Die Versorger Aktien zählen zu den ältesten Wertpapieren an den internationalen Finanzmärkten. Einige Versorgungsunternehmen sind bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts an der Börse notiert. Nicht weiter verwunderlich, schließlich zählt die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser zu den Grundbedürfnissen der Bevölkerung und der Industrie. Ohne die Leistungen der Versorgungsunternehmen in aller Welt wäre das Wachstum der Weltbevölkerung und -wirtschaft nicht im Tempo der letzten Jahrzehnte möglich gewesen.

Zudem gehören Versorger Aktien zu den vielfältigsten Aktien an der Börse. Du hast die Möglichkeit in sogenannte „Multi-Versorger“, die ein breites Leistungsspektrum abdecken, zu investieren, oder in einen auf eine Leistung spezialisierten Versorger. Bei Letzteren stehen wiederum Energieversorger, Energieverteiler, Wasserversorger und Recyclingunternehmen zur Wahl.

Nicht zuletzt ist der sonst so konservative Versorgungssektor seit geraumer Zeit eine der dynamischsten Branchen weltweit. Auslöser dieser Dynamik ist die Energiewende, die Versorger im Bereich der Energieerzeugung zur Abkehr von fossilen Brennstoffen und zum Aufbau erneuerbarer Energien „zwingt“. Diese Transformation ist mit riesigen Herausforderungen, aber auch großen Chancen verbunden.

Versorger Aktien Titelbild

Das Wichtigste in Kürze zu Versorger Aktien

Zu den Versorger Aktien zählen die Wertpapiere von Unternehmen, die gewerbliche, öffentliche und Privatkunden mit Strom, Gas, Fernwärme und/oder Trinkwasser versorgen.

Der Versorgungssektor zählt zu den ältesten, solidesten und defensivsten Branchen an der Börse.

Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für das Leben und die Wirtschaft stehen Versorgungsunternehmen meist in einem Spannungsfeld zwischen öffentlichen Aufgaben und privater Gewinnmaximierung.

Versorger Aktien zählen in der Regel zu denjenigen Aktien mit den geringsten Kursschwankungen und den höchsten Dividenden.

Die Energiewende stellt Versorger vor große Herausforderungen, eröffnet ihnen aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten.

Eine oder die besten Versorger Aktie/n existiert/en nicht, zu unterschiedlich sind die Leistungsspektren und historischen Renditen von Versorgern.

Was sind Versorger Aktien?

Versorgungsunternehmen, meist nur kurz Versorger genannt, sind Unternehmen, die Konsumenten, Industrieunternehmen und öffentliche Einrichtungen mit Elektrizität, Gas, Fernwärme und/oder Trinkwasser beliefern. Darüber hinaus zählen auch die Entsorgung von Abwasser und Abfall sowie die Wiederverwertung zur Geschäftstätigkeit von Versorgungsunternehmen.

Versorger sind entweder Unternehmen der öffentlichen Hand oder privatwirtschaftliche Unternehmen. Letztere stehen im Gegensatz zu anderen Privatunternehmen in einem Spannungsfeld zwischen öffentlichen Aufgaben und privater Gewinnmaximierung. Während Versorger gesetzlich bzw. vertraglich zur Erbringung gewisser Leistungen verpflichtet sind, müssen sie gleichzeitig den Gewinn für ihre Anteilseigner maximieren.

Versorger Aktien zählen zu den defensivsten aller Aktiensektoren. Aufgrund ihrer ständig erforderlichen Leistungen sind Versorgungsunternehmen in der Regel konjunkturunabhängig. Bei Versorgern, die auch stark in der Energieerzeugung engagiert sind, relativiert sich diese Feststellung jedoch. Die Aktienkurse von Energieversorgern schwanken in der Praxis oft stark in Abhängigkeit des Strompreises.

