Die Bollinger Bänder, von John Bollinger in den 1980er Jahren entwickelt, zählen zu den beliebten Trading Indikatoren und lassen sich auf viele Märkte anwenden.

Da sie durch ihre Schwankungsbreite auch die Volatilität anzeigen, sind Bollinger Bänder beim Trading sehr vorteilhaft, um potenzielle Kursbewegungen besser einschätzen zu können.

Nach diesem Artikel besitzt Du alle Grundkenntnisse über Bollinger Bänder. Du lernst ihre Funktionsweise kennen, wie sie zu interpretieren sind und ich gebe Dir eine interessante Bollinger Bänder Strategie mit auf den Weg.

Bollinger Bänder

Kurzüberblick: Bollinger Bänder

Die Bollinger Bänder bestehen aus 3 Linien – einer Mittellinie, die den gleitenden Durchschnitt darstellt, und 2 Bändern, welche die Volatilität des Marktes anzeigen.

Diese Bänder reagieren auf Kursbewegungen: Bei erhöhter Volatilität weiten sie sich aus, bei geringer Volatilität ziehen sie sich zusammen.

Die Standardkonfiguration verwendet einen 20-Tage-SMA als Mittellinie und zwei Standardabweichungen für die Bänder.

Überkreuzungen von Kursen mit den Bändern können potenzielle Einstiegs- oder Ausstiegspunkte signalisieren.

Was sind Bollinger Bänder?

Bollinger Bänder sind Volatilitätsbänder. Sie werden durch das Hinzufügen und Subtrahieren der Standardabweichung des Kurses von der Mittellinie erzeugt. Sie dienen dazu, die Schwankungsbreite des Kurses um den gleitenden Durchschnitt herum aufzuzeigen. Die Breite der Bänder passt sich der Volatilität des Marktes an.

Bollinger Bänder Erklärung mit Schwankungsbreite
Schwankungsbreite bei Bollinger Bänder

Aus statistischer Sicht liegen 99,7% der Kursbewegungen innerhalb der Bollinger Bänder, wenn man die 3-fache Standardabweichung nutzt. Dies beruht auf der Eigenschaft der Standardabweichung, die den Großteil der Daten in einem normalverteilten Datensatz umfasst.

Dieses Konzept verdeutlicht, dass Kursbewegungen außerhalb der Bänder als potenziell signifikante Abweichungen von der Normalität angesehen werden können und oft als Anzeichen für bevorstehende Kursbewegungen interpretiert werden.

Übrigens: Standardmäßig wird beim Bollinger Band die 2-fache Standardabweichung genutzt, wobei mit 95,4% Wahrscheinlichkeit der Kurs innerhalb der Bänder schließt.

5 Bollinger Bänder Strategien: Wie nutze ich sie beim Trading?

Die ursprüngliche Idee von John Bollinger bei der Entwicklung der Bollinger Bänder war simpel: Die Einschätzung, ob ein Wertpapier im aktuellen Zeitpunkt vergleichsweise günstig oder teuer ist. Aus dieser simplen Annahme heraus entstanden im Laufe der Zeit diverse Strategien, die auf den Bollinger Bändern basieren.

Aufgrund der Anpassungsfähigkeit dieser Indikatoren an die Marktvolatilität ist es möglich, nicht nur potenzielle Kauf- oder Verkaufspunkte zu identifizieren, sondern auch Trends, Volatilitätsschwankungen und potenzielle Umkehrungen zu erkennen.

Strategie #1: Der Bollinger-Squeeze

Die ‚Bollinger-Squeeze-Strategie‘ basiert auf der Erkenntnis, dass der Markt Volatilitätszyklen unterliegt, wechselnd zwischen Phasen mit hoher und niedriger Volatilität. Ziel dieser Bollinger Bänder Strategie ist es, Phasen geringer Volatilität zu identifizieren und sich für die kommende erhöhte Volatilität zu positionieren.

Bollinger Squeeze
Bollinger Squeeze

Der Abstand zwischen den Bollinger Bändern, auch als „Bollinger Bands Width“ Indikator bekannt, spiegelt die Volatilität wider. John Bollinger selbst nutzte diese Strategie und postulierte, dass ein neues 6-Monats-Tief in der Bollinger Band Breite ein potenzielles Set-up signalisiert. Da ein Monat durchschnittlich etwa 22 Handelstage hat, entspricht ein 130-Tage-Tief dieser Idee.

