Es gibt einige Chart Pattern, die in der Praxis nicht nur häufig vorkommen, sondern auch eine relativ hohe Aussagekraft haben. Zu diesen Mustern gehört die sogenannte „Bullenflagge“.

Die Bull Flag ist als Teil der Flaggen-Formationen ein klassischer Trendfolgeindikator, den Du als Anleger nutzen kannst, um auf eine Fortsetzung eines Aufwärtstrends zu setzen.

Ich erkläre Dir in diesem Beitrag, wie Du sie im Chartbild erkennst und welche Varianten es gibt.

Breakout Trading Bullenflagge technische Analyse
Klassische Bull Flag

Interpretation: Bullische Flags bilden sich, wenn nach einem starken Anstieg Käufer und Verkäufer in einer engen Range handeln und der Kurs anschließend nach oben hin ausbricht. Trotz vorangegangener Konsolidierung haben die Käufer weiterhin starkes Interesse, woraufhin mit einem starken Aufwärtstrend gerechnet werden kann.

Bull Flag Titelbild

Kurzüberblick: Bull Flag

Die Bull Flag ist ein Chartmuster, das sich in einem Aufwärtstrend herausbildet und dessen Fortsetzung nach einer kurzen Kurskonsolidierung vorhersagt.

Bull Flags treten in der Praxis in unterschiedlichen Formen auf, wie zum Beispiel Keilen oder Wimpeln.

Die Qualität von Bull Flags als Handelssignalgeber basiert vor allem auf der Stärke des Trends und dem Kursverlauf innerhalb der Flaggen-Formation.

Bull Flags können auf Wertpapiere in jeder Anlageklasse angewendet werden und sind nicht an einen bestimmten Zeitrahmen geknüpft.

Was ist eine Bull Flag?

Eine Bull Flag, manchmal auf Deutsch auch „Bullenflagge“ genannt, ist ein Chartmuster mit 2 wesentlichen Merkmalen. Zum einen gibt es vor der eigentlichen Flagge einen starken Aufwärtstrend, der charttechnisch den Fahnenmast der Formation darstellt.

Zum anderen kommt es im Anschluss an diesen Aufwärtstrend zu einer Kurskonsolidierung, die zu einem Kursverlauf in einem schräg abwärts gerichteten „Rechteck“ (einem Parallelogramm) führt.

Da dieses Chartmuster einer Flagge ähnelt, wird die gesamte Formation einschließlich des Fahnenmastes „Bull Flag“ genannt.

Bei einer Bull Flag handelt es sich um einen Trendfolgeindikator. Viele Trader gehen davon aus, dass sich der ursprüngliche Aufwärtstrend nach einer zeitlich befristeten Kurskonsolidierung fortsetzen wird.

Das bedeutet, dass der Kurs später nach oben aus der Bullenflagge ausbricht, wie im Beispiel oben dargestellt. Es gibt keine konkreten Vorgaben, wie eine Bull Flag in der Praxis auszusehen hat. Idealerweise basiert eine Bullenflagge aber auf den folgenden 3 Grundprinzipien:

Es gibt einen klar identifizierbaren Aufwärtstrend.

Die obere Begrenzungslinie der Bull Flag verläuft häufig leicht schräg nach unten.

Die Bullenflagge ist nicht so lang, um den bullishen Aufwärtstrend als solchen infrage zu stellen.

So sieht die optimale Bullenflagge aus

Merkmal #1: Das erste Merkmal einer optimalen Bullenflagge ist, dass sich der Kurs des Wertpapiers über dem Exponentiellen Gleitenden Durchschnitt (EMA) mit 20 Perioden befindet. Der EMA ist einer der wichtigsten technischen Trendfolgeindikatoren. Dass der Kurs über dem EMA liegt, signalisiert Dir, dass es sich um einen (nachhaltigen) Aufwärtstrend handelt.

Merkmal #2: Auch beim zweiten Merkmal einer idealen Bull Flag spielt der Exponentielle Gleitende Durchschnitt eine Rolle. Innerhalb der Flaggen-Formation darf sich kein Candlestick (Kursstab) entwickeln, der ein Hoch unterhalb des 20-Perioden EMA aufweist. Solch ein Candlestick-Hoch unterhalb des Gleitenden Durchschnitts stellt ein deutliches Signal für das Ende des Aufwärtstrends dar.