Die Versorger Aktien gibt es in unterschiedlichsten Ausprägungen. Bei vielen Versorgungsunternehmen handelt es sich um historisch gewachsene Mischkonzerne, die sowohl in der Energieerzeugung und -verteilung als auch in den Bereichen Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling tätig sind. Es gibt aber auch Versorger, die sich auf einen einzelnen Bereich, wie beispielsweise die Energieerzeugung oder den Betrieb von Verteilnetzen spezialisiert haben.

Versorgungsunternehmen stehen seit vielen Jahren im Mittelpunkt der Transformation der weltweiten Energiewirtschaft. Sie sind dazu angehalten, die bisherige Energieerzeugung durch Gas und Kohle durch erneuerbare Energieträger abzulösen. Diese Energiewende ist für die Versorger mit Milliardeninvestitionen in neue Erzeugungsanlagen verbunden.

Einige der besten Versorger Aktien

Das Spektrum an Versorgungsunternehmen ist sehr breit und vielfältig. Während sich manche Versorger auf die Stromproduktion und/oder -verteilung konzentrieren, haben andere ihren Schwerpunkt in den Bereichen Wasser, Abwasser und Abfall. 

Eine konkrete Auswahl der besten Versorger Aktien ist vor diesem Hintergrund nicht möglich. In der nachfolgenden Auswahl wurde deshalb auf eine möglichst hohe geografische Diversifikation geachtet. Neben den wichtigsten Versorgern aus Deutschland und Österreich werden auch Unternehmen aus Frankreich, Dänemark, Spanien und den USA vorgestellt.

#1 E.On Aktie

Gemeinsam mit RWE ist E.On einer der beiden großen Energieversorger Deutschlands. Doch während sich RWE auf die Energieerzeugung konzentriert, liegt der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit von E.On im Betrieb der Stromnetze und in Kundenlösungen.

Mit rund 50 Millionen Kunden in ganz Europa, davon rund 14 Millionen in Deutschland, ist E.On der europaweit größte Betreiber von Energienetzen und -infrastruktur. Im Geschäftsfeld Energienetze fasst der Versorger alle Aktivitäten rund um den Betrieb von Strom- und Gasnetzen zusammen. Im Bereich Kundenlösungen vertreibt E.On Energieversorgungsverträge sowie sonstige Dienstleistungen rund um die Elektrizitätsversorgung an Privatkunden und Unternehmen.

Der letzte Höhenflug der E.On-Aktie an der Börse liegt bereits viele Jahre zurück. Von 2003 bis 2007 vervierfachte sich der Kurs des deutschen Versorgers. Seitdem konnte die E.On-Aktie nie wieder an ihre gute Börsenperformance anschließen.

Die Aktie war in den letzten Jahren primär aus Dividendengesichtspunkten interessant. Mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 4,7% in den letzten fünf Jahren gehört E.On zu den interessantesten Dividendenzahlern unter Deutschlands Konzernen.

Technische Einschätzung
Nachdem die E.On Aktie von 2003 bis 2007 einen wahren Boom an der Börse erlebte, ging es in den darauffolgenden Jahren mit dem Aktienkurs stetig bergab (rot). Ende 2016 fiel die Aktie schließlich auf ihr Allzeittief. In den letzten Jahren konnte sich das Papier von E.On jedoch wieder leicht erholen wobei sich eine Seitwärtsrange ausgebildet hat. Ein Ausbruch über 13 Euro wäre ein Kauf-Signal.

Monats-Chart: E-On

#2 RWE

RWE ist neben E.On der zweite große Energieversorger Deutschlands, doch es gibt einen fundamentalen Unterschied in der Geschäftstätigkeit der beiden Konzerne. Während E.On sich um den Betrieb der Stromnetze und um Energielösungen für Endkunden kümmert, produziert RWE nach wie vor als Kraftwerksbetreiber Strom. 

RWE ist somit nicht nur eine Versorger Aktie, sondern zugleich auch eine Energie Aktie. Der Konzern betreibt zahlreiche Kraftwerke im In- und Ausland, darunter in Belgien, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und der Türkei.