Nach Erreichen eines 6-Monats-Tiefs wird nach einem Handelssignal Ausschau gehalten: Ein Long-Signal entsteht, wenn eine Kerze über dem oberen Band schließt, während ein Short-Signal auftritt, wenn der Kurs unterhalb des unteren Bandes schließt.

Schritt für Schritt: So gehe ich bei der Bollinger Squeeze Strategie vor

1

Periode geringer Volatilität identifizieren

Ich schaue zunächst nach Zeiträumen, in denen die Bollinger Bänder eng beieinander liegen, da hier meist eine geringe Volatilität den Markt beherrscht.

Damit schaffe ich die Grundlage für die Anwendung der ‚Bollinger-Squeeze-Strategie‘.

2

„Bollinger Bands Width“ Indikator überwachen

Anschließend berechne ich die Bollinger Bands Width, die den Abstand zwischen den Bollinger Bändern repräsentiert.

Ist ein 6-Monats-Tief in der Bands Width erkennbar, ist eine bevorstehend Phase mit erhöhter Volatilität recht wahrscheinlich.

3

Handelssignale prüfen

Danach achte ich darauf, ob sich nach dem 6-Monats-Tief eventuell Handelssignale ergeben.

Sofern eine Kerze über dem oberen Bollinger Band schließt, gehe ich long, weil das darauf hindeutet, dass ein Aufwärtstrend folgt.

Ich gehe short, sofern der Kurs unterhalb des unteren Bollinger Bands schließt, da im weiteren Verlauf eine Abwärtsbewegung wahrscheinlich ist.

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Price Action analysieren

Sofern sich ein solches Handelssignal ergibt, ist es Zeit die Price Action zu analysieren. Phasen geringer Volatilität treten häufig nach Seitwärtsbewegungen auf.

Bekomme ich gemäß Schritt 3 ein Long-Signal nach einer Seitwärtsphase, schaue ich mir die Candlesticks genauer an. Treten bearishe Kerzen auf, dann ist das Signal weniger zuverlässig.

Beim Short-Signal nach der Seitwärtsphase, achte ich hingegen darauf, ob bullishe Kerzen auftreten – sie würden mein Vertrauen in das Signal deutlich reduzieren. Bearishe Kerzen hingegen, können das Short-Signal bestätigen.

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Fundamentaldaten & Nachrichten prüfen

Zwar basiert die Bollinger Squeeze Strategie in erster Linie auf der technischen Analyse. Besonders bei längerfristigen Investments ist dieser Punkt allerdings besonders wichtig.

Zunächst schaue ich in den Wirtschaftskalender und bei Aktien prüfe ich noch einmal die Unternehmensnachrichten. Politische Ereignisse und Entwicklungen, Zinsentscheidungen und Rohstoffpreise können je nach Markt ebenfalls relevant sein.

6

Positionseröffnung

Ergibt sich ein Long- oder Short-Signal mit anschließender Bestätigung, eröffne ich entsprechend die passende Position.

Sollte ich long gehen, wird der Take-Profit auf einem Punkt gesetzt, an dem sich der Kurs in Richtung des oberen Bands deutlich bewegt hat. Den Stop-Loss setze ich dann etwas unterhalb vom unteren Band.

Bei short ist ein Take-Profit an einem Punkt im Chart sinnvoll, an dem sich der Kurs in Richtung des unteren Bands signifikant bewegte. Um mich abzusichern, wird der Stop-Loss etwas über dem oberen Band gesetzt.

Bezüglich Risikomanagement dient dieser Schritt nur der groben Orientierung. Häufig beachte ich in diesem Zusammenhang vorherige Unterstützungszonen oder Pivot-Punkte. Außerdem ist die Festlegung von Take-Profit und Stop-Loss auch eine sehr individuelle Geschichte.

7

Markt kontinuierlich überwachen

Anschließend beobachte ich den Markt und insbesondere die Veränderung der Volatilität, welche eine zukünftige Trendbewegung zur Folge haben könnte.

Gehen die Bollinger Bänder nach der Positionseröffnung deutlich auseinander, werte ich das zunächst als positiv, da sich die Volatilität nun wie gewünscht erhöht und die zunehmende Trendstärke nun sehr wahrscheinlich ist.

Sollten sich die Bollinger Bänder dennoch weiter zusammenziehen, setzt sich der Seitwärtstrend möglicherweise zunächst fort, weil die Volatilität weiter abnimmt.