Merkmal #3: Das dritte Merkmal einer Bullenflagge ist, dass der Kurs während seiner Konsolidierungsphase in der Flaggen-Formation mindestens ein Swing High ausbildet. Ohne dieses Swing High wäre die Bull Flag kaum zu erkennen. In der Praxis pendelt der Kurs in einer Bull Flag meist mehrmals zwischen der oberen und unteren Begrenzungslinie auf und auf.

Verschiedene Bullenflaggen-Formationen

Bislang wurde in diesem Text nur eine einzige Form der Bull Flag vorgestellt, und zwar die Standardform mit zwei nach unten gerichteten und parallel verlaufenden Begrenzungslinien.

Diese Standard-Bullenflagge ist aber nicht die einzige in der Praxis anzutreffende Form der Bull Flag. Es gibt sie in gleich mehreren Varianten, die ich im Anschluss kurz vorstelle.

Standard Bull Flag

Die Standard Bull Flag ist die in diesem Beitrag standardmäßig verwendete Bullenflaggen-Formation. Wie im echten Leben hat sie die Form eines Fahnenmastes mit einer herabhängenden, also nach unten geneigten Flagge.

Der Aufwärtstrend zu Beginn des Flaggenmusters stellt den Fahnenmast dar. Im Anschluss kommt es zu einer zeitweiligen Kurskonsolidierung, die im Chart die Form eines nach unten gedrehten „Rechtecks“ (genauer gesagt ein Parallelogramm) hat. 

Während dieser Konsolidierungsphase pendelt der Kurs zwischen den nach unten verlaufenden Begrenzungslinien auf und ab. In Summe ergibt sich innerhalb der Flagge somit eine leichte Abwärtsbewegung. Mit dem Durchbruch des Kurses durch die obere Begrenzungslinie der Standard Bull Flag beginnt der zweite Teil des Aufwärtstrends.

In der Praxis ist eine Standard Bull Flag relativ einfach in einem Chart erkennbar. Selbst Anfänger haben in der Regel kein Problem damit, eine Standard-Bullenflagge auf den ersten Blick zu identifizieren. Aufgrund der Bedeutung dieser Chartformation sind so gut wie alle Chartprogramme in der Lage, die Standard Bull Flag automatisch in einem Chart darzustellen.

Beachte: Die Aussagekraft einer Standard Bull Flag ist im Allgemeinen recht hoch. Trotzdem kann es auch bei diesem Chartmuster selbstverständlich zu Fehlsignalen kommen. Idealerweise verifizierst Du die Aussage einer Bullenflagge immer durch den Einsatz weiterer Indikatoren.

Flat Top Bull Flag

Die Flat Top Bull Flag (Flachdach-Bullenflagge) ist eine Sonderform der Bull Flag. Normalerweise ist eine Bullenflagge schräg nach unten geneigt, da in der Konsolidierungsphase der Kurs eines Wertpapiers in Wellen sinkt.

Bei der Flat Top Bull Flag verläuft die obere Begrenzungslinie der Flagge jedoch nicht schräg, sondern horizontal. Sehr häufig fällt diese Linie auf einen Widerstand, an dem der Kurs eines Wertpapiers mehrfach abprallt.

Die untere Begrenzungslinie einer Flat Top Bull Flag ist in der Regel schräg nach unten geneigt. Das führt dazu, dass die Swings innerhalb der Flaggen-Formation mit der Zeit größer werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Swings kein Ausmaß erreichen sollten, das den gesamten Aufwärtstrend des Kurses infrage stellt.

Wie bei jeder anderen Bull Flag-Formation kommt es am Ende der Flagge zu einem Kursausbruch nach oben und einer Fortsetzung des ursprünglichen Aufwärtstrends.

Beachte: Die Qualität von Flat Top Bull Flags ist in der Praxis umstritten. Zahlreiche Trader, darunter auch ich, vertreten die Auffassung, dass diese Form der Bullenflagge kein besonders gutes Rendite-Risiko-Profil aufweist. Ich empfehle Dir, Deine eigenen Erfahrungen damit zu sammeln, oder gleich von Beginn an nur die Standard Bull Flag zu verwenden.

Ascending Bull Flag

Wie die Flat Top Bull Flag ist auch die Ascending Bull Flag (Aufsteigende Bullenflagge) eine Sonderform der Bull Flag. Normalerweise ist eine Bullenflagge schräg nach unten geneigt, da in der Konsolidierungsphase der Kurs eines Wertpapiers in Wellen sinkt.