Aufgrund der zahlreichen Kohle- und Gaskraftwerke, die der Konzern derzeit noch betreibt, ist RWE häufig in den Medien präsent und eines der umstrittensten Unternehmen Deutschlands. Was viele Kritiker des Konzerns aber vernachlässigen, ist die Tatsache, dass RWE in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in den Kauf und den Ausbau erneuerbarer Energieanlagen investiert hat.

In der Vergangenheit hatte die RWE Aktie eine sehr ähnliche Entwicklung wie das Papier von E.On. An einen Boom in den Jahren 2003 bis 2007 schloss sich ein jahrelanger Kursrückgang an. In den letzten fünf Jahren hat sich die RWE Aktie jedoch deutlich stärker entwickelt als der Titel von E.On.

Technische Einschätzung
An die Kursrallye in den Jahren 2003 bis 2008 schloss sich eine fast achtjährige Abwärtsbewegung (rot) der RWE Aktie an der Börse. Seit 2016 genießt die Aktie jedoch wieder Auftrieb. Diesem Aufwärtstrend (grün) gilt es zunächst zu folgen, wobei die Zone um 32 Euro eine starke Unterstützung und somit Kauf-Chance darstellt.

Monats-Chart RWE
Monats-Chart: RWE

#3 EnBW Aktie

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ist nach E.On und RWE das dritte große Versorgungsunternehmen in Deutschland. Das Unternehmen entstand im Jahr 1997 durch die Fusion der beiden baden-württembergischen Verbundunternehmen Energie-Versorgung Schwaben AG und Badenwerk AG.

Kerngeschäft von EnBW ist die Erzeugung, der Transport und die Verteilung von Strom. Über die Tochtergesellschaft Yello Strom ist der Konzern auch im Stromvertrieb an Privatkunden tätig. Zudem ist EnBW in den Bereichen Gas und Fernwärme tätig und engagiert sich in zahlreichen erneuerbaren Energieprojekten. 

Im Geschäftsfeld Energie- und Umweltdienstleistungen erbringt EnBW netz- und energienahe Dienstleistungen sowie Leistungen in den Bereichen Wasserversorgung und Entsorgung. Selbst in der Abfallentsorgung ist der Konzern tätig.

EnBW ist an der Börse notiert, jedoch mit einem außergewöhnlich niedrigen Streubesitz von rund 0,4%. Die EnBW Aktie hatte in den letzten Jahren einen ähnlichen Kursverlauf wie viele andere Versorger. Nach einem Boom in den Jahren 2004 bis 2008 folgte eine lange Durststrecke an der Börse.

Technische Einschätzung
Der Kurs befindet sich seit 2016 in einem sehr starken Aufwärtstrend mit sauberer Struktur und konnte seinen Kurs seit jeher vervierfachen! Solange der Kurs oberhalb von 63€ handelt, ist von einer Fortsetzung des Trends auszugehen. In diesem Bereich liegt eine sehr starke Unterstützung.

Monats-Chart: EnBW

#4 Verbund

Die Verbund AG ist das mit Abstand größte Stromversorgungsunternehmen Österreichs. Der Konzern deckt über 40% des österreichischen Strombedarfs. Zudem besitzt und betreibt der Verbund das überregionale Stromnetz Österreichs.

Im Gegensatz zu den großen Stromproduzenten Deutschlands erzeugt der österreichische Verbund 90% seiner Strommenge aus Wasserkraft. Der Konzern betreibt 128 Wasserkraftwerke in Österreich, davon 92 Laufkraftwerke und 22 Speicherkraftwerke sowie Bezugsrechte an 14 weiteren Laufwasserkraftwerken. Die Kraftwerke befinden sich entlang aller wichtigen Flüsse der Alpenrepublik.

Neben der Energieerzeugung ist die Verbund AG auch im Stromhandel und -vertrieb tätig. Mehr als die Hälfte des Stromhandels findet außerhalb Österreichs statt. Im Stromvertrieb beliefert der Verbund nicht nur Haushalts- und Gewerbekunden, sondern auch die österreichische Industrie.

