sich somit bei 88,20 € (100 – (100 – 50) x 0,236)). Angenommen der Aktienkurs steckt nach Erreichen des Mehrjahreshochs in einem Abwärtstrend.

Als Trader kannst Du auf Basis des Fibonacci Retracements eine Unterstützung bei einem Kursniveau von 88,20 € definieren. In der Praxis besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie bei diesem Niveau abprallt und ihren Abwärtstrend beendet. Als Price Action Trader würdest Du folglich bei diesem Retracement Level in die Aktie einsteigen.

#2 Pivot Points

Wie Fibonacci Retracements gehören auch Pivot Points (Pivot Punkte) zu den bei Tradern in der Praxis am häufigsten eingesetzten Hilfsmitteln, um Unterstützungs- und Widerstandsmarken zu identifizieren. Pivot Points leiten diese Kursmarken aus Kurskennzahlen wie dem Hoch-, Tief- und Schlusskurs einer bestimmten Zeitperiode ab.

Es gibt verschiedene Methoden zur Berechnung von Pivot Points. In der Praxis werden die Standard und die Fibonacci Pivot Points am häufigsten angewandt.

Nach der Standard-Methode bildest Du in Schritt 1 das arithmetische Mittel aus dem Hoch-, Tief- und Schlusskurs der vorherigen Methode. Dieses Ergebnis wird als Basis Pivot Point bezeichnet. Im zweiten Schritt berechnest Du die Differenz zwischen dem Hoch- und dem Tiefkurs.

Und in Schritt 3 leitest Du aus der Kombination des Basis Pivot Points und der Differenz die Unterstützungs- und Widerstandslevel auf Grundlage bestimmter Formeln ab. Die genaue Darstellung dieser Formeln würde den Rahmen dieses Ratgebers sprengen.

Beachte: Sehr ähnlich funktioniert auch die Berechnung von Fibonacci Pivot Points. Schritt 1 und 2 der Berechnung unterscheiden sich nicht von der Standard-Methode. In Schritt 3 werden der Basis Pivot Point und die Differenz mit den Fibonacci Retracements kombiniert.

Ein Beispiel

Folgende Annahme seien in Bezug auf eine Aktie getroffen:

Hochkurs: 100€

Tiefkurs: 90€

Schlusskurs: 95€

Der Basis Pivot Point liegt in diesem Beispiel beim Schlusskurs von 95€.

Die Differenz zwischen dem Hoch- und dem Tiefkurs beträgt 10€.

Wichtige Unterstützungen befinden sich laut Fibonacci Pivot Points bei 91,18€ (95 – 0,382 x 10) und bei 88,82€ (95 – 0,618 x 10). Die Berechnung der Widerstände ist spiegelverkehrt. Sie befinden sich bei 98,82€ (95 + 0,382 x 10) und bei 101,18€ (95 + 0,618 x 10). Bei diesen Kursmarken kannst Du als Trader entweder long (Unterstützung) oder short (Widerstand) gehen.

#3 Elliott Wellen

Elliott Wellen zählen ebenfalls zu den interessantesten unterstützenden Indikatoren für das Price Action Trading. Sie basieren auf der Annahme, dass die Kursentwicklung von Wertpapieren in auf- und absteigenden Wellenzyklen verläuft.

Grundlage dieser Wellentheorie von Elliott ist die Erkenntnis, dass die kollektiven Gefühle von Investoren an der Börse ständig zwischen Optimismus und Pessimismus hin und her schwanken. Diese Schwankungen erzeugen bestimmte Kursmuster.

Fraktalstruktur Elliott-Wellen-Theorie
Fraktalstruktur Elliott-Wellen-Theorie

Das Grundprinzip der Elliott Wellen besagt, dass ein Trend aus fünf Wellen besteht. Die drei Wellen mit Kurssteigerungen werden als Antriebs- oder Impulswellen bezeichnet. Zwischen diesen liegen zwei Korrekturwellen.

Die Antriebswellen gliedern sich ihrerseits wiederum in fünf Wellen und die Korrekturwellen in drei Wellen auf. Dadurch entsteht ein sehr fraktaler Charakter der Elliott Wellen.

Zudem müssen die Wellen drei Grundregeln einhalten. Erstens darf Welle 2 nicht mehr als den Beginn von Welle 1 zurückverfolgen. Zweitens darf Welle 3 nicht die kürzeste der drei Antriebswellen sein und drittens darf Welle 4 nicht die Kurszone von Welle 1 überlappen.

Beachte: In der Praxis ist es eine große Herausforderung, diese Wellenmuster richtig zu identifizieren und zu interpretieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Interpretation von Elliott Wellen im Unterschied zu anderen Indikatoren häufig sehr subjektiv ist.

Ein Beispiel

In der Praxis ist es aufgrund der subjektiven Identifikation und der erforderlichen Einhaltung der Grundregeln nur mit einer professionellen Chart-Software möglich, Elliott Wellen darzustellen. Ich empfehle Dir in diesem Zusammenhang, idealerweise mehrere Programme einzusetzen.

Es ist gut möglich, dass Du von den einzelnen Programmen unterschiedliche Elliott Wellen angezeigt bekommst. Je stärker die Überlappung der verschiedenen Wellenmuster ist, desto stärker sind die Signale, die Du daraus ableiten kannst.

#4 Awesome Oszillator

Wie im letzten Abschnitt festgehalten, stellen Elliott Wellen Trader in der Praxis vor große Herausforderungen in der Identifikation und Interpretation von Kurstrends, weshalb sie häufig zu Fehlentscheidungen im Trading fehlen. Eine Lösung dieses Problems bietet der Awesome Oszillator, der in der Trading-Praxis sehr eindeutige Handelssignale liefert.

Der Awesome Oszillator ist ein Durchschnittsoszillator, der aus zwei einfachen gleitenden Durchschnitten gebildet wird. Die Periodenlängen für die Durchschnitte sind mit 34 und 5 Perioden festgelegt. 

Die Kurve des Oszillators bewegt sich um eine Nulllinie und lässt sich sehr einfach als Signalgeber heranziehen. Schneidet der Awesome Oszillator die Nullinie von unten nach oben, handelt es sich um ein Kaufsignal. Das Durchschneiden der Nullinie von oben nach unten ist hingegen als Verkaufssignal zu werten.

Hinweis: Ein weiterer Signalgeber des Awesome Oszillators sind die sogenannten „Untertassen“. Fällt der Oszillator unter die Nulllinie und steigt im Anschluss wieder an, bildet sich die Form einer Untertasse. Sie ist ein Zeichen für einen Aufwärtstrend. Eine umgekehrte Untertasse ist folglich ein Signal für einen Abwärtstrend.

Ein Beispiel

Berechnet wird der Awesome Oszillator als Differenz des gleitenden 5-Tage-Durchschnitts und des gleitenden 34-Tage-Durchschnitts. Liegt der Oszillator unter der Nulllinie und nähert sich von unter der Linie an, spricht das für einen Aufwärtstrend eines Wertpapierkurses.

Durchkreuzt der Awesome Oszillator schließlich die Nulllinie von unten nach oben, wird ein Kaufsignal generiert. Als Spätindikator sendet der Oszillator in der Praxis allerdings nicht selten verspätete Handelssignale und sollte dementsprechend mit Vorsicht eingesetzt werden.

5 Strategien für Price Action Trading

Im Zusammenhang mit einer Price Action Trading-Strategie stellst Du Dir als Trader immer drei unterschiedliche Fragen: Warum, wie und was?

Die Frage nach dem Warum bezieht sich auf den Grund Deines Trades. Warum willst Du einen Trade in einem bestimmten Markt mit einem bestimmten Wertpapier ausführen? Die Price Action Analyse beantwortet diese Frage mit einem Hinweis darauf, wohin sich der Kurs in Zukunft bewegen kann.