Wenn der Markt gegen mich läuft, schließe ich die Position manuell. Das könnte zum Beispiel auftreten, wenn die Bestätigung gemäß Punkt 4 nicht ausreichend signifikant war oder andere unvorhergesehene Marktereignisse durch Nachrichten ausgelöst werden.

Es ist entscheidend, solche Signale nicht blind umzusetzen, sondern die Price Action ausführlich zu berücksichtigen. Phasen geringer Volatilität treten oft nach Seitwärtsbewegungen auf.

Ein Long-Signal nach einer Seitwärtsphase mit vorherrschenden bearishen Kerzen und weniger bullishen Kerzen könnte weniger zuverlässig sein, während ein Short-Signal möglicherweise prägnanter ist. Es ist entsprechend wichtig, dass Du die Signale im Kontext des Marktverhaltens interpretierst.

Beachte: Die Squeeze Strategie ist sehr einfach umzusetzen und vor allem für Anfänger daher super geeignet. Signale treten meiner Erfahrung nach allerdings etwas selten auf, weswegen Du entweder viel Geduld mitbringen solltest oder bei vielen Assets nach Set-Ups suchen musst.

Strategie #2: Bollinger Bänder + MACD

Die Bollinger Bänder + MACD-Strategie kombiniert 2 Indikatoren, um Handelssignale zu verstärken. Hierbei bleiben die Standardeinstellungen für den MACD unverändert, während bei den Bollinger Bändern der mittlere Gleitdurchschnitt auf die Periode 12 reduziert wird und die Standardabweichung von k=2 erhalten bleibt. Durch diese Anpassung liegen die Bollinger Bänder näher  am aktuellen Kurs.

Ein Long-Signal ergibt sich, wenn die MACD-Linie über der Signallinie sowie über der Nulllinie im MACD-Histogramm verläuft. In diesem Fall kann eine Stop-Buy-Order am oberen Bollinger Band platziert werden. Diese Taktik zielt darauf ab, frühzeitig auf einen möglichen Aufwärtstrend aufzuspringen und zu Beginn des Trends im Markt zu sein.

Bollinger Bänder + MACD Screenshot
Bollinger Bänder + MACD Linie

Ein Short-Signal tritt auf, wenn die MACD-Linie unter der Signallinie sowie unter der Nulllinie liegt. Hier kann eine Sell-Stop-Order am unteren Bollinger Band platziert werden.

Diese Strategie kann auch funktionieren, wenn nur die MACD-Linie über bzw. unter der Signallinie liegt und die Nulllinie ignoriert wird. Ich habe jedoch festgestellt, dass das Hinzufügen der Nulllinie die Signalstärke erhöht und zu einer höheren Trefferquote führt. Das Einbeziehen der Nulllinie verbessert die Genauigkeit der Signale.

Beachte: Die Trading Strategie scheint auf dem ersten Blick der grundlegenden Anwendung des MACD zu gleichen, ist es aber nicht ganz. Beim reinen MACD-Trading versucht man bei Kreuzung der MACD-Linie sowie der Signal-Linie einen Einstieg zu finden, wobei dies hier nicht der Fall ist.

Strategie #3: Gimmee-Kursstab

Die Gimmee-Kursstab-Strategie basiert auf der Annahme, dass eine Seitwärtsphase tendenziell weiter anhält, anstatt auszubrechen, und dass diese Phase normalerweise innerhalb der Bollinger Bänder verbleibt.

In der Regel markiert die obere Bollinger-Band-Linie das obere Range-Ende, während die untere Bollinger-Band-Linie das untere Ende des Ranges markiert.

Gimmee Kursstab
Gimmee Kursstab

Diese Strategie verbindet die Bollinger Bänder mit der Price Action und Signale entstehen während Seitwärtsbewegungen. Ein Long-Signal bildet sich, wenn der Kurs in einer Seitwärtsphase zum unteren Bollinger Band tendiert.

Dabei, wenn der Kurs das untere Bollinger Band erreicht und eine bullische Kerze entsteht (Schlusskurs über dem Eröffnungskurs), entsteht eine sogenannte „Gimmee Bar“ – ein Long-Signal.

Der Stop-Loss kann unterhalb des vorherigen Kerzentiefs platziert werden. Sollte die Signalkerze bis zur mittleren Bollinger-Band-Linie reichen, verliert das Signal an Stärke, da diese Linie oft als erster Widerstand fungiert.

Ein Short-Signal entsteht entsprechend, wenn der Kurs in einer Seitwärtsphase zum oberen Bollinger Band tendiert und dort eine bärische Kerze bildet. Der Stop-Loss kann über dem vorherigen Kerzenhoch platziert werden.