Technische Einschätzung
Die Verbund Aktie hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt und gehörte zweifellos zu den Bestperformern unter allen Versorger Aktien. Im Zeitraum von 2016 bis 2022 hat sich der Kurs der Verbund Aktie verzehnfacht. Solange der Kurs oberhalb von 55€ handelt, ist die Trendfolge sehr wahrscheinlich.

Monats-Chart Verbund
Monats-Chart: Verbund

#5 Iberdrola

Iberdrola zählt zu den größten Stromversorgern Europas. Der spanische Konzern mit Sitz in Bilbao bedient über 35 Millionen Kunden europaweit, davon mehr als elf Millionen in seinem Heimatland. Neben der Stromerzeugung aus Wasserkraft und Wind ist Iberdrola auch im Gashandel aktiv und am Betrieb von fünf Kernkraftwerken in Spanien beteiligt.

Iberdrola entstand im Jahr 1992 aus der Fusion der beiden spanischen Traditionsunternehmen Hidroeléctrica Española (Hidrola) und Hidroeléctrica Ibérica, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurden. Durch die Übernahmen des britischen Energieversorgers ScottishPower und des US-Versorgers Energy Easy wurde aus Iberdrola eines der größten Versorgungsunternehmen weltweit.

Technische Einschätzung
An der Börse erlebte die Iberdrola Aktie in den letzten 20 Jahren ein großes Auf und Ab. Nachdem der Kurs der Versorger Aktie von 2004 bis 2007 um rund 150% anstieg, ging das Papier bis 2013 auf Talfahrt und verlor alle Kursgewinne der vorangegangenen Jahre. Seit gut zehn Jahren befindet sich die Iberdrola Aktie aber wieder in einem starken Aufwärtstrend. Im Mai 2023 stieg der Versorgertitel auf ein 20-Jahreshoch. Zuletzt bildet der Kurs eine Seitwärtsrange aus.

Monats-Chart Iberdrola
Monats-Chart: Iberdrola

#6 Engie

Der Konzern Engie mit Sitz in Courbevoie bei Paris zählt zu den größten internationalen Versorgergruppen. Engie entstand im Jahr 2008 aus der Fusion des französischen Gasversorgers Gaz de France mit dem Mischkonzern Suez. Der französische Staat hält nach wie vor eine Beteiligung in Höhe von 24,1% an Engie.

Das Tätigkeitsspektrum vom Engie ist sehr breit. Als einer der größten Energieversorger der Welt ist der Konzern in der Erschließung und Förderung von Erdgas, der Erzeugung von Strom, der Energiebeschaffung, dem Energiehandel und dem Infrastrukturmanagement aktiv. Engie bedient sowohl Privatkunden als auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Zu den Abnehmern gehören Kunden in aller Welt.

Vor allem im Gasbereich ist Engie eines der wichtigsten Unternehmen weltweit. Der Konzern betreibt eines der größten Erdgasverteilernetz der Welt mit zahlreichen unterirdischen Lagerstätten. Hinzu kommt eine Flotte von fast 20 LNG-Tankern.

Technische Einschätzung
An der Börse gehört die Engie Aktie zu den weniger erfolgreichen Versorgertiteln. Lediglich im Zeitraum von 2005 bis 2008 erlebte die Aktie einen Aufstieg. Von 2008 bis 2020 war der Kursverlauf über weite Strecken negativ. Erst seit 2022 konnte sich die Engie Aktie wieder etwas an der Börse erholen.
Falls der Kurs über 17€ bricht, könnte der langfristige Abwärtstrend gebrochen sein und ein nachhaltiger Boden ausgebildet werden. Hier besteht eine Turn-around Chance.

Monats-Chart Engie
Monats-Chart: Engie

#7 Nextera Energy

Nextera Energy ist einer der größten Stromversorger in den USA. Der in Florida ansässige Energiekonzern ist eigenen Angaben zufolge der in den USA führende Stromerzeuger in den Bereichen Solar- und Windenergie.

Nextera Energy versorgt rund neun Millionen Kunden in über 25 US-Bundesstaaten mit Strom. Geografische Schwerpunkte des Versorgers sind Florida und die Ostküste der USA. Zudem ist der Konzern auch ein weltweit führender Anbieter von Batteriespeichern.