Bei der Frage nach dem Wie geht es um die genauen Details Deines Trades. Zu welchem Kurs willst Du ein Wertpapier kaufen, was ist Dein Zielpreis und wo setzt Du einen Stop Loss. 

Und mit der Frage nach dem Was suchst Du eine Antwort auf das Ziel Deines Trades. Ist der Trade kurz- oder langfristig angelegt? Was willst Du damit erreichen? Wie verhältst Du Dich bei unprofitablen Trades?

#1 Strategie: Hammer

Der sogenannte „Hammer“ ist eine Formation aus der Candlestick-Charttechnik, die ihren Namen ihrem Aussehen verdankt. Der Hammer besteht aus einer einzelnen Kerze mit einem kleinen Kerzenkörper, einem langen unteren Schatten und einem nicht vorhandenen oder sehr kleinen oberen Schatten.

Hammer Candlestick mit RSI Indikator
Beispiel: Hammer Candlestick mit RSI Indikator

Der Hammer ist ein Signal für eine Trendwende nach einem abfallenden Kurs. Verkäufer drücken den Kurs auf ein neues Tief (daher der lange untere Schatten), sind aber in Summe nicht stark genug. In der Folge steigen vermehrt Käufer in das Wertpapier ein und sorgen für eine Kurswende.

Der Schlusskurs liegt bei einem Hammer sehr nahe am Eröffnungskurs. Liegt der Schluss- über dem Eröffnungskurs, sendet der Hammer ein besonders starkes Signal für eine Trendwende.

Praktisches Beispiel

Der Eröffnungskurs eines Wertpapiers liegt bei 10€. Im Laufe des Vormittags fällt der Kurs und markiert zu Mittag ein Tagestief bei 9€. Am Nachmittag steigt der Kurs wieder und notiert am späten Nachmittag bei 10,20€ auf einem Tageshoch. Am Abend fällt der Kurs wieder leicht und beendet den Handelstag bei 10,10€.

Einstieg: Ein möglicher Einstiegspunkt am Handelstag nach dem Hammer könnte das Hammer-Hoch sein. Wird es am Folgetag durchbrochen, zeigt dies eine positive Grundstimmung der Anleger, die für weitere Kursgewinnen sorgen dürfte.  

Einstieg: Ein möglicher Einstiegspunkt am Handelstag nach dem Hammer könnte das Hammer-Hoch sein. Wird es am Folgetag durchbrochen, zeigt dies eine positive Grundstimmung der Anleger, die für weitere Kursgewinnen sorgen dürfte.  

Exit: An welchem Punkt Du beim Erkennen einer Hammer-Formation Deine Position verkaufen solltest, hängt von Deinem Einstiegskurs ab. Wenn Du damit in der Gewinnzone bist, kannst Du den Trade beim Schlusskurs des Hammers schließen. Ist dies nicht der Fall, kannst Du auch die Kursentwicklung der darauffolgenden Tage abwarten. Wie gesagt, der Hammer ist oftmals ein Zeichen für eine Trendumkehr in einer Abwärtsbewegung. 

Trade: Du steigst bei einem Kurs von 0,9400 in einen EUR/CHF Forex-Trade ein. Den Stop Loss setzt Du bei 0,9350. Bei 0,1 Lot würde der Trade bei der Auslösung des Stop Loss einen Verlust von 50€ bringen. Entwickelt sich der Kurs allerdings nach oben und steigt auf 0,9600 EUR/CHF, machst Du einen Gewinn von 200€.  

#2 Strategie: Shooting Star

Der Candlestick Chart eines Shooting Stars (die Sternschnuppe) sieht aus wie ein umgedrehter Hammer. Auch ein Shooting Star besteht somit aus einer einzelnen Kerze mit einem kleinen Kerzenkörper, doch im Gegensatz zum Hammer ist der obere Schatten lang und der untere Schatten kurz oder gar nicht vorhanden.

Der Shooting Star ist ein bearishes Signal im Price Action Trading. Diese Chart-Formation tritt häufig am Ende eines Aufwärtstrends auf und signalisiert, dass der Trend an sein Ende gekommen ist.

Bestätigung beim Shooting Star Candle erklären
Bestätigung beim Shooting Star Candle

Ein Shooting Star entsteht in der Praxis, wenn die Käufer nicht mehr stark genug sind, um einen hohen Kurs zu halten. Das Kippen der Kursentwicklung verleitet Verkäufer zum Markteintritt, die den Schlusskurs auf das Niveau des Eröffnungskurses oder sogar darunter drücken. Befindet sich der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs, sendet der Shooting Star ein besonders starkes bearishes Signal.

Der Shooting Star ist übrigens charttechnisch identisch mit dem Candlestick-Muster des sogenannten „Inverted Hammer“ (umgekehrter Hammer). Der Unterschied zwischen den beiden erschließt sich nur aus dem charttechnischen Kontext. Während der Shooting Star am Ende eines Aufwärtstrends auftritt, signalisiert der Inverted Hammer das Ende eines Abwärtstrends.

Praktisches Beispiel

Der Eröffnungskurs einer Aktie liegt bei 50€. Im Laufe des Vormittags drückt eine starke Käufernachfrage den Kurs auf ein Tageshoch bei 55€. Zu Mittag geht den Käufern die Puste aus und der Kurs dreht zum Nachmittag nach unten. Am Abend fällt die Aktie unter ihren Eröffnungskurs und notiert zum Handelsschluss bei 49,50€.

Einstieg: Ein möglicher Einstieg in ein Wertpapier bietet sich beim Tief des Shooting Stars an. Trader sollten dabei jedoch vorsichtig sein, denn die Sternschnuppe ist wie erwähnt ein Signal für das Ende eines Aufwärtstrends. In den darauffolgenden Tagen kann es zu weiteren Kursrückgängen kommen.

Stop Loss: Wenn Du bei einer Shooting Star-Formation auf Kursrückgänge spekulierst, kannst Du einen Stop Loss beim Hoch der Sternschnuppe setzen. Wird dieses Hoch durchbrochen, ist dies als klares Signal zu werten, dass der Shooting Star eine charttechnische Fehlinterpretation war.

Exit: Wie beim Hammer hängt der richtige Exit-Zeitpunkt auch beim Shooting Star davon ab, wann Du wie viel Gewinn mit Deinem Trade machst. Falls Du in der Gewinnzone bist, solltest Du Deinen Trade beim Schlusskurs des Shooting Stars schließen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich der Trend in den darauffolgenden Handelstagen wendet und der Kurs weiter fällt.  

Trade: Du steigst bei einem Kurs von 1,0910 in einen EUR/USD Forex-Trade ein und setzt einen Stop Loss 1,1150. Bei 0,1 Lot würde der Trade bei der Auslösung des Stop Loss einen Verlust von 240€ bringen. Entwickelt sich der Kurs allerdings nach unten und fällt auf 1,0600, machst Du einen Gewinn von 310€.

#3 Strategie: Harami

Eine weitere Price Action Trading-Strategie ist das sogenannte „Harami“. Dabei handelt es sich um ein Candlestick-Muster mit zwei Kerzen, wobei die erste Kerze größer ist als die zweite. Die zweite Kerze befindet sich sozusagen „im Körper“ der ersten. Das erklärt auch den Namen dieser charttechnischen Formation. „Harami“ bedeutet auf Japanisch nämlich „schwanger“.

Harami Praxisbeispiel technische Analyse
Harami Praxisbeispiel

Das Harami-Muster tritt in zwei Formen auf: Als bearishe und als bullishe Harami (mehr dazu im folgenden Abschnitt). Harami ist ein Trendumkehrindikator. Sein Auftreten signalisiert Dir folglich, dass ein Trend an sein Ende gekommen und eine Kurswende wahrscheinlich ist. Um die Aussagekraft einer Harami-Formation im Price Action Trading zu erhöhen, solltest Du das Chart-Muster mit anderen Analysen kombinieren.