Bei der Ascending Bull Flag ist das nicht so. Bei ihr steigt der Kurs während der Konsolidierungsphase an. Im Chart hat eine aufsteigende Bullenflagge in der Regel eine flache obere Begrenzungslinie und eine leicht ansteigende untere Begrenzungslinie. Auch Flaggen, bei denen die obere Linie aufwärtsgerichtet ist, zählen zu den Ascending Bull Flags.

In der Praxis liegt die obere Begrenzungslinie häufig auf dem Niveau eines Widerstands. Während der Konsolidierungsphase schafft es der Kurs mehrfach nicht, diesen Widerstand zu durchbrechen.

Die Korrekturbewegungen nach dem Scheitern am Widerstand werden in der Folge aber immer geringer. Folglich werden die Kursschwankungen innerhalb der Ascending Bull Flag mit der Zeit kleiner.

Gegen Ende der aufsteigenden Bullenflagge gelingt dem Kurs schließlich der Ausbruch aus der Flaggen-Formation und es kommt zu einer Fortsetzung des ursprünglichen Aufwärtstrends.

Beachte: In der Praxis sind Ascending Bull Flags nicht so beliebt wie Standard-Bullenflaggen. Viele Trader, darunter auch ich, sind der Meinung, dass sie ein schwächerer Trendfolgeindikator sind und somit eine geringere Erfolgswahrscheinlichkeit bei Long Trades haben.

Pennant Bull Flag

Im Unterschied zur Standard Bull Flag verlaufen bei der Pennant Bull Flag (Wimpel-Bullenflagge) die beiden Begrenzungslinien nicht parallel, sondern aufeinander zu. Das hat zur Folge, dass die Pennant Flag nicht das Aussehen einer Flagge, sondern eines Wimpels hat (daher der Name).

Die dreieckige Wimpelform hat zur Folge, dass die Kursschwankungen im Verlauf der Konsolidierungsphase immer geringer werden. Gegen Ende des Wimpels gelingt dem Kurs ein Ausbruch aus der Pennant Bull Flag und der ursprüngliche Aufwärtstrend geht weiter.

In der Praxis kann der Kursausbruch zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der Pennant Bull Flag stattfinden. Je nachdem, wie stark die obere und die untere Begrenzungslinie der Flagge geneigt sind, entsteht ein kürzerer oder längerer Wimpel. Du musst mit einem Trade jedoch keinesfalls darauf warten, bis sich die beiden Linien kreuzen und die Wimpelform beendet ist.

Beachte: Die Pennant Bull Flag ist neben der Standard Bull Flag die in der Praxis am häufigsten eingesetzte Flaggen-Formation. Sie hat den Vorteil, dass ihre Form einen spätesten Ausbruchszeitpunkt für den Kurs vorgibt. Spätestens wenn sich die Begrenzungslinien des Wimpels kreuzen, muss der Kurs einen Durchbruch nach oben schaffen, um den Aufwärtstrend fortzusetzen.

Rounded Bull Flag

Die Rounded Bull Flag (Abgerundete Bullenflagge) ist die wohl außergewöhnlichste Form der Bull Flag. Im Gegensatz zu allen anderen Bullenflaggen, bei denen die Begrenzungslinien oben und unten gerade sind, wird die Rounded Bull Flag durch gerundete Kurven begrenzt.

Grund dafür ist, dass diese abgerundete Form den Kursverlauf in der Konsolidierungsphase besser widerspiegelt. Nicht immer halten sich Wertpapierkurse in der Praxis an die geraden Linien einer Flaggen-Formation. Ist das nicht der Fall, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass es sich um keine Bull Flag handelt.

Deshalb gibt es in der Praxis auch Rounded Flags, die eine gekrümmte Flaggenform ermöglichen. Ansonsten ist der Kursverlauf und die Interpretation einer Rounded Flag jedoch ähnlich wie bei allen anderen Bullenflaggen-Formationen.

Auch bei einer Rounded Bull Flag schwankt der Kurs in der Konsolidierungsphase zwischen der oberen und unteren Begrenzungslinie auf und ab. Gelingt dem Kurs schließlich der Durchbruch durch die obere Begrenzung, ist der Weg frei für einen weiteren Kursanstieg.

Beachte: Rounded Bull Flags werden in der Praxis eher selten angewandt. Das liegt vor allem an ihrer charttechnisch schwierigen Interpretation. Nicht mit jeder Chartsoftware ist die Darstellung dieser Sonderform der Bullenflagge möglich.