Nextera ist Mitglied im wichtigen US-Leitindex S&P 500 und zählte in den letzten Jahren zu den erfolgreichsten amerikanischen Aktiengesellschaften. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Kurs der Nextera Energy Aktie mehr als vervierfacht (Stand September 2023). Damit kann der Konzern auf eine deutlich erfolgreichere Börsenperformance verweisen als fast alle anderen Versorger Aktien.

Hochinteressant ist die Nextera Energy Aktie auch unter Dividendengesichtspunkten. Seit über 25 Jahren erhöht der Energieversorger seine Ausschüttungen und zählt somit zum erlauchten Kreis der Dividendenaristokraten.

Technische Einschätzung
Der langfristige Trend von Nextera Energy ist aufwärts gerichtet (grün) und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit fortgesetzt. Der aktuelle Rücksetzer bietet eine interessante Kauf-Chance im Sinne der langfristigen Trendfolge.

Monats-Chart: Nextera
Monats-Chart: Nextera

#8 Oersted

Im Gegensatz zu den bislang vorgestellten Versorgern ist Oersted ausschließlich im Bereich der Windenergie tätig. Das dänische Unternehmen mit Sitz in Fredericia ist Weltmarktführer im Betrieb von Offshore-Windenergieanlagen. Der Windenergiekonzern betreibt Windparks in mehreren Ländern Europas, hauptsächlich in Dänemark, Deutschland und Großbritannien. 

Zudem ist Oersted auch in den USA aktiv, dort jedoch nur mit Onshore-Windparks. Der dritte Geschäftsbereich „Markets & Bioenergy“ agiert als Bindeglied zwischen der Stromerzeugung durch Windkraftanlagen und Biomassekraftwerken und vertreibt Strom an Großhandelskunden in Europa.

Technische Einschätzung
Das Chartbild der Oersted Aktie sieht wie ein spitzer Berg aus. In den Jahren 2016 bis 2020 verfünffachte sich der Aktienkurs des dänischen Windenergieunternehmens. Seitdem befindet sich die Oersted Aktie jedoch auf einer massiven Talfahrt und hat bis Ende 2023 einen Großteil der Kursgewinne aus den Vorjahren wieder abgegeben. Möglicherweise kann der Bereich um das IPO-Level, sowie den Allzeittiefs halten.

Monats-Chart: Oersted

#9 Veolia

Die französische Veolia ist einer der weltweit größten sogenannten „Multi-Versorger“. Das bedeutet, dass der Konzern nicht nur Versorgungsdienstleistungen in einer Sparte, sondern gleich in mehreren erbringt. So ist Veolia in den Bereichen Wasser und Abwasser, Abfallentsorgung und Energie tätig. Veolia ist sowohl als Dienstleister für Kommunen als auch für die Industrie aktiv. 

Wichtigster Geschäftsbereich von Veolia ist Wasser und Abwasser. Veolia Water ist in fast 70 Ländern der Welt engagiert, versorgt ca. 100 Millionen Menschen mit Trinkwasser und entsorgt das Abwasser von rund 70 Millionen Menschen. Zudem betreut der Konzern rund 40.000 Kunden aus der Industrie.

Auch in Deutschland ist Veolia Water vielerorts tätig. Das Unternehmen hat zahlreiche Partnerschaften mit deutschen Kommunen und hält Beteiligungen an heimischen Stadtwerken. In Deutschland versorgt der Konzern rund 4,6 Millionen Menschen mit Trinkwasser und entsorgt das Abwasser von knapp fünf Millionen Personen.

Technische Einschätzung
Die Veolia Aktie zeigte in den vergangenen zehn Jahren eine für einen Versorgerkonzern sehr gute Performance an der Börse. Die Kursschwankungen der Aktie sind für einen Versorger jedoch ungewöhnlich hoch. Zudem erfreut Veolia seine Aktionäre mit recht hohen Dividendenausschüttungen. Die durchschnittliche Dividendenrendite des Konzerns lag in den letzten zehn Jahren bei knapp 4%.