Bullische Harami

Bei einer bullishen Harami-Formation folgt auf eine große bearishe Kerze eine kleine bullishe. Die Spanne zwischen dem Hoch und dem Tief der Käuferkerze am zweiten Tag liegt somit innerhalb der Spanne von Hoch und Tief der Verkäuferkerze am Vortag.

Die bullishe Interpretation dieser Formation basiert auf der Tatsache, dass es am Folgetag keine Fortsetzung der Abwärtsbewegung gibt. Das Tief der bearishen Kerze wird am nächsten Tag nicht mehr durch ein neues Tief unterboten.

Das bullishe Harami-Muster zeugt von Unentschlossenheit am Markt. Die Kursspanne am Folgetag ist (deutlich) kleiner als am Vortag und Eröffnungs- und Schlusskurs liegen näher beisammen. Das wird als Signal einer Trendumkehr gewertet. Ein bullisher Harami ist ein Signal dafür, dass es zu einem Ausbruch nach oben kommen kann.

Praktisches Beispiel

Der Kurs einer Aktie fällt über mehrere Tage. Am Vortag eröffnet die Aktie bei 10,50€. Im Laufe des Tages notiert die Aktie bei einem Hoch von 11€, einem Tief von 9€ und schließt schließlich bei einem Kurs von 9,50€.

An Tag 2 eröffnet die Aktie bei 9,75€. Das Tageshoch liegt bei 10,25€, das Tagestief bei 9,60€ und die Aktie geht bei 10,20€ aus dem Handel.

Einstieg: Als Einstiegszeitpunkt bei einer bullishen Harami-Formation kannst Du das Hoch der Kerze des Vortages nehmen. Da die bullishe Harami ein Signal für einen beginnenden Aufwärtstrend ist, kannst Du davon ausgehen, dass die Kurse in den darauffolgenden Tagen über das Hoch der Verkäuferkerze hinausgehen.  

Stop Loss: Als ideale Stop Loss-Marke bietet sich das Tief der Verkäuferkerze am Vortag an. Sollte sich die bullishe Harami-Formation als Fehlsignal erweisen, begrenzt Du mit einem Stop Loss an diesem Tiefpunkt Deine Verluste.

Exit: Für den richtigen Verkaufszeitpunkt gibt es bei einem bullishen Harami-Muster zahlreiche Möglichkeiten. Am besten kombinierst Du die Harami mit anderen Trendindikatoren, um mehrere (idealerweise identische) Verkaufssignale zu generieren.

Trade: Falls der Trade bei einer Harami-Formation nicht vor der Formierung einer neuen Kerze ausgelöst wurde, solltest Du die Order streichen. Wird der Trade hingegen ausgelöst, warte darauf, bis der Stop Loss ausgelöst wird oder Du Deinen Zielverkaufspreis erreichst.  

Bearishe Harami

Bei einer bearishen Harami-Formation folgt eine kleine Verkäuferkerze auf eine große Käuferkerze. Hier befindet sich die Spanne zwischen Hoch und Tief der Kerze am Folgetag innerhalb der Hoch-Tief-Spanne der Kerze am Vortag.

Bearish ist die Interpretation dieses Musters, weil sich die Aufwärtsbewegung am Folgetag nicht mehr fortsetzt. Der Chart markiert an Tag 2 kein neues Hoch und die geringere Kursspanne signalisiert, dass Trader unentschlossen sind.

Die Kombination dieser zwei Faktoren wird als Zeichen einer Trendumkehr gewertet. Ein bearishes Harami-Muster zeigt sich oftmals zum Ende eines Aufwärtstrends und signalisiert, dass die Kurse in Zukunft wieder fallen.

Praktisches Beispiel

Der Kurs einer Aktie steigt über mehrere Tage. Am Vortag eröffnet die Aktie bei 10,50€. Im Laufe des Tages notiert die Aktie bei einem Hoch von 11€, einem Tief von 9€ und schließt schließlich bei einem Kurs von 9,50€.

An Tag 2 eröffnet die Aktie bei 9,75€. Das Tageshoch liegt bei 10,25€, das Tagestief bei 9,60€ und die Aktie geht bei 10,20€ aus dem Handel.

Einstieg: Ein guter Price Action Trading-Zeitpunkt bei einem bearishen Harami-Muster ist das Tief der letzten Kerze. Da die bearishe Harami-Formation ein Zeichen für den Beginn einer Abwärtsbewegung ist, solltest Du auf fallende Kurse setzen. 

Stop Loss: Als Stop Loss-Kurs bietet sich das Hoch der Käuferkerze am Vortag an. Falls sich das bearishe Harami-Muster als Fehlsignal entpuppt, sicherst Du Dich mit diesem Stop Loss gegen unbeabsichtigt hohe Verluste bei einer Fortsetzung des Aufwärtstrends ab.

Exit: Wie beim bullishen Harami-Muster gilt auch bei der bearishen Variante, dass es keinen allgemein richtigen Exit-Zeitpunkt gibt. Falls sich der prognostizierte Abwärtstrend einstellt, solltest Du weitere Trendindikatoren einsetzen, um den besten Verkaufszeitpunkt zu ermitteln.  

Trade: In Bezug auf einen Trade gilt bei einem bearishen Harami-Muster dasselbe wie bei der bullishen Variante. Falls der Trade nicht vor der Formierung einer neuen Kerze ausgelöst wurde, ist es besser, die Order zu streichen. Wurde der Trade ausgelöst, lasse ich sie bis zum Erreichen des Stop Loss oder des Take Profit laufen.

#4 Strategie: Forex Scalping

Großer Beliebtheit erfreut sich Price Action Trading im Devisenhandel, vor allem im sehr kurzfristigen Forex Scalping. Dabei nutzen Trader sehr kurzzeitig geringe Kursschwankungen für ihre Trades aus. Zur richtigen Identifizierung der Kauf- und Verkaufssignale im Forex Scalping sind jedoch mehrere Signalgeber notwendig.

Ein möglicher Signalgeber sind gleitende Durchschnitte (Moving Averages oder MA). Sie zählen zu den am häufigsten eingesetzten Trendindikatoren und sind ein wichtiges Indiz dafür, ob gerade die Käufer oder die Verkäufer das Heft an der Börse in der Hand halten.

Beispiel Forex Scalping Eurusd Minuten Chart
Beispiel: Forex Scalping EUR/USW im Minuten Chart

Da Scalper sehr kurzfristig orientierte Trader sind, bevorzugen sie gleitende Durchschnitte mit schnelleren Bewegungen. Dazu zählen beispielsweise der 20- oder der 50-Tagesdurchschnitt.

Im Forex Scalping kannst Du sowohl long als auch short gehen. In den beiden nachfolgenden Abschnitten erläutere ich Dir, wie Du Moving Averages für ein Long- oder ein Short-Setup im Price Action Trading nutzen kannst.

Long Setup

Eine gute Grundlage für Price Action Trading im Forex Scalping ist der 4-Stunden-Chart. Grundbedingungen für ein Long Setup im Price Action Scalping ist, dass das 20-Perioden-MA zeitweise über dem 50-Perioden-MA liegt.

Im nächsten Schritt musst Du Price Action Muster zwischen den beiden gleitenden Durchschnitten identifizieren, die auf einen Aufwärtstrend hindeuten. Dabei kann es sich um Hammer oder bullishe Harami-Muster handeln.

Die Kombination dieser Chartbilder und Indikatoren macht ein Long Setup aus. Trader können in diesem Fall von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit steigender Kurse ausgehen.

Praktisches Beispiel

Ein praktisches Rechenbeispiel für ein Long Setup zu geben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Im Forex Scalping wird das Price Action Trading auf Basis von gleitenden Durchschnitten und bestimmten Candlestick-Formationen ausgeführt. Die entsprechenden Indikatoren lassen sich nur durch professionelle Chartprogramme darstellen.