Vorteile und Nachteile vom Trading mit dem Bullenflaggen-Muster

Vorteile:

Bull Flags können auf alle Wertpapiere in jeder Anlageklasse angewendet werden.

Bullenflaggen sind zeitlich flexibel einsetzbar und eignen sich sowohl für Swingtrader als auch für Daytrader.

Sie sind sehr leicht in Charts erkennbar und damit ein für Anfänger geeigneter Indikator.

In der Praxis treten Bullenflaggen relativ häufig auf.

Bull Flags liefern im Unterschied zu vielen anderen Indikatoren konkrete Handelssignale.

Als Trendfolgeindikatoren zeigen sie zudem eine klare Trendrichtung an.

Bullenflaggen verfügen über mehrere Merkmale, die bei ihrer Identifizierung helfen.

Nachteile:

Bull Flags liefern nicht selten Fehlsignale und garantieren keinen Trading-Erfolg.

Aufgrund der verschiedenen Formationen können Bullenflaggen leicht mit anderen Chartmustern verwechselt werden.

Bullenflagge vs. Rechteck-Muster

In der Praxis tun sich viele Trader schwer damit, die Bullenflagge von einem Rechteck-Muster zu unterscheiden. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die beiden eint mehr Ähnlichkeiten als es Unterschiede gibt.

Sowohl die Bull Flag als auch das Rechteck-Muster entstehen, wenn es als Reaktion auf einen starken Kursanstieg zu einer zeitweiligen Kurskonsolidierung kommt. Beide Chartmuster werden von Trendlinien umrahmt und letztlich handelt es sich auch bei der Bullenflagge um eine Art (schräges) Rechteck (ein Parallelogramm, um genau zu sein).

Der markante Unterschied zwischen der Bullenflagge und dem Rechteck-Muster ist, dass die beiden Begrenzungslinien bei Letzterem horizontal verlaufen. Dahingegen sind die Linien bei einer Standard Bull Flag schräg nach unten geneigt.

Bullenflagge vs. Wimpel

Wie bereits zuvor dargestellt, handelt es sich bei einem Wimpel um eine Sonderform der Bullenflagge. Während die Begrenzungslinien in einer Standard Bull Flag parallel verlaufen, laufen sie bei einem Wimpel aufeinander zu. Sobald sich die beiden Linien kreuzen, bildet der Wimpel eine Dreiecksform.

Der Hauptunterschied zwischen einer klassischen Bullenflagge und einem Wimpel besteht folglich darin, dass die Kursschwankungen während der Konsolidierungsphase in einem Wimpel immer kleiner werden.

Ein Wimpel ist deshalb oftmals ein noch besserer Indikator für einen bevorstehenden Kursausbruch als eine Standard Bull Flag. Die abnehmende Volatilität eines Kurses signalisiert häufig eine Trendwende bei einem Wertpapier. So kommt es in der Praxis häufig schon vor dem Ende eines Wimpels zum Ausbruch und zur Fortsetzung des ursprünglichen Aufwärtstrends.

Volumen-Indikator nutzen, um Bull Flag zu bestätigen

Der Volumen-Indikator spielt eine große Rolle beim Bull Flag Trading, weshalb Du ihn immer zur Bestätigung von Bullenflaggen nutzen solltest. Hintergrund dafür ist, dass die einzelnen Phasen von Bull Flags in der Praxis von bestimmten Handelsvolumina begleitet werden.

Der starke Kursanstieg, der den Beginn einer Bullenflaggen-Formation darstellt, geht in der Regel mit einem hohen Handelsvolumen einher. Die Bullen sind am Drücker und treiben den Kurs eines Wertpapiers durch viele bzw. große Orders nach oben.

Zum Ende des Aufwärtstrends geht den Bullen die Luft aus. Die Handelsvolumina werden kleiner und die Konsolidierungsphase beginnt. Erste Bären setzen auf eine Trendumkehr.

Während der durch die Bullenflagge gekennzeichneten Konsolidierungsphase sind mal die Bären und mal die Bullen am Drücker, was das typische Zickzack-Muster innerhalb der Flagge erklärt. Da beide Parteien nicht stark sind, liegen die Handelsvolumina in der Konsolidierungsphase deutlich unter den Volumina während des anfänglichen Aufwärtstrends.

Das ändert sich mit dem Ausbruch des Kurses aus der Flaggen-Formation. Dieses Ereignis ist ein klares Long-Signal, weshalb die Bullen abermals die Oberhand gewinnen und den Kurs nach oben treiben. Der Kursausbruch aus der Bull Flag geht deshalb fast immer mit einem starken Anstieg des Handelsvolumens einher.