Monats-Chart Veolia
Monats-Chart: Veolia

#10 American Water Works

American Water Works ist ein US-amerikanisches Wasserversorgungsunternehmen mit einer langen Historie. Das Unternehmen wurde bereits 1886 gegründet und versorgt heute ca. 14 Millionen Menschen in 14 US-Bundesstaaten mit Trinkwasser sowie Abwasserdienstleistungen. 

Zu den Kunden des Unternehmens zählen Privathaushalte, Gewerbebetriebe, Industriebetriebe, staatliche Einrichtungen und andere Versorgungsunternehmen. Das Unternehmen besitzt 80 Oberflächenwasseraufbereitungsanlagen, 480 Grundwasseraufbereitungsanlagen, 160 Abwasseraufbereitungsanlagen, 52.500 Meilen an Rohrleitungen, 1.100 Grundwasserbrunnen, 1.700 Pumpstationen, 1.300 Wasserspeicher und 76 Dämme. 

Im Unterschied zu anderen Versorger Aktie ist die American Water Works Aktien kein besonders guter Dividendenlieferant. Die durchschnittliche Dividendenrendite des Unternehmens betrug in den letzten fünf Jahren lediglich 1,4%.

Technische Einschätzung
Die American Water Works Aktie befand sich über einen Zehn-Jahres-Zeitraum von 2011 bis 2021 in einem nahezu ununterbrochenen Aufwärtstrend, in dessen Zuge sie ihren Kurs versechsfachen konnte. Seit ihrem Allzeithoch Ende 2021 musste die Aktie des US-Wassersversorgers aber Federn an der Börse lassen. Diesen Rücksetzer sehe ich allerdings als Chance, um dem langfristigen Trend zu folgen.

Monats-Chart American Water Works
Monats-Chart: American Water Works

Vor- und Nachteile von Versorger Aktien

Vorteile von Versorger Aktien

Versorger besitzen ein krisenfestes Geschäftsmodell. Zwar schwanken die Preise für Öl, Gas, Uran und Strom, doch Energie wird immer benötigt. Auch Wasser-, Abwasser- und sonstige Versorgungs-/Entsorgungsdienstleistungen sind unverzichtbar.

Versorger haben einen hohen Burggraben. Das bedeutet, dass ihre Geschäftsmodelle nicht leicht von anderen Unternehmen kopiert werden können. Ihre Kraftwerke, Verteilnetze, Verarbeitungsanlagen und ihr Knowhow sind über einen langen Zeitraum unter Einsatz von Milliardenbeträgen gewachsen und machen Versorger nahezu unangreifbar.

Versorger Aktien sind in der Regel sehr verlässliche und gute Dividendenzahler. Aufgrund ihrer langfristigen Verträge mit Abnehmern haben sie gut planbare Cashflows und können Ausschüttungen besser vorhersagen als andere Unternehmen.

Große Versorger haben eine starke Marktstellung und eine entsprechend hohe Marktmacht.

Nachteile von Versorger Aktien

Versorger Aktien weisen in der Regel nur ein geringes Wachstum bei Umsatz und Gewinn auf.

Die Energiewende von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern stellt Versorger vor große Herausforderungen. Sie ist mit enormen Kosten für den Ausbau neuer Energieerzeugungsanlagen und sonstiger Infrastruktur verbunden.

Versorger sind inflexible Unternehmen. Aufgrund ihrer meist riesigen Infrastrukturen für die Erzeugung und Verteilung von Strom bzw. für den Betrieb sonstiger Ver- und Entsorgungsanlagen können sie nicht schnell auf Marktänderungen reagieren.

Versorger sind „politische“ Unternehmen. Aufgrund ihrer Bedeutung für die Gesamtwirtschaft greift die Politik regelmäßig in die Gestaltungsfreiheit der Versorger ein, beispielsweise durch Preisvorgaben.