Einstieg: Als Einstiegspunkt bietet sich ein Wert von einem Pip über dem Kerzenhoch an.

Stop Loss: Ein vernünftiger Wert für das Setzen eines Stop Loss ist ein Pip unter dem Kerzentief.

Exit: Als Zielpreis für das Price Action Scalping kannst Du entweder das vorherige Swing High oder das Pip-Risiko heranziehen, also das Risiko Deines Scalping Trades bei einer Preisänderung von einem Pip.

Trade: Wie bei den zuvor beschriebenen Price Action Trading-Strategien gilt auch im Long Setup, dass Du die Order streichen solltest, wenn sie nicht durch die Formierung einer neuen Kerze ausgelöst wurde. 

Short Setup

Wie beim Long Setup im Forex Scalping ist auch im Short Setup der 4-Stunden-Chart eine gute Trading-Grundlage. Spiegelverkehrt zum Long Trading muss beim Short Trading der 20-Perioden-MA zeitweise unter dem 50-Perioden-MA liegen.

In Schritt 2 musst Du auch beim Short Setup Price Action Formationen als mögliche Auslöser von Handelssignalen identifizieren. In diesem Fall kann es sich um Shooting Stars oder bearishe Harami-Formationen handeln. Die Kombination der gleitenden Durchschnitte mit den Candlestick-Mustern zeigt Dir, zu welchen Zeitpunkten Du ein Verkaufssignal ableiten kannst.

Praktisches Beispiel

Das im vorherigen Abschnitt über das Long Setup Gesagte gilt selbstverständlich auch für das Short Setup. Die Kombination von gleitenden Durchschnitten und Candlestick-Formationen im Forex Scalping Price Action Trading ist eine komplexe Angelegenheit, die sich nur durch den Einsatz professioneller Charting-Tools bewerkstelligen lässt.

Einstieg: Als guten Einstiegspunkt kannst Du ein Pip unter dem Kerzentief wählen.  

Stop Loss: Ein Stop Loss bietet sich bei einem Pip über dem Kerzenhoch an.

Exit: Ein vernünftiger Preis, um Deinen Forex Scalping Trade zu beenden, ist das Swing Low. Alternativ kannst Du auch das Pip-Risiko für die Bestimmung des Exits heranziehen.

Trade: Auch beim Short Setup im Price Action Scalping gilt, dass die Order gestrichen werden sollte, wenn sie nicht durch die Formierung einer neuen Kerze ausgelöst wird.  

#5 Strategie: Price Trap

Price Traps (Preisfallen) treten an den Finanzmärkten sehr häufig auf und ich kann Dir sagen, dass jeder Trader im Laufe seiner Karriere mehrfach in die Falle tappt. Von einer Preisfalle spricht man, wenn Trader mit einer bestimmten Kursentwicklung rechnen, der Markt sich jedoch entgegengesetzt bewegt. Das führt dazu, dass sie ihre Positionen nur noch unter Inkaufnahme eines Verlustes schließen können.

Grundsätzlich werden zwei Arten von Preisfallen unterschieden: Die Bullenfalle und die Bärenfalle.

Bullenfalle

Als „Bullenmarkt“ wird ein Markt bezeichnet, der von allgemein steigenden Kursen gekennzeichnet ist. Dementsprechend handelt es sich um eine sogenannte „Bullenfalle“, wenn Anleger mit ihren Trades auf steigende Kurse setzen, die Preise jedoch sinken.

Kurs nach Bullenfalle
Kurs nach einer Bullenfalle

Das führt dazu, dass Anleger in einer Bullenfalle nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten haben: Entweder sie entscheiden sich dazu, Trades zu schließen und damit Verluste einzufahren oder sie warten die weitere Kursentwicklung in der Hoffnung ab, dass sich die Kurse wieder erholen. Dabei gehen sie jedoch das Risiko weiter fallender Kurse und folglich noch höherer Verluste ein.

Bärenfalle

Die Bärenfalle ist das Gegenteil der Bullenfalle. In einem Bärenmarkt fallen allgemein die Kurse an der Börse. Bei einer Bärenfalle handelt es sich folglich um eine Situation, in der Anleger auf fallende Kurse setzen, diese jedoch steigen.

Vorzeichen einer Bärenfalle mit Erklärungen
Vorzeichen einer Bärenfalle

Die Bärenfalle spielt vor allem für Leerverkäufe eine große Rolle. Sie verkaufen geliehene Wertpapiere in der Erwartung, sie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückkaufen zu können. In einer Bärenfalle werden Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischt, denn sie müssen die Papiere zu einem höheren Kurs zurückkaufen oder warten, bis der Preis wieder fällt.

Allgemeines Vorgehen

Bei einer Price Trap Strategie geht es darum, potenzielle Wendepunkte im Kursverlauf eines Wertpapiers zu identifizieren und dabei nicht in Preisfallen zu tappen. Grundlage dieses Handelsansatzes ist die Erkenntnis, dass sich Wertpapierkurse in der Praxis sehr häufig in einer gewissen Preisspanne bewegen und zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dieser Spanne nach oben (Breakout) oder nach unten (Breakdown) ausbrechen.

Preis-Range: Schritt 1 bei dieser Price Action Trading-Strategie ist die Ermittlung einer Preisspanne, in der sich der Kurs eines Wertpapiers bewegt. Sehr häufig pendeln Wertpapierkurse in der Praxis zwischen einem (unteren) Unterstützungsniveau und einem (oberen) Widerstandsniveau. Oftmals prallen die Kurse beim Erreichen dieser wichtigen Kursmarken (bei der Unterstützung) nach oben und (beim Widerstand) nach unten ab.

Falle abwarten: Im zweiten Schritt wartest Du ab, ob beim Erreichen des Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus eine Falle zuschnappt. Die Falle wird ausgelöst, wenn der Wertpapierkurs kurzzeitig aus der Preis-Range ausbricht (und damit eine Trendwende signalisiert), dann aber schnell wieder in die ursprüngliche Spanne zurückkehrt.

Wendemarke: Sehr wichtig im Price Trap Handel ist die Bestätigung der Wendemarken. In der Praxis reicht es nicht, nur die Kursentwicklung bei Unterstützungs- und Widerstandszonen zu beobachten. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Wendemarke handelt, musst Du auf Grundlage weiterer Indikatoren, wie beispielsweise Candlestick-Mustern oder anderen technischen Tools, überprüfen. Auch das Handelsvolumen kann Hinweise auf einen möglichen Breakout liefern.

Einstieg: Das Durchbrechen von Unterstützungs- und Widerstandsmarken ist ein häufig gewählter Einstiegszeitpunkt an der Börse. Wenn der Kurs eines Wertpapiers über das Widerstandsniveau steigt und nicht in die ursprüngliche Preis-Range zurückfällt, kannst Du von einem weiteren Kursanstieg ausgehen und eine Long-Position eingehen. Fällt der Kurs hingegen unter das Unterstützungsniveau und hält sich dort, ist ein weiterer Kursverfall wahrscheinlich, von dem Du über eine Short-Position profitierst.

Stop Loss: Bei einer Price Trap Trading-Strategie solltest Du unbedingt einen Stop Loss setzen. Bei einer Long-Position bietet sich beispielsweise das einstige Widerstandsniveau der Preis-Range als Stop Loss-Kurs an. Bei einer Short-Position kannst Du das Unterstützungsniveau als Stop Loss-Kurs heranziehen.

Exit: In Bezug auf den Exit kann ich Dir keine konkreten Ratschläge erteilen. Wann Du einen Price Trap Trade beendest, hängt von Deinem persönlichen Rendite-Risiko-Profil ab. Ratsam ist meiner Meinung nach nur das Setzen eines Take Profits. Damit sicherst Du automatisch Deine Gewinne auf einem vordefinierten Niveau.