Beachte: Der Volumen-Indikator ist nur ein Hilfswerkzeug und garantiert keinen Erfolg im Bull Flag Trading. In Kombination mit dem Chartmuster erhöht der Indikator aber zweifellos die Wahrscheinlichkeit, dass Du mit einem Trade auf Basis einer Bullenflagge Geld verdienst.

Bullenflagge vs. Bärenflagge

Wie der Name bereits vermuten lässt, ist die Bärenflagge das Pendant zur Bullenflagge in einem Abwärtstrend. Im Unterschied zur Bull Flag stellt ein Abwärtstrend die Basis für eine Bear Flag dar.

Während die Standard Bull Flag gegen den Ursprungstrend nach unten geneigt ist, ist es bei der Bear Flag genau umgekehrt. Sie ist nach oben geneigt.

Bärenflagge mit möglichen Kaufsignalen
Bärenflagge als Gegenstück zur Bullenflagge

Nach einer zeitlich begrenzten Aufwärts-Konsolidierung nähert sich der Kurs in einer Bärenflagge der unteren Begrenzungslinie. Sobald diese durchbrochen ist, setzt sich der anfängliche Abwärtstrend fort.

Auch bei Bärenflaggen lassen sich die gleichen Sonderformen identifizieren wie bei Bullenflaggen. Wie die Standard-Flagge verlaufen auch die Sonderformen spiegelverkehrt zu den jeweiligen Formen der Bullenflaggen.

Das Kursziel bei einer Bärenflagge kannst Du auf die gleiche Weise wie bei einer Bullenflagge bestimmen. Subtrahiere die Länge des ursprünglichen Abwärtstrends vom Durchbruchskurs der Bärenflagge und Du erhältst den Zielkurs für die Trendfortsetzung. Diesen Kurs kannst Du als Zielwert für eine Take Profit-Order heranziehen.

Das Bull Flag Muster und Fibonacci-Retracements

Der in der Praxis schwierigste Aspekt des Bull Flag Tradings ist meiner Meinung nach die Bestimmung des Kursniveaus innerhalb der Bullenflagge, an dem der Kurs seinen Aufwärtstrend fortsetzt. Um dieses Kursniveau zu definieren, eignen sich Fibonacci-Retracements sehr gut.

Fibonacci-Retracements werden von Millionen von Tradern, mich eingeschlossen, zur Identifizierung von Unterstützungen und Widerständen herangezogen. Sie funktionieren selbstverständlich auch in Kombination mit einer Bullenflagge, um zu bestimmen, an welcher Stelle der Kurs abprallen wird und die Phase der Kurskonsolidierung zu Ende ist.

Die Nutzung von Fibonacci-Retracements ist in der Praxis sehr einfach. Nachdem Du eine Bullenflaggen-Formation identifiziert hast, zeichnest Du im nächsten Schritt die Retracements im Chart ein. Diese Aufgabe lässt sich heutzutage mit jedem Chartprogramm erledigen.

Prallt der Kurs am Retracement Level ab, ist das ein guter Indikator für die Fortsetzung des Aufwärtstrends. Durchbricht der Kurs im Anschluss auch die obere Begrenzung der Bull Flag, kannst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Fortsetzung des ursprünglichen Aufwärtstrends ausgehen.

Die Kombination aus dem gehaltenen Widerstand beim Fibonacci Retracement und dem erfolgreichen Durchbruch durch die Flaggen-Formation ist ein klares Long-Signal.

Beachte: Wie die Bull Flag selbst, sind auch Fibonacci Retracements keine Erfolgsgaranten. In der Praxis kommt es nicht selten an Retracement Levels zu Fehlsignalen. Beispielsweise kann der Kurs nach einem ersten Abprallen am Retracement in einem zweiten Anlauf das Retracement Level durchbrechen. Das könnte im Anschluss zu einer Beendigung der Bullenflaggen-Formation führen.

Weitere Tipps zum Bull Flag Muster

Ausbildung des Musters abwarten: Anfänger machen meiner Erfahrung nach häufig den Fehler, zu früh einen Bull Flag Trade zu eröffnen. Für einen erfolgreichen Trade solltest Du immer die vollständige Ausbildung eines Bullenflaggen-Musters abwarten. Konkret heißt das, dass Du erst in den Markt einsteigst, wenn der Kurs die obere Begrenzung der Bull Flag durchbrochen hat. Erst dann ist die Konsolidierungsphase zu Ende und eine Fortsetzung des Ursprungstrends wahrscheinlich.