Das Signal wird ungültig, wenn die bärische Kerze die mittlere Bollinger-Band-Linie erreicht, da diese oft als erster Widerstand fungiert.

Beachte: Auf den ersten Blick klingt die Strategie komplex, da man sich nicht blind auf einen Indikator verlassen kann, sondern auch noch die Price Action beachten muss. In der Praxis reicht allerdings ein reines Verständnis darüber, ob eine Kerze einen grünen (=bullische Kerze) oder einen roten Kerzenkörper (=bärische Kerze) hat.

Strategie #4: Double Top / Double Bottom mit Bollinger Bändern

Die Double-Top/Double-Bottom-Strategie mit Bollinger Bändern kombiniert die Bänder mit der Price Action. Das mittlere Bollinger Band bleibt bei der Standardperiode von 20, ebenso wie die typische 2-fache Standardabweichung genutzt wird.

Bollinger Bänder Double Top
Bollinger Bänder Double Top

Um diese Strategie umzusetzen, suchst Du zunächst im Linienchart nach einem Double Bottom oder Double Top, wobei es ein paar Regeln zu beachten gibt: Bei einem Doppelboden muss das erste Tief außerhalb der Bollinger Bänder schließen und das zweite Tief minimal tiefer sein als das erste, jedoch innerhalb der Bänder liegen.

Nachdem das Muster im Linienchart bestätigt ist, wechselst Du zum Kerzenchart zurück, um anhand der Price Action einen Long-Einstieg zu finden.

Bollinger Bänder Double Bottom
Bollinger Bänder Double Bottom

Ein Short-Signal nach einem Doppeltop funktioniert ähnlich. Das erste Hoch im Linienchart sollte außerhalb der Bänder liegen, während das zweite Hoch minimal höher, aber innerhalb der Bänder schließt. Ein Short-Einstieg kann dann im Candlestick-Chart basierend auf der Price Action gesucht werden.

Diese Bollinger Bänder Strategie basiert auf der Identifizierung von Umkehrformationen im Chart und der anschließenden Bestätigung durch die Price Action. Durch die Kombination der Bollinger Bänder mit der Interpretation der Preisbewegungen können potenzielle Trendumkehrpunkte erkannt werden.

Es ist wichtig, dass Du die Signale durch die Price Action bestätigst, um eine höhere Zuverlässigkeit der Handelssignale zu gewährleisten!

Beachte: Der Wechsel zwischen Linienchart und Kerzenchart scheint auf den ersten Blick merkwürdig. Backtests haben allerdings gezeigt, dass es am besten ist, wenn man das Doppeltop bzw. Doppelbottom rein anhand der Schlusskurse identifiziert, anstatt auf weitere Kerzenschatten zu achten. Da der Linienchart aus Schlusskursen gebildet wird, bietet sich dieser hervorragend an.

Strategie #5: Ausbruch aus Bollinger Bändern bei erhöhtem Volumen

Die Ausbruchsstrategie aus den Bollinger Bändern ähnelt den üblichen Breakout Strategien. Wie bereits erläutert fungieren die Bollinger Bänder oft als Grenzen von Seitwärtsphasen. Entsprechend kannst Du Ausbrüche aus diesen Bändern ähnlich wie Ausbrüche aus diesen Handelsspannen traden.

Ein Long-Ausbruch geschieht, wenn eine Kerze über dem oberen Band schließt, während ein Short-Signal bei einem Schlusskurs unterhalb des unteren Bollinger Bands generiert wird.

Ausbruch Bollinger Bänder mit erhöhtem Volumen
Ausbruch aus Bollinger Bänder mit erhöhtem Volumen

Da Ausbrüche stets die Gefahr eines Fehlsignals mit sich tragen, beachtet die Strategie zusätzlich noch das Trading Volumen. Ein höheres Volumen beim Ausbruch deutet auf einen wahrscheinlichen echten Ausbruch hin, während niedriges Volumen ein Fehlsignal anzeigen könnte.

Als Maßstab gilt ein Volumen von mindestens 1,2-fachem des durchschnittlichen Handelsvolumens. Dieses kannst Du Dir ganz einfach in Deiner Chartsoftware anzeigen lassen.

Die Kombination des Signals mit der entsprechenden Price Action verbessert die Verlässlichkeit des Ausbruchs. Ein Long-Ausbruch, begleitet von einer starken bullischen Kerze, wird als solider betrachtet als ein Ausbruch, der von einer Doji Kerze begleitet wird. Dies bietet Dir eine zusätzliche Bestätigung für einen möglichen Trade-Einstieg.