Alternativen zu Versorger Aktien

Es gibt schlichtweg keine Alternativen zu Versorger Aktien. Energie wird überall und jederzeit benötigt. Gleiches gilt für die Ver- und Entsorgung von Wasser sowie das Recycling. Versorger Aktien können demnach nicht durch Wertpapiere anderer Unternehmen ersetzt werden.

Innerhalb des Versorgungssektors hast Du jedoch verschiedene Investmentmöglichkeiten. Du hast die grundsätzliche Entscheidung zwischen einem Multi-Versorger, der mehrere Versorgungsdienstleistungen anbietet, oder einem Versorger, der sich auf eine Leistung fokussiert. Bei diesen Versorgern hast Du die Wahl zwischen Energieerzeugung, Energieverteilung, Wasser und Abwasser sowie Umweltdienstleistungen.

Energieerzeugung

Die Energieerzeugung ist nach wie vor der wichtigste Leistungsbereich der meisten Versorger. Die heutigen Versorgungsunternehmen sind historisch fast immer aus Energieerzeugern hervorgegangen. 

Die Energiewende stellt diese Energieversorger vor große Herausforderungen, bringt aber gleichzeitig auch große Chancen mit sich. Größte Herausforderung für die Versorger sind die hohen Investitionen, die sie seit vielen Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energiequellen tätigen müssen.

Größte Chance ist das Gewinnsteigerungspotenzial durch erneuerbare Energieträger. Schon heute liegen die Stromgestehungskosten von Windkraft- und Solarenergieanlagen in günstigen Lagen unter den Kosten fossiler Energieträger. Für Versorger bedeutet das, dass sie in Zukunft möglicherweise höhere Gewinne im Bereich der Energieerzeugung erwirtschaften können.

Energieverteilung

In vielen Staaten wurde in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes die Energieerzeugung von der Energieverteilung getrennt. So gibt es heutzutage Versorger, die sich auf den Betrieb der Infrastruktur der Strom- und Gasnetze fokussieren. 

Auch in Deutschland wurde diese Trennung bei den großen Versorgern vor einigen Jahren vollzogen. Während RWE nach wie vor als Energieerzeuger tätig ist, hat sich E.On zu einem Netzbetreiber und Stromvermarkter gewandelt.

Der Betrieb der Stromnetze ist ein konservatives Geschäft, das einerseits stabile Einnahmen garantiert, aber andererseits wenig Gestaltungsraum zulässt. Dementsprechend zählen die Aktien von Energieverteilern zu den defensivsten Werten überhaupt.

Wasser und Abwasser

Neben dem Energiesektor spielt der Wassersektor die wichtigste Rolle im Versorgungsbereich. Unternehmen, wie beispielsweise American Water Works und Veolia, kümmern sich um die Wasserversorgung und -entsorgung bei Privat- und gewerblichen Kunden.

Das Spektrum der Versorger Aktien in diesem Bereich ist jedoch deutlich kleiner als im Energiesektor. Überdies ist der Wassersektor noch konservativer als der Energiesektor, da Unternehmen in der Regel mit langfristigen Verträgen und fixierten Preisen operieren.