Signal sollte doppelt bestätigt werden: Wie zuvor dargestellt, kannst Du die Qualität des Chartmusters Bullenflagge durch den Einsatz weiterer Indikatoren erhöhen. Dazu zählen vor allem der Volumen-Indikator und die Fibonacci Retracements. Verhält sich der Volumen-Indikator wie vorhergesagt und prallt der Kurs an einem Retracement Level ab, stehen die Chancen besser, dass es zu einer Fortsetzung des Aufwärtstrends kommt.

Preis geht während des Musters leicht nach unten: Während der Konsolidierungsphase sinkt der Kurs, weshalb viele Trader fälschlicherweise von einer Trendumkehr ausgehen. Wie ich bei den einleitenden Grundprinzipien erwähnt habe, darf die Kurskorrektur in der Bullenflagge nicht so stark sein, dass der Aufwärtstrend als solcher infrage gestellt wird. Der Kurs sollte deshalb während der Konsolidierungsphase nicht mehr als 38% zurückgehen. Ansonsten besteht die große Gefahr, dass sich der ursprüngliche Aufwärtstrend tatsächlich zu einem Abwärtstrend umkehrt.

FAQ – Bull Flag

Was ist eine Bull Flag?
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Eine Bull Flag (Bullenflagge) ist ein charttechnisches Muster, bei dem sich an eine starke Kursrallye eine kurze Konsolidierungsperiode anschließt. Der Name des Chartmusters rührt daher, dass die Kursrallye den Fahnenmast darstellt und das abwärts geneigte Parallelogramm der Kurskonsolidierung die Form einer Flagge hat.
Wie erkenne ich eine Bullenflagge?
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Eine Bullenflagge ist in der Regel relativ einfach in einem Chartmuster zu erkennen. Wichtig ist, dass es sich um einen deutlichen Aufwärtstrend handelt, auf den eine leichte Kurskorrektur folgt. Die obere Trendlinie der Bull Flag verläuft deshalb im Regelfall schräg nach unten. Die Korrektur in der Bullenflagge darf nicht so stark ausfallen, um den bullishen Aufwärtstrend insgesamt infrage zu stellen.
Warum signalisiert die Bullenflagge einen Aufwärtstrend?
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Die eigentliche Bullenflagge ist letztlich nur eine kurze Verschnaufpause innerhalb eines großen Aufwärtstrends. Den Bullen geht zum Ende der ersten Kursrallye die Puste aus, weshalb es zu keinem weiteren Kursanstieg kommt. Allerdings sind die Bären nicht stark genug, um eine Trendumkehr des Kurses zu erzwingen. Nach einer kurzen Konsolidierungsphase, während der es zu einem Hin und Her zwischen Bullen und Bären kommt, gewinnen die Bullen wieder die Oberhand und setzen den Aufwärtstrend fort.
Wie kann ich die Bullenflagge messen?
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Um einen Zielkurs nach dem Ausbruch des Kurses aus der Bullenflagge festzulegen, musst Du die ursprüngliche Aufwärtsbewegung messen. Die Kursdifferenz zwischen dem Hoch und dem Tief der ersten Kursrallye ist ein guter Indikator für das Upside-Potenzial in der zweiten Rallye. Den Zielkurs ermittelst Du folglich, indem Du die errechnete Kursdifferenz zum Kurs des Ausbruchszeitpunkts aus der Bull Flag addierst.
Welche Vorteile bringt das Trading mit Bull Flag Mustern?
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Bull Flag Trading kann in allen Anlageklassen angewandt werden. Darüber hinaus lassen sich Bullenflaggen auch zeitlich sehr flexibel einsetzen, was sie sowohl für Daytrader als auch für Swingtrader geeignet macht. Nicht zuletzt eignen sich Bull Flag Muster aufgrund ihrer relativ leichten Identifizierung auch gut für Trading-Neulinge.
Was sind die größten Risiken bei einer Bullenflagge?
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Das größte Risiko einer Bullenflagge ist, dass das Chartmuster ein Fehlsignal liefert. Nicht immer stellt sich die Bull Flag als korrekter Trendfolgeindikator heraus. In einigen Fällen kommt es auch zu einer Trendumkehr, die Trader auf dem falschen Fuß erwischt. Deshalb gilt es auch bei Bullenflaggen, das Risiko über einen Stop Loss von vornherein zu begrenzen.
Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

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Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.