Ist Price Action Trading für Anfänger geeignet?

Price Action Trading ist eine Trading-Strategie, die sich meiner Meinung nach hervorragend für Anfänger eignet. Das Hauptargument, das für diesen Handelsansatz spricht, ist seine Einfachheit. Price Action Trading kannst Du als Einsteiger innerhalb weniger Wochen lernen.

Wie bereits mehrfach in diesem Beitrag erwähnt, wird im Price Action Trading meist auf den Einsatz komplizierter technischer Indikatoren und Analysen verzichtet. Das macht diese Trading-Form sehr attraktiv für Einsteiger.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Trading-Anfänger sehr häufig von der Vielzahl und der Komplexität von Indikatoren demotivieren lassen. Sie wissen schlichtweg nicht, mit welchen der Dutzenden Tools sie am besten anfangen sollen.

Im Gegensatz dazu ist Price Action Trading ein sehr einfach zu erlernender Handelsansatz. Ergänzende Indikatoren werden nur auf eigenen Wunsch und punktuell eingesetzt. Wie kompliziert jeder Trader sein Price Action Trading gestalten will, hängt letztlich an ihm selbst.

Keine Indikatoren: Price Action Trading empfiehlt sich vor allem für Trader, die kein Interesse am Einsatz von Indikatoren und sonstigen technischen Analysewerkzeugen haben. Einzige Voraussetzung für die Umsetzung einer Price Action Trading-Strategie ist die sichere Anwendung von Chart-Darstellungsformen wie Bar- oder Candlestick-Charts.

Price Action Trading ist zeitsparend

Neben der Einfachheit hat Price Action Trading noch einen weiteren Vorteil: Es spart Dir Zeit und Zeit ist vor allem für Anfänger kostbar.

Als Anfänger solltest Du Dich auf die Beobachtung und Analyse des Marktes konzentrieren. Price Action Trading ermöglicht Dir genau das.

Alles, was Du dazu benötigst, ist eine einfache Chart Software, die über die gängigen Darstellungsformen verfügt. Du musst Dich nicht mit der Frage beschäftigen, welche Indikatoren mit welchen Einstellungen die Software darstellen kann.

Sobald Du in die Welt der technischen Indikatoren einsteigst, musst Du ein erheblich größeres Zeitbudget mitbringen. Du wirst dabei mit komplizierten Formeln und unzähligen Parametern konfrontiert.

Nicht nur das Erlernen der Anwendung dieser Indikatoren ist zeitraubend, auch das Üben in der Praxis erfordert einen hohen Zeiteinsatz. Diese Zeit ist bei Anfängern meines Erachtens besser in das Erlernen und Üben des Price Action Tradings investiert.

Hinweis: Für Price Action Trading benötigst Du lediglich eine einfache Chart Software. Diese Software bekommst Du kostenlos auf zahlreichen Finanzportalen und bei vielen Online-Brokern zur Verfügung gestellt. Teste zum Einstieg in das Price Action Trading, mit welcher Software Du am besten zurechtkommst.

Grundeinstellung als Trader lernen

Eine der wichtigsten Lektionen für jeden angehenden Trader ist das Lernen der richtigen Grundeinstellung. Ich habe in meiner langjährigen Zusammenarbeit mit vielen anderen Tradern die Erfahrung gemacht, dass Trading-Neulinge sich viel zu häufig auf die Frage konzentrieren, wann sie Handelspositionen eröffnen und schließen sollen.

Dies erklärt den großen Reiz, den Indikatoren auf Anfänger ausüben. Sie geben ihnen zahlreiche Signale für den vermeintlich richtigen Kauf- und Verkaufszeitpunkt.

Eine wichtige Erkenntnis aus meiner jahrelangen Trading-Erfahrung ist jedoch, dass es für einen angehenden Trader in erster Linie darauf ankommt, zu lernen, wann er nicht handeln sollte. Schon gar nicht sollte ein Anfänger gegen den Markt handeln.

Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung, dass Du lernst, den Markt richtig zu deuten. Wenn Du den Markttrend richtig erfasst, findest Du zahlreiche Möglichkeiten, den Trend gewinnbringend auszunutzen. Handelssignale haben demgegenüber nur eine untergeordnete Bedeutung.

Hinweis: Beim Price Action Trading fokussierst Du Dich auf die Trendanalyse von Märkten und Wertpapieren. Wenn Du Trends richtig erfasst, spielt die Generierung genauer Handelssignale nur eine Nebenrolle. Mit ein wenig Geduld und Ausdauer wirst Du zahlreiche Gelegenheiten finden, mit Price Action Trading Geld zu verdienen.

Chart-Muster erkennen

Eine der wichtigsten Dinge, die Du als Price Action Trader lernen musst, ist die Erkennung von Chart Pattern. Die Chart-Formationen verraten Dir, zu welchen Zeitpunkten Du am besten in den Markt einsteigst bzw. wieder aussteigst.

Um Price Action Trading erfolgreich zu betreiben, solltest Du in der Lage sein, bullishe und bearishe Chart-Muster zu identifizieren. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang, die dazugehörigen Fallen zu erkennen, um nicht zum falschen Zeitpunkt eine Position einzugehen oder zu schließen.

Darauf sollte man bei Chart Pattern achten
Darauf solltest Du bei Chart Pattern achten

Chart-Formationen sind nicht nur wichtig, um Trends zu erkennen und Handelssignale abzuleiten, sondern auch, um Stop Loss-Kurse zu identifizieren. Ein Vorteil des Price Action Tradings gegenüber dem Indikator-basierten Handel besteht darin, dass Du über Ersteres konkrete Stop Loss-Marken ableiten kannst. Über Indikatoren lassen sich hingegen keine konkreten Stop Loss-Niveaus festlegen.

Hinweis: Als Trading-Anfänger solltest Du möglichst rasch die unvermeidliche Realität akzeptieren, dass Du im Wertpapierhandel auch Geld verlierst. Entscheidend für die Minimierung des Risikos ist deshalb das Setzen von Stop Loss-Marken. Chart-Muster können Dir wertvolle Informationen liefern, an welcher Stelle Du einen Stop Loss am besten setzt.

Fähigkeiten, die man beherrschen sollte

Price Action Trading kannst Du nicht über eine Ausbildung lernen. Zwar sind die Grundlagen dieser Trading-Form relativ einfach, doch ihre Umsetzung in der Praxis erweist sich im Börsenalltag oftmals als ziemlich kompliziert.

Die Ableitung der zukünftigen Kursentwicklung aus historischen Bewegungen benötigt viel Übung und eine Reihe besonderer Fähigkeiten. Im Laufe meiner Trader-Karriere habe ich fünf Fähigkeiten identifiziert, die Du für langfristigen Erfolg im Price Action Trading unbedingt beherrschen solltest.

Swing-Pivots

Die Kurse an den Finanzmärkten bewegen sich oftmals nicht erratisch auf und ab, sondern in sogenannten „Swings“. Darunter werden größere, nahezu kontinuierliche Kursbewegungen in eine Richtung verstanden. Swings können mehrere Tage, Wochen und teilweise sogar Monate dauern.

Vor diesem Hintergrund ist es von größter Bedeutung im Price Action Trading diese Swings zu erkennen. Eine gute Methode zur Erkennung von Swings sind die bereits in diesem Beitrag vorgestellten Pivot Points.

Über Swing-Pivots kannst Du in der Praxis häufig Kursmarken identifizieren, an denen ein neuer Swing beginnt. Wenn Du rechtzeitig in den Swing einsteigst, kannst Du einen Großteil der Kursbewegung mitnehmen und mit einem Price Action Trade viel Geld machen.

Beispiel

Der Kurs einer Aktie befindet sich in einer Abwärtsbewegung. Durch die Berechnung eines Fibonacci Pivot Points identifizierst Du einen Widerstand bei einem Kurs von 90 €. In der Folge berührt der Kurs die 90 €-Marke, worauf Du in die in die Aktie einsteigst.