Beachte: Das Handeln von Ausbrüchen ist stets von der Gefahr eines Fehlsignals begleitet. Für Anfänger würde ich diese Strategie entsprechend nicht empfehlen. Wenn Du allerdings bereits etwas fortgeschrittener bist und ein gutes Verständnis über Price Action aufgebaut hast, dann könnte diese Strategie interessant für Dich sein.

Was genau verraten die Bollinger Bänder beim Trading?

Die Bollinger Bänder bieten Dir wichtige Einblicke in die Marktvolatilität und potenzielle Wendepunkte. Die oberen und unteren Bänder repräsentieren statistische Grenzen, die etwa 95% der Kursbewegungen abdecken. Das mittlere Band, ein einfacher gleitender Durchschnitt, zeigt den mittleren Kursverlauf.

Wenn der Kurs die oberen oder unteren Bänder erreicht, signalisiert Dir dies potenzielle überkaufte oder überverkaufte Marktbedingungen. Ein enger Abstand zwischen den Bändern deutet auf eine geringe Volatilität hin, während ein weiter Abstand auf eine höhere Volatilität hindeutet.

Hinweis: Eine plötzliche Ausdehnung der Bänder kann auf bevorstehende Trendänderungen hinweisen.

Der Durchbruch durch eines der Bänder kann als Ausbruchssignal dienen, wobei hohe Volumina die Zuverlässigkeit des Signals erhöhen. Bollinger Bänder helfen Dir übrigens auch dabei, mögliche Unterstützungs- und Widerstandsniveaus zu erkennen, indem sie die Spanne des normalen Kursverlaufs definieren.

Wenn Du Bollinger Bänder mit einem Grundverständnis über Price Action oder anderen Indikatoren kombinierst, kannst Du eine verlässliche Trading Strategie bauen. Das schöne hierbei: Mit hoher Wahrscheinlichkeit kannst Du sehr replizierbare Trade Set-Ups finden, welche das Fundament für einen guten Backtest und eine nachhaltig profitable Strategie sind. 

Beachte: Bollinger Bänder zeigen Dir einen Bereich, in dem der Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit verläuft. Dies zu verstehen ist vor allem für Dich wichtig, wenn Du beispielsweise als Reversal Trader handeln möchtest. Vor allem in Seitwärtsphasen sind die Bollinger Bänder ein sehr starkes Tool!

Bollinger Bänder berechnen

Die Berechnung der Bollinger Bänder basiert auf statistischen Konzepten und besteht aus 3 Linien. Zunächst wird der Mittelwert berechnet, oft über 20 Perioden, was das mittlere Bollinger Band ergibt. Dieser Mittelwert repräsentiert den gleitenden Durchschnitt des Kurses.

Bollinger Bänder berechnen
Bollinger Bänder berechnen

Die oberen und unteren Bänder sind um diesen mittleren Band herum positioniert und entsprechen der Standardabweichung des Kurses. Die meisten Charting-Plattformen verwenden in der Regel das 2-Sigma-Modell für die Standardabweichung.

Das bedeutet, dass die oberen und unteren Bänder 2 Standardabweichungen des Kurses vom mittleren Band entfernt sind.

Die Formel für die oberen Bänder lautet: Mittelwert + (2 * Standardabweichung). 

Die Formel für die unteren Bänder ist: Mittelwert – (2 * Standardabweichung).

Hinweis: Beachte, dass andere Trader auch andere Multiplikatoren für die Standardabweichung verwenden können, je nach individueller Risikobereitschaft und den Marktkonditionen.

Das Bollinger Band wird mit neueren Kursdaten stets aktualisiert. Sprich wird eine neue Kerze beendet, dann fließt diese nun in die Berechnung ein, während die Kerze von nun vor 21 Perioden aus der Berechnung rausfliegt. Wenn die Volatilität steigt oder fällt, weiten oder verengen sich die Bänder entsprechend.

Beachte: Die Berechnung funktioniert in allen Zeiteinheiten und bei allen Assets gleich. Beachte jedoch, dass sich die Bollinger Bänder vor allem in kleinen Zeiteinheiten sehr schnell verändern und viele Signale liefern.  Ich würde Dir raten, die Bollinger Bänder vor allem auf Tageschartbasis anzuwenden.