FAQ – Versorger Aktien

Was versteht man unter Versorger Aktien?
+
Versorger Aktien sind die Anteilsscheine von Unternehmen, die Privatkunden, Industrieunternehmen und öffentliche Einrichtungen mit Strom, Gas, Fernwärme und/oder Trinkwasser beliefern. Zudem sind Versorgungsunternehmen auch in den Bereichen Abwasser und Abfall tätig.
Sind Versorger Aktien ein attraktives Investment?
+
Das kommt darauf an, was Du Dir als Anleger von einer Aktie erwartest. Als defensive Anlageform haben Versorger Aktien den Vorteil weniger großer Kursschwankungen als Aktien aus anderen Branchen. Diese Stabilität wird jedoch durch den Nachteil erkauft, dass die Kurssteigerungen von Versorger Aktien oftmals unterdurchschnittlich ausfallen. Ein weiterer Vorteil von Versorger Aktien sind jedoch die hohen und meist verlässlichen Dividenden.
Gibt es nachhaltige Versorger Aktien?
+
Der Anteil an erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung ist von Versorger zu Versorger unterschiedlich. Während manche Versorgungsunternehmen noch einen Großteil ihrer Energie durch fossile Energieträger erzeugen, sind andere bereits weit fortgeschritten auf dem Weg zu erneuerbaren Energien. Wenn Du auf der Suche nach einem möglichst nachhaltigen Versorger bist, informierst Du Dich am besten in den Geschäftsberichten der Unternehmen nach dem jeweiligen Anteil von Ökostrom.
Schütten Versorger Aktien hohe Dividenden aus?
+
Ja, neben Banken und Telekommunikationsunternehmen zählen Versorger zu den besten Dividendenzahlern unter allen Branchen. Grund dafür ist, dass Versorgungsunternehmen aufgrund ihrer meist langfristigen Abnahmeverträge sehr stabile und langfristig planbar Cashflows haben. Das bedeutet, dass sie besser in der Lage sind, ihre Ausschüttungen zu planen und in der Regel auch hohe Cashflows generieren. Dividendenrenditen von 4% und mehr sind bei Versorger Aktien keine Seltenheit.
Sind Multi-Versorger interessanter als „normale“ Versorger?
+
Das lässt sich so nicht sagen. Zwar haben Multi-Versorger, die in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig sind, mehr Möglichkeiten, ihren Umsatz und Gewinn zu steigern. Gleichzeitig besteht bei sehr breit aufgestellten Multi-Versorgern aber immer die Gefahr, sich zu verzetteln. Auf Grundlage der Börsenperformance lässt sich kein eindeutiges Urteil fällen, ob die Aktien von Multi-Versorgern interessanter sind als jene von „normalen“ Versorgungsunternehmen.

Fazit zu Versorger Aktien

Versorger Aktien punkten durch ihre Vielseitigkeit. Du kannst sowohl in Versorger investieren, die sich auf einen Leistungsbereich spezialisieren (z. B. die Energieerzeugung), als auch in sogenannte „Multi-Versorger“, die ein größeres Spektrum an Leistungen erbringen.

Versorger Aktien zählen zu den defensivsten Aktienarten an der Börse. Ihre Kursschwankungen sind im Unterschied zu Aktien aus den meisten anderen Branchen sehr gering.

Die Aktien von Versorgungsunternehmen haben zwar in der Regel kein hohes Kurssteigerungspotenzial, bestechen aber meist durch relativ hohe und verlässliche Dividenden.

Versorger zeichnen sich aufgrund ihrer großen Vermögenswerte (Kraftwerke, Verteilnetze, etc.) durch einen tiefen Burggraben aus. Ihre Geschäftsmodelle sind praktisch nicht durch andere Unternehmen kopierbar.

Versorgungsunternehmen sind inflexibel und stehen immer unter einer mehr oder weniger großen politischen Einflussnahme. Sie können oftmals nicht schnell und rein marktwirtschaftlich handeln.

Die Energiewende von fossilen zu erneuerbaren Energien bringt für Versorger große Chancen, aber auch Risiken. Sie müssen hohe Beträge in neue Energieerzeugungsanlagen investieren, profitieren aber auch von günstigeren Produktionskosten und mehr Nachhaltigkeit.

Christian Böttger

Christian Böttger

Über den Autor Finanzexperte und Ausbilder für Trading mit über 6 Jahren Erfahrung an der Börse.

Vollzeit-Trader

„Egal in welcher Marktphase man sich befindet – mit meinen Strategien kann ich seit über 6 Jahren flexibel im Markt erfolgreich agieren!“

>75% Trefferquote

+6 Jahre Erfahrung

>100K € Jahresgewinn

Über den Autor:

Christian Böttger ist hauptberuflich Trader und Mentor, der sowohl kurzfristige Trades als auch langfristige Investments mit überragender Trefferquote durchführt. Auf Finanzradar.de teilt er seine Analysen sowie praktische Erfahrung und hat besonders für Anfänger den einen oder anderen Kniff parat. Mehr über Christian erfährst Du hier.