Im Anschluss bildet sich ein Aufwärts-Swing aus. Der Aktienkurs steigt innerhalb einer Woche auf 100 €. Du hast mit Deinem Swing-Trade folglich in nur fünf Handelstagen einen Gewinn von 11,1% gemacht.

Mit Trendlinien arbeiten

Im Price Action Trading solltest Du, wann immer es geht, mit Trendlinien arbeiten. Sie gehören zu den einfachsten, aber zugleich wirkungsvollsten Hilfsmitteln im Trading.

Um eine Trendlinie in einem Chart einzuzeichnen, verbindest Du einfach die Swing-Pivots der letzten Monate bzw. Jahre und verlängerst sie in die Zukunft. Je länger die Chart-Historie eines Wertpapiers ist, desto mehr Möglichkeiten zur Ableitung von Trendlinien wirst Du finden.

Trendlinien geben Dir gleich drei wichtige Informationen mit auf den Weg:

Sie teilen Dir mit, in welche Richtung sich der Kurs eines Wertpapiers mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickeln wird. Die Fortsetzung eines Trends an der Börse ist statistisch erwiesen wahrscheinlicher als eine Trendumkehr.

Sie zeigen Dir, bei welchen Kursen Du mit Unterstützungen und Widerständen zu rechnen hast. Sehr häufig prallen Kurse an den langfristigen Trendlinien ab – nach oben bei einer Unterstützung und nach unten bei einem Widerstand.

Sie geben Dir einen Hinweis auf das Momentum eines Wertpapiers. Steile Trendlinien sprechen für ein starkes und flache für ein schwaches Momentum.

Unterstützung und Widerstand

Auch Unterstützungen und Widerstände zählen zu den wichtigsten Hilfsmitteln im Price Action Trading. Wie bereits zuvor erwähnt, kommt es in bestimmten Kursbereichen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einer Trendänderung. Als Price Action Trader musst Du unbedingt die Fähigkeit haben, diese wichtigen Kursmarken zu identifizieren.

Double Bottom Unterstützung signalisiert den Aufwärtstrend
Beispiel: Double Bottom Unterstützung signalisiert den Aufwärtstrend

Dafür stehen Dir in der Praxis zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Trendlinien: Wie im letzten Abschnitt erläutert, fungieren Trendlinien in der Trading-Praxis häufig als Unterstützungs- und Widerstandslinien. Wenn dies der Fall ist, spricht viel für eine Fortsetzung des bestehenden Kurstrends.

Zwischenhochs und -tiefs: Sehr häufig stellen im Börsenalltag Zwischenhochs und -tiefs Widerstands- bzw. Unterstützungsniveaus dar. Sofern ein Kurs bei einer dieser Kursmarken abprallt, ist eine Trendumkehr sehr wahrscheinlich.

Kauf- und Verkaufsdruck erkennen

Eine weitere, äußerst relevante Fähigkeit eines guten Price Action Traders ist es, Kauf- und Verkaufsdruck auf dem Markt zu erkennen. Die meisten Price Action Trader nutzen dazu in der Praxis keine Volumencharts, sondern Candlestick-Charts.

Die Abfolge mehrerer Candlestick-Charts kann Dir sehr wertvolle Hinweise darauf liefern, ob Bullen oder Bären die Oberhand über die Kursentwicklung gewinnen. So sind beispielsweise in einer Abwärtsbewegung mehrere Kerzen, deren untere Schatten auf demselben Kursniveau enden, ein klarer Hinweis auf eine Trendumkehr.

Die Tatsache, dass das Tagestief an mehreren Tagen auf demselben Niveau liegt und nicht mehr fällt, zeigt, dass die Bären keinen weiteren Verkaufsdruck ausüben und die Bullen das Heft in die Hand nehmen können. Die Wahrscheinlichkeit steigt in dieser Situation, dass der Kurs wieder nach oben dreht.

Realistisch bleiben

Nicht zuletzt solltest Du als erfolgreicher Price Action Trader die Fähigkeit haben, realistisch zu bleiben. Das bedeutet in erster Linie, dass Du Gewinne nicht zu lange laufen lässt, sondern im richtigen Moment realisierst.

Price Action Trading gibt Dir mehrere Möglichkeiten, den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu definieren:

Unterstützung/Widerstand: Bei einem Long Trade erweisen sich Widerstandsniveaus in der Praxis als sehr gute Zeitpunkte für einen Ausstieg. Bei einem Short Trade bietet sich ein Unterstützungsniveau als Zeitpunkt für einen Ausstieg an.

Kursformation: Eine Alternative zur Festlegung eines Ausstiegszeitpunkts sind Kursformationen. Beispielsweise kannst Du über Swing Pivots bei einem Swing Trade den besten Zeitpunkt zur Gewinnmitnahme herausfinden.

Indikatoren: Als dritte Möglichkeit stehen Dir Indikatoren zur Verfügung. Sie werden von vielen Price Action Tradern abgelehnt, eignen sich aber gut als Hilfsmittel zur Bestimmung von Zielkursen.

8 Tipps für Anfänger im Price Action Trading

Handel in liquiden Märkten: Ich empfehle, nur in liquiden Märkten zu handeln, da diese viele Teilnehmer haben, was zu einer besseren Preisbildung führt.

Beginne mit neutraler Kursanalyse: Anfänger sollten ohne vorgefasste Meinungen starten und eine neutrale Kursanalyse durchführen. Die Analyse bildet die Grundlage für Handelsentscheidungen und sollte frei von voreingenommenen Ansichten sein.

Namen von Kursformationen nicht überbewerten: Die exotischen Namen von Kursformationen sind weniger wichtig als ihre praktische Anwendung. Der Fokus sollte auf der Erkennung und korrekten Interpretation der Chart-Formationen liegen.

Indikatoren sind nützlich: Es gibt Price Action Trader die auf Indikatoren verzichten. Indikatoren können meiner Erfahrung nach allerdings sehr hilfreich sein, um einen Trend besser zu identifizieren. Je nach Marktsituation rate ich jedoch dazu, verschiedene Indikatoren zu nutzen.

Vermeide Überladung der Charts: Weniger ist oft mehr. Überfrachte die Charts nicht mit zu vielen Analyseinstrumenten, um klare Informationen abzuleiten.

Volatilität und Risikomanagement: Die Volatilität ist entscheidend für die Risikoeinschätzung und die Festlegung realistischer Gewinnerwartungen, besonders im Daytrading. Implementiere ein funktionierendes Risikomanagementsystem.

Berücksichtige Unterstützung und Widerstand: Unterstützungs- und Widerstandszonen spielen eine enorm wichtige Rolle im Price Action Trading und können als wichtige Signalgeber dienen.

Führe ein Trading-Tagebuch: Ein „Journal“ hilft Dir dabei, positive und negative Muster im Handelsverhalten zu erkennen und Dich kontinuierlich zu verbessern. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil für erfolgreiche Price Action Trader.

Price Action Trading: Der Markteinstieg

Price Action Trading ist im Vergleich zu anderen Trading-Formen zwar relativ einfach, doch der richtige Einstieg in den Markt will gelernt sein. Für jeden Trade müssen nicht nur die Voraussetzungen stimmen, sondern Du musst Dir auch das richtige Setup zurechtlegen.

Hinzu kommt die technisch saubere Abwicklung des Trades. Dazu gehört die Kenntnis der verschiedenen Orderarten. In der Praxis kann es einen großen Unterschied machen, ob Du mit einer Market-, einer Stop- oder einer Limit-Order in den Markt einsteigst. Du solltest Dir im Vorfeld gut überlegen, welche Orderart die beste für Dein Trading Setup ist.