Bollinger Bänder Vor- und Nachteile

Vorteile:

Bollinger Bänder bieten visuelle Anhaltspunkte für die Volatilität.

Die Bänder dienen als potenzielle Unterstützungs- und Widerstandsniveaus.

Die Kombination mit anderen Indikatoren kann deren Effektivität verstärken und Strategie erzeugen.

Die Bänder helfen bei der Identifizierung von überkauften und überverkauften Märkten.

Das Konzept der Bollinger Bänder basiert auf einem nachweislich handfesten statistischen Ansatz.

Der Indikator ist in allen Zeiteinheiten und allen Assets gleich anwendbar.

Nachteile:

Fehlausbrüche können zu falschen Handelssignalen führen.

Es kann schwierig sein, eine klare Richtung oder Trendwende ausschließlich anhand der Bollinger Bänder zu identifizieren.

Wie interpretiert man Price Action mithilfe von Bollinger Bändern?

Die Price Action Analyse (anhand von Kerzenmustern) ist eine grundlegende Technik im Trading. Bollinger Bänder fügen dieser Analyse eine zusätzliche Dimension hinzu: Sie bieten nicht nur Unterstützung und Widerstand, sondern dienen Dir auch als Hinweis darauf, ob der Markt günstige Trading-Chancen bietet.

Bollinger Bänder und Price Action
Bollinger Bänder und Price Action

Je nach Kontext können die Bollinger Bänder Dir unterschiedliche Indizien über den Markt geben. Nehmen wir zum Beispiel eine Hammerkerze. Wenn sie sich in einem breiten Bollinger Band zeigt, könnte sie auf eine signifikante Trendumkehr hindeuten.

Warum? Weil in einem breiten Band die Volatilität höher ist, was bedeutet, dass diese Hammerkerze eine möglicherweise starke Aussage über den Markt macht.

Im Gegensatz dazu, wenn eine Hammerkerze in einem engen Bollinger Band auftritt, signalisiert sie möglicherweise weniger. In solchen Phasen, in denen die Bänder eng sind, ist die Volatilität geringer, und einzelne Kerzenmuster haben möglicherweise weniger Aussagekraft über zukünftige Kursbewegungen.

Hinweis: In der Praxis bieten Dir die Bollinger Bänder also nicht nur eine Bestätigung für die Price Action, sondern sie bewerten auch die Bedeutung dieser Muster im Kontext der aktuellen Marktvolatilität. Dadurch helfen sie Dir, Kerzenmuster besser zu interpretieren und bestenfalls cleverere Handelsentscheidungen zu treffen.

1. Kursbewegungen tendieren dazu, an den Bollinger Bändern anzudocken und möglicherweise Umkehrungen zu zeigen

Etwa 95% der Kursbewegungen liegen innerhalb dieser Bänder. Wenn der Kurs jedoch an den Rändern dieser Bänder ankommt, besteht entsprechend statistisch gesehen eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass er sich zurück in Richtung der Mitte bewegt, anstatt über die Bänder hinaus zu gehen.

Umkehrung Bollinger Bänder
Potenzielle Umkehrung

Diese Tendenz, an den Bändern anzudocken, bietet Dir die Möglichkeit, potenzielle Umkehrungen oder Fortsetzungen der Kursbewegungen zu erkennen. Kerzenmuster wie das Engulfing Pattern oder Hammerkerzen in der Nähe des Randes der Bänder könnten auf bevorstehende Kursveränderungen hinweisen.

Durch das Verständnis der Price Action in Verbindung mit den Bollinger Bändern kannst Du Ein- und Ausstiegspunkte identifizieren, wobei Du Dein Stop-Loss-Level knapp außerhalb der Bänder setzen solltest, um Risiken zu begrenzen.

Beachte: Wenn Du einmal verstanden hast wie die Bollinger Bänder aufgebaut sind und auf wessen statistischer Grundlage sie bestehen, kannst Du ganz einfach Signale daraus herleiten. Ich rate Dir hierbei allerdings nicht blind auf die Bänder zu achten, sondern immer auch auf die Price Action, denn nur die gibt letztendlich ein finales Signal!

2. Das Entstehen einer Kursbewegung außerhalb der Bollinger Bänder markiert potenziell starke Abweichungen oder Ausreißer

Ein Ausbruch aus den Bollinger Bändern ist ein seltenes Ereignis, das 2 verschiedene Handelsszenarien signalisieren kann. Einerseits deutet ein solcher Ausbruch darauf hin, dass der Kurs übermäßig in eine Richtung gelaufen ist und möglicherweise eine Umkehrung bevorstehen könnte. Andererseits signalisiert er eine relative Stärke in dieser Richtung, die sich fortsetzen könnte.