Gängige Orderarten

An der Börse kannst Du nicht wie auf einem Markt direkt mit den anderen Marktteilnehmern die Preise verhandeln. Als Alternative zum Bezahlen des aktuellen Marktpreises (Market Order) hast Du aber die Möglichkeit, über verschiedene Orderarten indirekt den Preis zu verhandeln.

Stop-Loss Order
Stop-Loss Order

Mit einer Limit Order oder einer Stop Order kannst Du bestimmte Preisvorgaben in Bezug auf den beabsichtigten Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers machen. Werden diese Vorgaben am Markt nicht erfüllt, kommt es auch nicht zur Auslösung der Order.

Market Order: Die Market Order ist die einfachste Form einer Order. Sie wird zum nächstmöglichen Handelszeitpunkt ausgeführt. Ihre Ausführung ist garantiert, nicht jedoch der Kurs. Vor allem bei starken Kursschwankungen und bei illiquiden Werten kannst Du Dir nicht sicher sein, dass der Ausführungskurs einer Market Order in der Nähe des Preises zum Zeitpunkt der Orderaufgabe liegt.

Stop Order: Mit Stop Orders legst Du bei der Orderaufgabe fest, dass Deine Order erst dann ausgeführt wird, wenn ein bestimmter Preis erreicht, über- oder unterschritten wird. Eine Buy Stop Order ist ein Kaufauftrag, der erst beim Erreichen oder Überschreiten eines festgelegten Kursniveaus ausgelöst wird. Spiegelverkehrt ist eine Sell Stop Order eine Verkaufsorder, die beim Erreichen oder Unterschreiten eines bestimmten Kursniveaus ausgelöst wird.

Limit Order: Eine Limit Order ist ein Handelsauftrag an Deinen Broker, einen Trade zu einem Preis auszuführen, der vorteilhafter ist als der aktuelle Marktkurs. Es werden zwei Limit Orders unterschieden: Die Buy Limit Order und die Sell Limit Order. Mit einer Buy Limit Order legst Du den maximalen Kaufpreis für ein Wertpapier fest. Mit einer Sell Limit Order definierst Du hingegen den minimalen Verkaufspreis.

Das Price Action Trading Setup einfach halten

Albert Einstein sagte einst die berühmten Worte: „Alles sollte möglichst einfach gehalten werden, aber nicht einfacher.“ Einsteins Worte haben auch an der Börse ihre Gültigkeit, besonders wenn es um das Setup im Price Action Trading geht.

Konkret umgesetzt bedeuten seine Worte, dass Du als Trader die einfachste funktionierende Handelsmethode entwickeln solltest. Anders formuliert: Schaffe ein Trading Setup, das mit möglichst wenigen Instrumenten funktioniert.

Dieses Ziel erreichst Du in der Praxis, indem Du alle Indikatoren aus Deinem Setup entfernst. Im Anschluss nimmst Du nach für nach nur diejenigen Indikatoren hinzu, die Dir gegenüber der reinen Kursbeobachtung einen Mehrwert bringen.

Der Trend: Trends sind dadurch charakterisiert, dass sich im Zeitablauf höhere Hochs und Tiefs (in einem Aufwärtstrend) oder niedrigere Hochs und Tiefs (in einem Abwärtstrend) ergeben. Die Trendbestimmung gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Rahmen des Trading Setups. Trends sind an der Börse relativ klar zu erkennen. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob es sich um einen Trend handelt, ist es in der Regel auch keiner.

Der Trendbalken: Ein Trendbalken ist ein kleinerer Abschnitt einer Kerze. Er sollte nicht mehr als 50% der Kursspanne des gesamten Balkens ausmachen. Ein bullisher Trendbalken öffnet nahe des Tiefs und schließt nahe des Hochs. Bei einem bearishen Trendbalken ist es umgekehrt.

Die Voraussetzung für einen Trade

Trends und Trendbalken werden in der Praxis gerne als Setup im Price Action Trading verwendet. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, haben Trends an der Börse die Tendenz, sich fortzusetzen. Generell ist es deshalb sinnvoll, auf eine Fortsetzung eines Trends zu setzen.

Manche Trader verfolgen allerdings einen konträren Ansatz und versuchen, Trends in bestimmten Situationen umzukehren. Ein Zeichen dafür sind bearishe Trendbalken innerhalb eines Aufwärtstrends (bei einem Abwärtstrend sind es bullishe Trendbalken).

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Countertrend-Trader scheitern, ist jedoch hoch. Wenn diese Trader erkennen, dass sie mit ihrer Wette gegen den Trend keinen Erfolg haben, werden sie ihre Positionen glattstellen.

Das bedeutet, dass das Scheitern einer Countertrend-Strategie ein Zeichen für die Fortsetzung des Trends ist. Konkret gesagt: Wenn in einem Aufwärtstrend auf einen bearishen Trendbalken kein zweiter folgt, kannst Du von einem Fortgang der Aufwärtsbewegung ausgehen.

Longtrades Setup: Bei einem Longtrades Setup gehst Du von einem Aufwärtstrend aus. Du beobachtest das Entstehen eines bearishen Trendbalkens. Das Tief dieses Balkens wird durchbrochen, es bildet sich jedoch kein weiterer bearisher Trendbalken heraus. In diesem Setup platzierst Du eine Buy Stop Order über dem Hoch des zweiten Balkens.  

Shorttrades Setup: Bei einem Shorttrades Setup gehst Du von einem Abwärtstrend aus. Du beobachtest das Entstehen eines bullishen Trendbalkens. Das Hoch dieses Balkens wird durchbrochen, es bildet sich jedoch kein weiterer bullisher Trendbalken heraus. In diesem Setup platzierst Du eine Sell Stop Order unter dem Tief des zweiten Balkens.  

Beispiele für unterschiedliche Märkte

Beispiel: Futures Price Action Trade

Ein beliebtes Finanzinstrument für das Price Action Trading mit Futures sind E-mini S&P 500 Index Futures (kurz als ES-Futures bezeichnet). Mit ihnen kannst Du auf die Kursentwicklung des breiten US-Leitindex S&P 500 setzen.

Als Handelssignal für einen Price Action Trade identifizierst Du einen bearishen Trenbalken, dessen Tief durchbrochen wird. In der Folge bildet sich jedoch kein zweiter bearisher Trendbalken heraus.

Du platzierst eine Buy Stop Order über dem Hoch des zweiten Balkens. Durch einen weiteren Kursanstieg wird die Order ausgelöst.

Weitere bullishe Kerzen in den Folgetagen sorgen dafür, dass Dein Trade in der Gewinnzone ist.

Nach einigen Tagen bildet sich eine Shooting Star Formation und signalisiert das Ende des Aufwärtstrends.

Am Folgetag verkaufst Du Deine Position und realisierst die gemachten Gewinne.

Beispiel: Aktien Price Action Trade

Wie zuvor erwähnt, solltest Du bei der Auswahl von Aktien für das Price Action Trading auf deren Liquidität achten. Die Anteilsscheine der größten Unternehmen der Welt zählen insgesamt zu den liquidesten Titeln an der Börse. In diesem Price Action Trade Beispiel verwende ich die Tesla-Aktie.

Angenommen, das Mehrjahreshoch liegt bei 350€ und das Mehrjahrestief bei 100€. Auf Grundlage dieser beiden Werte berechnest Du das erste Retracement Level der Aktie (350 – (350 – 100) x 0,236 = 291).

Der Aktienkurs befindet sich in einer Abwärtsbewegung und nähert sich dem Retracement Level bei 291€.

Du legst eine Buy Stop Order zum Kurs von 291€ an. Der Kurs der Tesla-Aktie unterschreitet kurzfristig das Kursniveau und die Order wird ausgelöst.

Aufgrund des Widerstands beim Retracement Level kommt es in den darauffolgenden Tagen zu einer Trendumkehr und die Tesla-Aktie steigt wieder.