Kursbewegung außerhalb der Bollinger Bänder
Kursbewegung außerhalb der Bollinger Bänder

Die entscheidende Unterscheidung zwischen diesen beiden Szenarien liegt in der Price Action. Wenn der Kurs mit überwiegend starken Körperkerzen aus den Bändern ausbricht, was auf eine Dominanz in diese Richtung hindeutet, ist eine Fortsetzung dieser Bewegung wahrscheinlich.

Hingegen weisen Hammerkerzen oder Dojis beim Ausbruch aus den Bändern eher auf eine mögliche Umkehrung hin. Diese Kerzenmuster signalisieren Dir potenzielle Unsicherheit oder Umkehrpunkte im Marktgeschehen.

Es ist daher wichtig, dass Du die Art der Kerzenmuster analysierst, um zu bestimmen, ob der Ausbruch einen Fortbestand der Bewegung oder eine mögliche Trendumkehr signalisiert.

Beachte: Wie überall in der technischen Analyse gilt auch bei den Bollinger Bändern: Hier ist viel Raum für Interpretation. Entsprechend solltest Du Dich bei Ausbrüchen aus den Bändern genauestens auf die Price Action fokussieren, um herauszufinden, ob der Ausbruch von Stärke unterstützt wird oder zum Scheitern verurteilt ist.

Kombiniere Bollinger Bänder mit anderen Indikatoren

Die Flexibilität und Interpretationsvielfalt der Bollinger Bänder hat zur Entwicklung weiterer Indikatoren geführt, um ihre Aussagekraft in verschiedenen Marktbedingungen zu unterstützen.

Neben den direkt auf den Bollinger Bändern basierenden Indikatoren bieten sich Kombinationen mit anderen beliebten Instrumenten wie dem Moving Average Convergence Divergence (MACD) oder dem Relative Strength Index (RSI) an.

Diese Indikatoren können die Signalgebung der Bollinger Bänder bestätigen, um mögliche Trading Signale mit höherer Trefferwahrscheinlichkeit zu generieren.

Bollinger Bänder mit anderen Indikator
Bollinger Bänder mit anderen Indikatoren kombinieren

BandWidth (BW): Die BandWidth (BW) ist ein Indikator, der auf der Differenz zwischen den oberen und unteren Bollinger Bändern basiert. Er misst die Breite der Bänder und gibt Aufschluss über die Volatilität des Marktes. Ein Anstieg der Bandbreite deutet auf eine Zunahme der Volatilität hin, während ein Rückgang auf eine mögliche Ruhephase oder eine geringere Bewegung des Kurses hindeutet.

%B Indikator: Der %B Indikator nutzt die Bollinger Bänder, um das Verhältnis des aktuellen Kurses zum oberen oder unteren Band auszudrücken. Er gibt an, wo sich der aktuelle Kurs innerhalb der Bänder befindet und signalisiert mögliche Überkauft- oder Überverkauft-Situationen. Werte über 1 weisen auf eine Position über dem oberen Band hin, während Werte unter 0 eine Position unter dem unteren Band anzeigen

BBTrend Indikator: Der BBTrend Indikator kombiniert die Bollinger Bänder mit Trendanalysemethoden, um potenzielle Trendwendepunkte oder -fortsetzungen zu identifizieren. Er basiert auf der Interpretation des Abstands zwischen dem aktuellen Kurs und den Bändern, um Aufschluss über die Stärke und Richtung des vorherrschenden Trends zu geben. Ein enger Kontakt mit den Bändern weist auf eine starke Trendbewegung hin, während eine Divergenz auf eine mögliche Trendumkehr deuten kann.

Welche Grenzen/Limitierungen gibt es bei der Analyse mit Bollinger Bändern

Die Nutzung von Bollinger Bändern in der Analyse birgt gewisse Limitierungen, die es zu berücksichtigen gilt. Ein signifikanter Aspekt ist die zeitliche Verzögerung, da sie auf vergangene Kursdaten basieren. Dadurch neigen sie dazu, Signale verzögert zu generieren, was für Trader, die auf schnelle Marktbewegungen angewiesen sind, hinderlich sein kann.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft oft Anfänger, die dazu tendieren, das obere Band als Verkaufssignal und das untere Band als Kaufsignal zu betrachten. Dieser Ansatz kann in Seitwärtsphasen erfolgreich sein, aber in starken Trendphasen kann dies zu erheblichen Verlusten führen.

Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die Bollinger Bänder im Kontext des gesamten Marktes zu interpretieren.

Bollinger Grenzen Limitierungen
Bollinger Grenzen Limitierungen

Des Weiteren haben Bollinger Bänder ähnliche Probleme wie der einfache gleitende Durchschnitt (SMA), da dieser die Basis des Indikators bildet. Die gleichmäßige Gewichtung der Perioden führt zur zeitlichen Verzögerung des Signals, was zu Fehlinterpretationen oder verpassten Gelegenheiten führen kann, insbesondere wenn schnelle Reaktionen gefragt sind. 

Diese Kritikpunkte unterstreichen, dass die alleinige Verwendung von Bollinger Bändern für eine fundierte Handelsentscheidung möglicherweise nicht ausreicht. Es erfordert ein ganzheitliches Verständnis des Marktes sowie die Kombination mit anderen Analysemethoden, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Beachte: Die Bollinger Bänder sind ein sehr anfängerfreundliches Tool, haben aber einige Probleme mit sich. Das Hauptproblem ist wie bei allen Indikatoren die Zeitverzögern sowie die mögliche Fehlinterpretation, wenn Du Dich nur auf den Indikator selbst verlässt. 

FAQ – Bollinger Bänder

Was sind Bollinger Bänder?
+
Bollinger Bänder sind ein technischer Indikator, der die Volatilität eines Finanzinstruments misst. Sie bestehen aus einem gleitenden Durchschnitt sowie oberen und unteren Bändern, die die Kursbewegungen umrahmen.
Wie nutze ich Bollinger Bänder beim Trading?
+
Bollinger Bänder helfen, potenzielle Kauf- und Verkaufspunkte zu identifizieren. Berührungen der Bänder können auf Wendepunkte hindeuten, während Ausbrüche aus den Bändern starke Trendbewegungen anzeigen könnten.
Wie werden Bollinger Bänder berechnet und welche Parameter beeinflussen sie?
+
Die Bänder basieren auf einem gleitenden Durchschnitt und der Standardabweichung der Kursdaten. Sie reagieren auf Veränderungen der Volatilität, wobei die Standardabweichung eine Schlüsselrolle spielt.
Welche Signale liefern Bollinger Bänder beim Trading?
+
Berührungen oder Ausbrüche der Kursbewegung mit den Bändern können auf potenzielle Umkehrungen oder Fortsetzungen der Trends hinweisen.
Welche Bedeutung haben Berührungen der Kursbewegung mit den Bollinger Bändern?
+
Berührungen der Kursbewegung mit den Bändern können Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus darstellen und auf potenzielle Wendepunkte im Markt hinweisen.
Wie werden Volatilität und Bandbreite anhand der Bollinger Bänder analysiert?
+
Die Breite der Bänder spiegelt die Volatilität wider. Eine größere Bandbreite deutet auf höhere Volatilität hin, während eine engere Bandbreite auf geringere Volatilität hinweist.
Wie werden Fehlsignale oder Ausreißer bei Bollinger Bändern erkannt?
+
Ausreißer oder Fehlsignale können auftreten, wenn der Kurs zu lange außerhalb der Bänder bleibt. Auch eine plötzliche Bewegung außerhalb der Bänder ohne entsprechendes Volumen kann darauf hinweisen.
Kann man Bollinger Bänder mit anderen Indikatoren kombinieren?
+
Ja, sie können mit anderen Indikatoren wie MACD oder RSI kombiniert werden, um bestätigende Signale zu erhalten und die Genauigkeit der Analyse zu verbessern.
Welche Zeitrahmen sind für die Anwendung von Bollinger Bändern besonders relevant?
+
Bollinger Bänder können auf verschiedenen Zeitskalen angewendet werden, aber in meinen Augen sind sie auf dem Tageschart am besten.
Welche Risiken oder Einschränkungen sind mit der Verwendung von Bollinger Bändern verbunden?
+
Eine Limitation ist ihre zeitliche Verzögerung, da sie auf historischen Daten basieren. Außerdem können sie in starken Trendphasen weniger effektiv sein. Anfänger neigen auch dazu, sie falsch zu interpretieren und zu nutzen.
Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

„Egal in welcher Marktphase man sich befindet – mit meinen Strategien kann ich seit über 6 Jahren flexibel im Markt erfolgreich agieren!“

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Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.