Nach mehreren Handelstagen bildet sich ein bearishes Harami-Muster heraus. Auf eine große Käuferkerze folge eine kleine Verkäuferkerze.

Du definierst einen Stop Loss beim Hoch der Käuferkerze am Vortag. Dein Stop Loss wird bei 320€ ausgelöst und Du gehst mit einer Rendite von 10% aus dem Trade.

Beispiel: Kryptowährungen Price Action Trade

Noch mehr als bei Fiat-Währungen musst Du bei Kryptowährungen auf die Liquidität achten. Deshalb empfehlen sich generell nur die größten Kryptos für das Price Action Trading. In meinem Beispiel verwende ich deshalb den Bitcoin als mit Abstand wichtigste Kryptowährung der Welt.

Angenommen, Du erkennst bei 35.000€ eine starke Widerstandszone für den Bitcoin-Kurs.

Der Bitcoin-Kurs befindet sich in einer Abwärtsbewegung und nähert sich dem Widerstandsniveau.

Du legst eine Buy Stop Order bei 35.000€ an. Da der Kurs den Kaufkurs kurzzeitig unterschreitet, wird die Order ausgelöst.

Der Bitcoin-Kurs dreht in der Folge kurz nach oben.

Am nächsten Tag bildet sich jedoch eine Shooting Star-Formation heraus, die Dir ein Ende der Aufwärtstrends anzeigt. Du interpretierst die Situation als Bullenfalle.

Am übernächsten Tag fällt der Bitcoin stark. Bei 33.250€ hast Du einen Stop Loss definiert, der durch den Kurssturz ausgelöst wird. Du gehst mit einem Verlust von 5% aus dem Handel.

Vor- und Nachteile von Price Action Trading

Vorteile:

Universelle Anwendbarkeit: Price Action Trading kann auf alle Anlageklassen, von Aktien über Devisen, Futures und Kryptowährungen bis zu Rohstoffen angewandt werden.

Zeitunabhängige Anwendung: Price Action Trading lässt sich zudem in jedem beliebigen Zeitrahmen anwenden.

Einfaches Erlernen: Price Action Trading ist ein relativ einfaches Trading-Konzept, das selbst von Anfängern schnell zu erlernen ist.

Geringe Komplexität: Im Gegensatz zu anderen Trading-Formen gibt es beim Price Action Trading kein kompliziertes Set von Indikatoren, sondern nur die Analyse der Preisbewegungen.

Hohe Konzentration: Durch die Reduktion auf das Wesentliche, ist es für viele Trader einfacher, sich auf die wichtigsten Faktoren im Trading zu konzentrieren.

Große Flexibilität: Price Action Trading ist ein flexibles Konzept, das sich gut an andere Handelsstrategien anpassen lässt.

Flexible Erweiterbarkeit: Price Action Trading ist nicht per se dogmatisch, sondern kann von Tradern nach eigenem Gutdünken durch technische Analysen erweitert werden.

Zeitnahe Handelssignale: Im Gegensatz zu vielen Indikatoren, die nur verzögerte Handelssignale liefern, erfolgen die Signale im Price Action Trading sehr zeitnah.

Keine Kosten: Price Action Trading erfordert lediglich ein einfaches Chartprogramm als Grundlage, was mit keinen Kosten verbunden ist.

Nachteile:

Keine Regeln: Beim Price Action Trading gibt es im Unterschied zu vielen Indikatoren keine vordefinierten Handelsregeln, was besonders bei Anfängern Verunsicherung auslöst.

Hoher Übungsbedarf: Aufgrund fehlender Regeln müssen Trader viel Zeit einplanen, um auf Basis von Price Action Trading eine funktionierende Handelsstrategie zu entwickeln.

Hohe Subjektivität: Die Interpretation von Price Action Trading Signalen ist sehr subjektiv und dementsprechend fehleranfällig.

Fehlende Automatisierungsmöglichkeit: Price Action Trading lässt sich in der Praxis aufgrund der fehlenden Handelsregeln kaum automatisieren.

FAQ –  Price Action Trading

Was ist Price Action Trading?
+
Price Action Trading ist eine Handelsform, bei der versucht wird, aus historischen Kursbewegungen zukünftige Entwicklungen abzuleiten. Im Gegensatz zu anderen Trading-Formen handelt es sich dabei um einen relativ puristischen Ansatz, der weitgehend auf den Einsatz technischer Hilfsmittel verzichtet.
Wie funktioniert Price Action Trading?
+
Price Action Trading basiert in der Praxis ausschließlich auf der Analyse vergangener Preisbewegungen. Durch die Erkennung bestimmter Kursmuster leiten Trader Hinweise auf die zukünftige Preisentwicklung ab. Darüber hinaus spielen auch bestimmte Preiszonen, wie beispielsweise Unterstützungen und Widerstände, eine Rolle im Price Action Trading.
Sind Indikatoren für Price Action Trading wichtig?
+
Dogmatische Vertreter des Price Action Tradings lehnen die Verwendung von Indikatoren grundsätzlich ab. Ihrer Meinung nach bringen sie der Handelsform keinen Mehrwert. Pragmatische Price Action Trader ergänzen hingegen ihre Analysen punktuell durch den Einsatz von Indikatoren.
Welche Faktoren beeinflussen Price Action Trading?
+
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren im Price Action Trading zählen Candlestick-Formationen, Preistrends sowie Unterstützungs- und Widerstandszonen. Price Action Trader fokussieren sich in ihrer Analyse im Wesentlichen auf diese Faktoren.
Ist eine technische Analyse für Price Action Trading notwendig?
+
Eine technische Analyse ist im Price Action Trading grundsätzlich nicht notwendig. Es steht Tradern aber frei, ihre in der Price Action Analyse gewonnenen Erkenntnisse durch eine technische Analyse zu ergänzen bzw. zu überprüfen.
Welche Strategien gibt es für Price Action Trading?
+
In der praktischen Anwendung des Price Action Tradings gibt es zahlreiche mögliche Strategien. Zu den wichtigsten zählen der Hammer, der Shooting Star, das Harami, das Scalping und die Price Trap.
Was ist die beste Strategie für Price Action Trading?
+
Eine beste Strategie fürs Price Action Trading lässt sich nicht pauschal definieren. Alle Strategien haben ihre individuellen Vor- und Nachteile. Zudem ist der Einsatz mancher Strategien nur auf bestimmte Situationen beschränkt.
Welche Märkte sind für Price Action Trading geeignet?
+
Price Action Trading kann in allen Märkten angewandt werden, von Aktien über Forex, Futures, und Kryptowährungen bis zu Rohstoffen. Eine wichtige Voraussetzung für das Price Action Trading ist allerdings eine hohe Liquidität des jeweiligen Marktes bzw. des gehandelten Finanzinstruments.
Welche Risiken gibt es beim Price Action Trading?
+
Größtes Risiko von Price Action Trading ist das Fehlen konkreter Handelsregeln. Das hat zur Folge, dass diese Handelsform stark von der subjektiven Analyse des jeweiligen Traders abhängt. Vor allem für Anfänger stellt dies eine große Herausforderung dar.
Welche Fähigkeiten sind Voraussetzung für Price Action Trading?
+
Zu den wichtigsten Voraussetzungen von Price Action Tradern zählt die Erkennung von Kurszonen, wie beispielsweise Trend-, Widerstands- und Unterstützungslinien. Außerdem sollten Trader in der Lage sein, Kauf- und Verkaufsdruck an den Märkten einzuschätzen. Nicht zuletzt ist Realismus eine der wichtigsten Eigenschaften eines Price Action Traders.
Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

„Egal in welcher Marktphase man sich befindet – mit meinen Strategien kann ich seit über 6 Jahren flexibel im Markt erfolgreich agieren!“

>75% Trefferquote

+6 Jahre Erfahrung

>100K € Jahresgewinn

Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.